Genau ein Jahr nach seiner schweren Knieverletzung ist Innenverteidiger Mathias Wittek beim SV Darmstadt 98 ins Training zurückgekehrt. Noch absolviert er individuelle Übungen mit Co-Trainer Kai Peter Schmitz. Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining peilt der 31-Jährige für die Jahreswende an. Trotz der langen Verletzungspause zieht Wittek ein positives Fazit des vergangenen Jahres. „Es war eine besondere Zeit. Keine schlechte Zeit.“

Das Unglück ereignete sich am 15. November 2019 im Testspiel gegen den FSV Mainz 05. Im Mittelfeld kam Wittek nach einem Zweikampf so unglücklich auf, dass sich sein linkes Knie nach hinten überdehnte. Totalschaden: Außenband und vorderes Kreuzband waren gerissen, zwei Operationen wurden notwendig. „Natürlich waren die Verletzung und die Diagnose zunächst mal ein Schock, als es hieß, dass es wohl ein Jahr dauert, bis ich wieder an Fußball denken kann“, sagt er heute.

„Fußball war und ist schon immer das Größte für mich. Aber das Leben ohne Fußball war auch schön“, sagt der gebürtige Pole, der bei 1860 München ausgebildet wurde und in der Winterpause 2019 vom 1. FC Heidenheim ans Böllenfalltor kam. Er habe eine tolle Frau und eine Familie mit drei kleinen Kindern. Das habe ihm Halt gegeben. Es sei ein Jahr für die Familie gewesen.

Mathias Wittek, SV Darmstadt 98

Seit dem Winter 2019 am Böllenfalltor – Mathias Wittek

Keine Zweikämpfe mit den Kindern

Trotz seiner Verletzung habe er mit den Kindern toben können. „Mein Oberkörper war ja gesund“, sagt er lachend und fügt an: „Außerdem musste ich mit den Kindern ja nicht in die Zweikämpfe gehen.“ So richtig begeistert sind die nun nicht, dass der Papa wieder öfter weg ist: „Wenn ich nach Hause komme, stellen die sich an, als wäre ich ein Jahr weg gewesen.“

Aber natürlich sei es für ihn auch großartig, ins Training zurückzukehren: „Es ist ein sehr schönes Gefühl, auf dem Platz zu sein, den Rasen zu riechen und die Mannschaft wiederzusehen.“ Sein oberstes Ziel sei es zunächst, ohne Schmerzen trainieren und spielen zu können.

Dass die Abwehr in Darmstadt schon mit vier etatmäßigen Innenverteidigern ohne ihn ordentlich besetzt ist, findet er gut. Es wäre blauäugig zu erwarten, dass ihm der Verein über ein Jahr einen Platz freihalte. „Aber wenn ich wieder schmerzfrei bin und mit der Mannschaft trainieren kann, ändern sich auch meine Ziele und Ansprüche wieder.“

Mathias Wittek peilt Rückkehr zum Jahresende an

Der persönliche Kontakt zur Mannschaft war in den vergangenen Monaten nicht so eng, wie er durchklingen lässt. Natürlich habe man sich mal über WhatsApp ausgetauscht oder er habe ab und zu beim Training vorbeigeschaut. Aber die Distanz war auch bewusst gewählt. „Ich war sehr dankbar, dass ich die Reha nicht bei der Mannschaft gemacht habe“, sagt er. Er wäre womöglich eher in ein Tief geraten, wenn er immer gesehen hätte, wie die seine Mannschaftskameraden auf den Platz gehen, während er nur Krafttraining schuftete.

Krafttraining ist allerdings auch jetzt noch ein wichtiger Bestandteil seines Trainings, dazu Koordination und Passspiel – „eben alles, was zum Fußballspielen dazugehört“, sagt er. Schon vor der Rückkehr zur Mannschaft habe er sich mit Lilien-Legende Elton da Costa mehrere Wochen auf dem Platz darauf vorbereitet.

„Jetzt geht es weiter mit Kai Peter Schmitz. Immer mehr, immer mehr, bis ich das volle Mannschaftstraining mitmachen kann.“ Dabei gebe das Knie das Tempo vor. „Es stimmt mich positiv, dass es immer vorangeht – auch wenn das Knie mal sagt: Jetzt mach aber wieder langsamer.“ Wenn alles gut laufe, wolle er zur Jahreswende wieder mit der Mannschaft trainieren. „Aber ob es dann zwei oder drei Wochen früher oder später ist, spielt am Ende keine Rolle.“

Ein Geisterspiel gegen Darmstadt

Fußball in Corona-Zeiten hat Wittek als Spieler noch nicht erlebt. Das einzige Geisterspiel seiner Karriere hat er mit 1860 München II im Jahr 2009 bestritten – wegen Fanausschreitungen waren damals keine Zuschauer zugelassen. Gegner war der SV Darmstadt 98. „Das war nicht schön. Man gewöhnt sich an alles. Aber daran möchte man sich nicht gewöhnen“, sagt er. Allerdings sei er auch froh, dass es überhaupt im Fußball weitergeht.

Wie es für Wittek weitergeht, steht auch noch nicht fest – nicht nur wegen der Verletzung. Da sei er gut abgesichert, sodass er keine existenziellen Sorgen gehabt habe, sagt er. Allerdings läuft sein Vertrag bei den Lilien zum Saisonende aus. Mit dann 32 Jahren ist er kein Mann mit langfristigen Perspektiven. Mit Trainer Markus Anfang habe er in der Saisonvorbereitung gesprochen und den Zeitplan grob abgesteckt. „Alles Weitere wird man sehen, wenn ich wieder dabei bin“, sagt Wittek.

Bildquellen

  • MSV-D98-2018-19-004: Arthur Schönbein
  • D98-RWD-Test-2019-20-010: Arthur Schönbein

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