Weil wir erst kurz vor Ende der vergangenen Saison für den SV Darmstadt 98 in unsere magische Kristallkugel geblickt hatten, blieb sie etwas länger trüb als sonst. Doch jetzt hat sich die Sicht aufgeklart, und wir können einen Ausblick auf die kommende Spielzeit wagen. Wir sehen Elfmeterkrisen, Selbsthilfegruppen, angekettete Ex-Trainer und vieles mehr – aber lest selbst.

September: Dursuns Wechsel

Die Lilien starten mit einem Pokalsieg beim Drittligisten 1. FC Magdeburg in die Saison. Nach einem Foul an Marvin Mehlem in der Anfangsphase schießt Tobias Kempe den Foulelfmeter zwar an den Pfosten, doch den Abpraller verwandelt Felix Platte zum Tor des Tages.

Auch in der Liga gibt es zum Auftakt einen 2:1-Sieg beim SV Sandhausen durch zwei Tore von Fabian Holland. Wermutstropfen: Felix Platte fällt nach seiner Auswechslung eine Wasserkiste auf den Fuß. Mit einem Zehenbruch muss er mehrere Wochen pausieren.

Fabian Holland, SV Darmstadt 98

Torjäger Fabian Holland

Der Wechsel von Serdar Dursun zum türkischen Erstligisten Galatasaray Istanbul ist perfekt, wie sein Berater über eine Boulevardzeitung mitteilt.

Oktober: Bier ist kein Alkohol

Der Wechsel von Serdar Dursun ist geplatzt. Angeblich war das Faxgerät defekt, mit dem die Türken die Wechsel-Unterlagen der FIFA übermitteln wollten. Dursun zeigt sich scheinbar unbeirrt und trifft in allen drei Spielen im Oktober doppelt (Nürnberg 3:3, Osnabrück 4:0 und St. Pauli 2:2). „Die Selbsthilfegruppe, in der ich den Schicksalsschlag mit Kevin Großkreutz reflektieren konnte, hat mir sehr geholfen“, sagt er später über seinen rasanten Formanstieg.

Zwischenfall beim Abriss der Haupttribüne: Ex-Lilien-Coach Lothar Buchmann hat sich an einem Stahlgestänge festgekettet, um den Neubau zu verhindern. „Als ich neulich hier Trainer war, war die Tribüne doch noch ganz neu. Das ist alles reine Geldverschwendung“, begründet er seine Aktion. Die Berufsfeuerwehr benötigt fast drei Stunden, um den 84-Jährigen freizuschneiden. Buchmann schimpft: „Was seid ihr denn für Feierabendprofis?“

Die DFL gestattet eine begrenzte Rückkehr der Zuschauer in die Stadien. Das Alkoholverbot bleibt bestehen, allerdings ist Bier davon ausgenommen. „Bei Bier handelt es sich um einen elementaren Bestandteil der Ernährung für viele Fußball-Fans, dessen Entzug teils schwerwiegende Folgen haben kann“, sagt DFL-Chef Christian Seifert beim „Krombacher“-Fußball-Talk in einem Privatsender zur Begründung.

November: Wer ist Philipp Hofmann?

Erste Saisonniederlage für die Lilien: Beim Karlsruher SC gibt es ein 0:1. Torschütze ist Philipp Hofmann. „Den hatten wir irgendwie nicht auf dem Radar“, sagt Innenverteidiger Immanuel Höhn.

Eine Woche später rehabilitiert sich die Mannschaft jedoch. Gegen Bundesliga-Absteiger SC Paderborn gibt es ein spektakuläres 6:2. Felix Platte gibt ein furioses Comeback und trifft dreifach, ebenso wie Serdar Dursun. Der gibt danach bekannt, dass er seinen Vertrag in Darmstadt um zwei Jahre verlängert. „Ich bin mit vollem Herzen Lilie“, sagt er. „Was gestern war, interessiert mich nicht.“

SV Darmstadt 98 - Jahn Regensburg

„Mit vollem Herzen Lilie“

Mit 3:0 siegen die Lilien auch bei Erzgebirge Aue unter Ex-Coach Dirk Schuster. Der Sieg hätte deutlich höher ausfallen können, doch Felix Platte und Marvin Mehlem verschießen zwei Elfmeter.

Dezember: Gefährlicher e-Sport

Serdar Dursun, der mit 12 Treffern die Torschützenliste der 2. Liga anführt, wird für einen Lehrgang der türkischen Nationalmannschaft nominiert. Lukas Mai wird erneut für die deutsche U21 nominiert.

Das Spitzenspiel gegen den Hamburger SV am Böllenfalltor endet 1:1 (Torschütze Serdar Dursun). In die kurze Winterpause gehen die Lilien später als Tabellenzweiter hinter dem Hamburger SV.

Felix Platte stolpert beim e-Sport über eine Konsole und erleidet dabei eine schwere Prellung.

Januar: Zum Abnehmen zu den Lilien

Niklas Süle kommt als Leihgabe vom FC Bayern München ans Böllenfalltor. Der frühere Lilien-B-Jugendspieler soll an alter Wirkungsstätte sein Übergewicht abtrainieren, Spielpraxis sammeln und wieder in Form kommen. „Nicht erst seit der tollen Entwicklung von Lukas Mai wissen wir, dass der SV Darmstadt 98 ein großartiger Verein für Spieler ist, um sich weiterzuentwickeln“, sagt Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Furioses Comeback von Felix Platte: Beim ersten Rückrundenspiel führt der SV Sandhausen bis zur 88. Minute 1:0 durch den neunten Saisontreffer von Torjäger Dennis Diekmeier. Doch dann wird Platte eingewechselt und dreht kurz vor Schluss mit einem Doppelpack das Spiel.

Felix Platte, SV Darmstadt 98

Furioses Comeback mal wieder

Aaron Seydel, Patric Pfeiffer und Florian Stritzel werden vorübergehend für die Basketball-Abteilung des SV Darmstadt 98 abgestellt. „Wichtig ist, dass sie unter Wettkampfbedingungen am Ball Praxis sammeln“, begründet Trainer Markus Anfang den ungewöhnlichen Schritt.

Februar: Der Drohnen-Absturz

Mit einem Lupfer von der Drei-Punkte-Linie rettet Joker Aaron Seydel den Lilien ein 1:1 gegen den Karlsruher SC. Die Führung für die Badener erzielte Philipp Hofmann. „Irgendwie hatten wir den nicht auf dem Radar“, räumt Defensiv-Chef Victor Pálsson ein.

Sensation im DFB-Achtelfinale gegen Titelverteidiger Bayern München: Die Lilien gewinnen 2:1, Serdar Dursun trifft am Böllenfalltor in der Verlängerung per Fallrückzieher zum Siegtreffer.

Beim Absturz der Video-Drohne während des Trainings wird Felix Platte verletzt. Er erleidet eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung und fällt vorerst aus.

März: Schon wieder Platte

Eine bittere Enttäuschung gibt es im DFB-Pokal-Viertelfinale: Bei Drittliga-Tabellenführer Dynamo Dresden scheiden die Lilien nach einem 0:1 aus. Torschütze für Dresden ist Ex-Lilien-Spieler Yannick Stark mit einem traumhaften Distanzschuss. Seine aktuellen und ehemaligen Mitspieler sind erstaunt: „So hat der Yannick doch noch nie getroffen“, lautet die einhellige Meinung. Besonders ärgerlich: Die Lilien lassen viele Chancen liegen. Unter anderem verschießt Fabian Holland einen Elfmeter.

Yannick Stark - SV Darmstadt 98

„So hat er doch noch nie getroffen“

Furioses Comeback von Felix Platte: Beim 4:0 über das von Ex-Lilien-Coach Torsten Frings betreute Erzgebirge Aue erzielt er zwei Treffer.

April: Der Elfmeter-Fluch

Im Endspurt schwächelt die Mannschaft. Gegen Fortuna Düsseldorf setzt es eine 0:2-Heimniederlage. Bei Aufsteiger Würzburger Kickers gibt es ein 1:3, wobei Serdar Dursun zudem noch einen Elfmeter verschießt. Nicht einmal beim Lieblingsgegner Hamburger SV gelingt ein Sieg (0:0).

Insgesamt stehen im April in fünf Spielen drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Der SV Darmstadt 98 auf Rang vier ab.

Trainer Markus Anfang bezieht mit der Mannschaft ein zweitägiges Teambuilding-Camp und lässt die Spieler von morgens bis abends Flosse bauen. Das zeigt Wirkung.

Mai: Happy End mit Fußball-Gott

Die Lilien gewinnen in Hannover 3:2 (Torschützen Serdar Dursun, Patric Pfeiffer und ein Eigentor von Marcel Franke) und zu Hause gegen Heidenheim 1:0 (Torschütze Marcel Schuhen per Foulelfmeter). Vor dem letzten Spieltag steht das Team auf Rang drei.

In der letzten Partie der Saison bei Tabellenführer Holstein Kiel liefern sich beide Teams einen dramatischen Kampf auf Augenhöhe. In der 75. Minute fasst sich Außenverteidiger Patrick Herrmann ein Herz und startet auf dem rechten Flügel ein unwiderstehliches Solo über das halbe Feld, das er in Fußball-Gott-Manier mit einem platzierten Flachschuss ins rechte Eck abschließt.

Patrick Herrmann, SV Darmstadt 98

Der Fußball-Gott

Darmstadt steigt hinter Kiel als Zweiter direkt in die Bundesliga auf. Dritter wird der FC St. Pauli. Der Hamburger SV, der lange wie der sichere Zweitliga-Meister aussah, verliert sein Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig 0:4 und wird nur Vierter.

Mit 26 Treffern wird Serdar Dursun Torschützenkönig. Zusammen mit seinem Lilien-Mannschaftskollegen Ensar Arslan fährt Dursun mit der türkischen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft.

Juni: Dursuns Wechsel

Serdar Dursun wechselt zum FC Bayern München. Die Ablösesumme beträgt fünf Millionen, zudem kommen die beiden Leihspieler Niklas Süle und Lukas Mai fest zu den Lilien.

Dursuns Nachfolger wird ein alter Bekannter. Drittliga-Torschützenkönig Johannes Wurtz (26 Treffer) kehrt nach einer Saison beim SV Wehen Wiesbaden ans Böllenfalltor zurück. Wegen einer festgeschriebenen Rückkauf-Option beträgt die Ablösesumme lediglich 200.000 Euro. „Wir waren von Jos Qualitäten immer überzeugt“, sagt Sportchef Carsten Wehlmann. „Er musste einfach nur wieder regelmäßig spielen.“

(Achtung! Dieser Text kann Spuren von Ironie und Satire enthalten!)

Bildquellen

  • FCM-D98-009: Arthur Schönbein
  • SVD-SSV-blog-2019-20-023: Arthur Schönbein
  • KOE-D98-008: Arthur Schönbein
  • Stark-077: Arthur Schönbein
  • D98-BOC-004: Arthur Schönbein
  • psychics-1026092_1920: pixabay

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