Zwischen Pfiffen und Aufstiegsphantasien – Tobias Kempe weiß aus seinen bald fünf Jahren in Darmstadt, wie wechselhaft die Stimmung beim Lilien-Anhang ist.Kommentare nach dem Bochum-Spiel wie „Wenn wir so spielen, dann steigen wir nicht auf“ nimmt er mit Humor, mahnt dazu, auf dem Boden zu bleiben. Im Interview spricht er auch über seine eigene Zukunft, das Wiedersehen mit Ex-Mitspieler Jérôme Gondorf beim nächsten Spiel in Karlsruhe und die Morddrohungen gegen Nürnbergs Hanno Behrens, mit dem er bei den Lilien und beim Club zusammenspielte.

Tobias, wie geht’s der gebrochenen Hand?

Tobias Kempe: Besser. Aber es ist immer noch eine kleine Behinderung. So ein Bruch dauert fünf bis sechs Wochen. Von den Schmerzen ist es auch schon besser.

Dein Töchterchen konntest Du auch schon wieder hochheben …

Tobias Kempe: Muss ich ja (lacht). Das geht schon.

Wie siehst Du das Bochum-Spiel mit etwas Abstand?

Tobias Kempe: Das Spiel war ein sehr schwieriges Spiel. Bochum hat das gut gemacht, uns immer wieder früh gepresst. Umgekehrt sind wir nicht in unser Pressing gekommen. Ein typisches Zweitliga-Spiel. Sehr hart, viele Zweikämpfe, wenig Torchancen.

„Für die Mannschaft nicht so gut“

Hast Du das Gefühl, dass die ersten Fans schon wieder anfangen, vom Aufstieg zu reden?

Tobias Kempe: Ich kenne ja meine Fans hier in Darmstadt (lacht). Die sind sehr schnell euphorisch – aber auch kritisch. Ich kann nur daran erinnern, dass es vor ein paar Spielen auch mal anders aussah. Für die Mannschaft ist es nicht so gut, wenn gleich gepfiffen wird, wenn mal ein Spiel nicht so gut läuft oder man ein paar Fehlpässe spielt. Auch wenn das nicht böse gemeint ist und die Fans uns auch toll unterstützen. Alle sollten auf dem Boden bleiben. Ich habe auch ein paar Kommentare gelesen, in denen stand: Wenn wir so spielen, dann steigen wir nicht auf. Das nehme ich mit Humor. Aber die Fans müssen auch wissen, wo wir in den letzten Wochen standen und wo wir herkamen.

Wie gehen Spieler wie Du, bei denen der Vertrag ausläuft, damit um, dass Trainer Dimitrios Grammozis nicht bleibt?

Tobias Kempe: Man verlängert ja beim Verein und nicht beim Trainer. Ich habe nach dem Nürnberg-Spiel gesagt, dass ich gerne weiter unter dem Trainer gearbeitet hätte, weil es gerade super funktioniert. Aber es ist so, wie es ist. Und wir führen die Gespräche mit dem Verein.

Du hast nach dem Nürnberg-Spiel auch gesagt, bei Dir könnte bald etwas kommen mit Blick auf die Vertragsverlängerung …

Tobias Kempe: Bald ist sehr dehnbar. Aber ich habe dazu meine Sachen gesagt. Daran wird sich auch nichts ändern.

Du bist gerne in Darmstadt …

Tobias Kempe: Das wisst Ihr alle.

Kannst Dir vorstellen, dass es hier weitergeht …

Tobias Kempe: Auf jeden Fall.

Aber es gehören immer zwei Seiten dazu …

Tobias Kempe: Ja, klar.

Morddrohungen gegen Behrens? „Das ist für mich unfassbar“

Nächstes Wochenende geht es gegen Karlsruhe …

Tobias Kempe: Wir haben ja schon in der Liga und im DFB-Pokal gesehen, was das für eine Mannschaft ist. Ihr Spiel ist vorne stark auf Philipp Hofmann abgestimmt, ein sehr wuchtiger Stürmer, den sie immer suchen. Das ist eine gute Truppe, die haben sich mit Jego (Ex-Lilien-Spieler Jérôme Gondorf) und mit Änis Ben Hatira verstärkt, der aber gesperrt ist. Das wird auch ein sehr kampfbetontes Spiel werden. Aber wir wollen dort auch Punkte klauen.

Gibt es noch Kontakt zu Jego?

Tobias Kempe: Wir schreiben ab und zu. Ab und zu hört man sich mal.

Ein anderer Ex-Mitspieler von Dir ist zuletzt in die Schlagzeilen gekommen. Hanno Behrens hat in Nürnberg von Fanseite Morddrohungen erhalten …

Tobias Kempe: Ja, das habe ich mitbekommen. Und das hat mich schon getroffen, auch weil Hanno schon lange in dem Verein ist und dort ein Führungsspieler ist. Ich weiß nicht, wie so etwas zustande kommt. Das ist einfach nur traurig, dass Du als Spieler, der in der Öffentlichkeit steht, eine Morddrohung bekommst. Das ist für mich unfassbar. Und das gibt mir zu denken, wo das noch hingehen könnte.

Bildquellen

  • SVD-BOC-blog-2019-20-012: Arthur Schönbein

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