Martin Kowalewski wurde in der Jugend der Lilien ausgebildet, bestritt 172 Pflichtspiele für den Verein und machte am Böllenfalltor als Marketing Manager die ersten Schritte in seine spätere Karriere. Anfang März ist er nach über zwei Jahrzehnten wieder zu seinem Stammverein zurückgekehrt. Im ersten Teil des Lilienblog-Interviews berichtet er von seinen Aufgaben und Plänen, spricht über alte Bekannte und erklärt, warum Werte wie Ehrlichkeit und Kontinuität für seine Arbeit so wichtig sind. Im zweiten Teil des Interviews geht es um Volleyball, goldene Steaks und amerikanische Ideen, die in Deutschland nicht funktionieren.

Herr Kowalewski, Sie sind jetzt rund drei Monate zweiter Geschäftsführer bei den Lilien neben Michael Weilguny. Hatten Sie sich für die Anfangszeit irgendwelche Meilensteine gesetzt?

Martin Kowalewski: Nun ja, ich hatte mir das mit den Meilensteinen etwas anders vorgestellt. Aber nachdem ich am 1. März beim SV Darmstadt 98 angefangen hatte, kam ja gleich das Virus und wir mussten uns mit anderen Themen wie Kurzarbeit oder den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise auf den SV Darmstadt 98 beschäftigen.

Die Beschreibung Ihrer Aufgaben klang in der Pressemitteilung recht blumig. Aber was machen Sie denn genau, wenn kein Corona ist?

Martin Kowalewski: Ich bin für die Resorts Marketing und Vertrieb verantwortlich. Dazu zählen die Bereiche Sponsoring und Hospitality, klassisches Marketing und Positionierung, Merchandising und der Bereich Digitalisierung sowie Business Development.

„Man muss immer ehrlich sein“

Positionierung? Der Verein hat sich ja 2015 schon mit seinem Claim „Wir Lilien – Aus Tradition anders“ positioniert. Wohin soll das weiter gehen?

Martin Kowalewski: Das werden wir hoffentlich in Kürze sehen, wenn Corona das wieder ermöglicht. Aber selbst in der aktuellen Zeit gilt es, Haltung zu zeigen, sich solidarisch zu zeigen, Verbundenheit auszustrahlen. Eine Positionierung ist ja ein fortlaufender Prozess, den man immer auch ein Stück weit anpassen und weiter mit Leben füllen muss – nach innen und nach außen. Nach außen würde ich zudem gerne stärker in Kampagnen denken und Fans und Sympathisanten noch stärker mitnehmen.

Was heißt in Kampagnen denken?

Martin Kowalewski: Zum Beispiel die Frage: Wie schaffen wir es, noch mehr Menschen, ob jung oder alt, für die Lilien zu begeistern? Wie können wir das Merck-Stadion am Böllenfalltor als Erlebnisstätte für die Menschen weiterentwickeln, damit der Wunsch, zu den Lilien zu kommen, sich löst von grandiosen Erfolgen wie in den vergangenen Jahren. Es ist eine große Aufgabe, wenn man mit den Menschen in den Dialog geht, denn es gilt sie einzubeziehen. Das Schlimmste ist, wenn eine Kampagne nicht authentisch ist. Das muss immer ehrlich sein – und das Herz der Menschen in Darmstadt und der Region ansprechen. Ich weiß ja, was das heißt, weil ich selbst aus der Region komme.

„Mittlerweile gibt es auch Kontinuität in der Führung und wirtschaftliches solides Handeln“

Wieso sind Sie wieder zum SV Darmstadt 98 gekommen?

Martin Kowalewski: Für mich ist das ein Nach-Hause-Kommen, das fühlt sich gut an. Ich bin in der C-Jugend vom SV Traisa zu den Lilien gekommen und hier groß geworden. Ich habe den Sprung zu den Profis geschafft und letztlich war Darmstadt 98 das Sprungbrett in meine spätere berufliche Karriere. Viele Gesichter kenne ich noch von früher. Mit Tom Eilers habe ich zusammengespielt. Und mittlerweile gibt es auch Kontinuität in der Führung und wirtschaftliches solides Handeln. Das sind für Sponsoren wichtige Attribute. Darauf lässt sich aufbauen. Ich sehe, dass es hier noch viel Potenzial gibt. Nun müssen wir uns als Club, ambitionierte Ziele setzen – ohne uns zu überheben.

Zum Thema ambitioniertes Ziel fällt mir gleich Bundesliga-Rückkehr ein …

Martin Kowalewski: … aber auch die Zweite Bundesliga ist eine Liga, in die es nicht so viele schaffen. In Europa ist sie mit Blick auf Erlöse und Zuschauerzahlen im internationalen Vergleich eine Top-Liga. Der sportliche Erfolg ist natürlich ein wichtiger Parameter für wirtschaftlichen Erfolg. Dennoch gibt es viele Bereiche, die man angehen kann und die nicht direkt mit den Ergebnissen auf dem Rasen zusammenhängen. Der Verein hat auch erlebt, dass emotionale Dimensionen wie Image, Sympathie, Tradition oder Gemeinschaftsgefühl eine intensive Fanbindung erzeugen. All diese Facetten müssen wir berücksichtigen und weiter mit Leben füllen. Wir wollen an den Themen weiterarbeiten, die den Verein positiv aufladen.

Zur Person: Martin Kowalewski

Martin Kowalewski kam am 09. Juni 1970 in Hofheim im Taunus zur Welt. In der C-Jugend wechselte er von der SV Traisa zu den Lilien, wurde dort später Profi. Außerdem war er für den FSV Frankfurt und den US-Club Orlando Sundogs am Ball. Noch als Spieler übernahm er im September 1997 bei den Lilien parallel die Aufgabe des Marketing Managers. Später arbeitete er für den Sportrechtevermarkter Sportfive (heute Lagardère Sports), für Bayer Leverkusen und für die in Liechtenstein ansässige Sportagentur Sporteo. Zuletzt war er ein Jahr Geschäftsführer bei der Deutschen Volleyball Sport GmbH.

 

Bildquellen

  • Kowalewski: Handout SV98

4 Comments

  • Malibu sagt:

    Wie sieht denn „Digitalisierung“ bei einem Fußballverein aus?
    Ich kann mir da nichts vorstellen. Hier wäre es mal interessant zu wissen, was konkret geplant ist.

    • Udo Klug sagt:

      Kuckst du Eintracht: Die Homepage ist dann seltener erreichbar.

    • Stephan Köhnlein sagt:

      War mir jetzt nicht so als drängende Frage bewusst. Um Digitalisierung geht es doch bei jedem Unternehmen – nicht nur was das Internet und E-Commerce angeht, sondern auch mit Blick auf die Vereinfachung/Automatisierung von Arbeitsabläufen: Könnte bei einem Fußball-Verein ja zum Beispiel um elektronische Zugangskontrollen oder Bezahlsysteme gehen. Aber ich kann beim nächsten Mal gerne noch mal genauer nachfragen.

      • Malibu sagt:

        Ich frage mich bei solchen Projekten halt ob das irgendwie einen Einfluss auf meinen Stadionbesuch hat. Wenn er interne Arbeitsabläufe durch Digitalisierung optimiert ist das schön für den Verein, mir dann aber generell „egal“.
        Ich bin ein Freund von Digitalisierung und versuche das auch privat und beruflich voranzutreiben um Dinge zu verbessern.
        Nur ist mir im Fußball nichts oder wenig eingefallen.
        Wäre sicher interessant ob sich was für die Fans ändert und es schon konkrete Ideen oder Projekte gibt.

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