Grund zur Panik besteht nicht, aber die Dynamik im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist auch rund um den SV Darmstadt 98 bemerkenswert. Am Montag erklärte ein entspannter Tobias Kempe, er werde seine Mitspieler bei einem Tor weiter umarmen. Am Dienstag hieß es vor dem Lilienblog-Interview mit Victor Pálsson schon: „No handshake“ (kein Händeschütteln). Und am Mittwoch teilten die zuständigen Behörden in Karlsruhe dann mit, dass die Begegnung gegen die Lilien am Samstag (13 Uhr) ohne Zuschauer stattfindet.

Zudem erklärten die Lilien, dass man Spieler und Trainer angehalten habe, „bis auf Weiteres nicht mehr für Autogramme und Fotos zur Verfügung zu stehen“. Zum jetzigen Zeitpunkt wolle man den Zugang zum Trainingsbetrieb bei öffentlichen Einheiten nicht einschränken. Um die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts jedoch bestmöglich umzusetzen, bat der SV 98 um Verständnis für die Maßnahmen. Damit wolle man die Gefahr verringern, dass das Virus „seinen Weg in die Mannschaftskabine findet“.

Vorverkauf für St. Pauli läuft weiter

Weil die öffentlichen Behörden den SV Darmstadt 98 bislang noch nicht angewiesen hätten, den Spielbetrieb einzuschränken, finde der Vorverkauf für das Heimspiel gegen den FC St. Pauli (23.3./20.30 Uhr) vorerst weiterhin statt. Das gilt demnach auch für den angelaufenen Vorverkauf für das Auswärtsspiel beim FC Erzgebirge Aue (5.4./13.30 Uhr). Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man aufgrund der dynamischen Entwicklungen noch keine detaillierteren Informationen zum Heimspiel gegen St. Pauli geben.

Lilien-Anhänger, die Tickets für den Gästebereich beim KSC-Spiel erworben haben, erhalten das Geld für die Karten zurück. Infos zur Rückerstattung folgen zeitnah, wie der SV Darmstadt 98 versprach.

Kann die Saison zu Ende gespielt werden?

Bereits vor knapp elf Jahren hatten der SV Darmstadt 98 schon einmal ein Geisterspiel bestritten – damals gegen den TSV 1860 München II in der Regionalliga. Die Partie im September 2009 ging 0:4 verloren. Vorangegangen waren schwere Ausschreitungen der Löwen-Fans, weswegen der DFB den Zuschauerausschluss verhängt hatte.

Abgesehen davon ist es zumindest in den vergangenen gut 50 Jahren das erste Pflichtspiel der Lilien, das ohne Zuschauer stattfindet, wie Vereinsarchivar Thomas Spengler dem Lilienblog sagte. Zurück bis 1945 befänden sich auch keine Hinweise auf solche Spiele im Archiv. Ob es in der Zeit davor – also etwa rund um die Weltkriege – schon einmal ein Geisterspiel gab, ließ sich zunächst nicht eindeutig klären.

Im deutschen Profifußball sind schon jetzt wegen des Coronavirus bei einer ganzen Reihe kommender Spiele die Zuschauer ausgeschlossen. Gut möglich ist sogar, dass komplette Spieltage verlegt werden. Der DFB sagte für die 3. Liga die kommenden beiden Spieltage ab. Der Präsident von Erzgebirge Aue, Helge Leonhardt, wurde am Mittwoch in mehreren Medien mit der Aussage zitiert, er gehe nicht davon aus, dass die Zweitliga-Saison nicht zu Ende gespielt werden könne.

Coronavirus erstmals bei Zweitliga-Profi nachgewiesen

Bei einem ersten Zweitliga-Profi wurde das Virus bereits diagnostiziert. Dabei handelt es sich um Timo Hübers von Hannover 96. Hübers habe sich wohl am Samstagabend bei einer Veranstaltung in Hildesheim infiziert, teilte der Verein mit. „Da der 23-Jährige seit der Ansteckung, die exakt eingrenzbar ist, keinen Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen hatte, ist nicht davon auszugehen, dass sich Mitspieler bei ihm infiziert haben“, hieß es weiter. Der Spieler selbst zeige keine Symptome, befinde sich in häuslicher Quarantäne. Der komplette Profikader sowie Trainerteam und Staff seien vorsorglich auf das Virus getestet worden.

(Korrigierte Version, in die das Geisterspiel gegen 1860 München II eingefügt wurde)

Bildquellen

  • halloween-4451903_1920: Pixabay

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