Trainer Markus Anfang vom SV Darmstadt 98 war gerade in seiner Analyse der Partie gegen die Würzburger Kickers, als Bernhard Trares der Kragen platze: „Ich bitte dann auch fair zu sein: Uns haben neun Stammspieler gefehlt, sorry!“, warf der ohnehin schon die gesamte Zeit grimmig dreinblickende Würzburg-Coach verärgert ein.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz (und auch ein Gebot der Höflichkeit), dem anderen Trainer nicht ins Statement zu fahren. Selbst bei unterschiedlichen Sichtweisen lässt man sich vor laufenden Fernsehkameras normalerweise ausreden. Gegebenenfalls kann der Coach danach seine eigene Sicht nochmals anbringen. Doch die Situation machte deutlich, wie angefressen Trares war. Anfang blieb jedoch ruhig, hielt kurz inne und fragte dann: „Darf ich weiterreden?“ Um anschließend die Situation zu deeskalieren.

Mit Rumpfteam zum SV Darmstadt 98

Was war passiert? Nach einem positiven Corona-Test bei einem Physiotherapeuthen hatte das Würzburger Gesundheitsamt am Mittwoch einen großen Teil des Kaders in Quarantäne geschickt. Die Partie der Franken gegen St. Pauli am selben Tag wurde abgesagt. Doch nachdem eine weitere turnusmäßige Covid-19-Testreihe des zur Verfügung stehenden Kaders ausschließlich negative Ergebnisse ergeben hatte, musste Würzburg mit einem Rumpfteam in Darmstadt antreten. Trares hatte seinen Unmut darüber deutlich ausgedrückt.

Gerade drei Auswechselspieler standen dem Zweitliga-Schlusslicht zur Verfügung. Kurz vor Ende wechselte Trares sogar den 1,96 Meter großen Ersatztorwart Eric Verstappen als Feldspieler ein, um bei den keineswegs sicheren Lilien noch für etwas Unruhe zu sorgen. Das blieb am Ende vergeblich, auch weil dem ebenfalls eingewechselten Felix Platte in der Nachspielzeit noch das letztlich verdiente 2:0 gelang.

„Das wird mir alles zu flach gemacht“

Anfang erklärt in der Pressekonferenz, dass es gegen jeden tief stehenden Gegner schwer sei – und dass bei Würzburg schließlich auch Zweitliga-Spieler auf dem Platz gestanden hätten. „Das wird mir alles zu flach gemacht“, sagte der Lilien-Coach. Damit löste er den Ärger des Würzburg-Coaches aus.

Nach Trares‘ Unterbrechung stellte Anfang klar: „Wir wollen den Gegner nicht schwächer machen, als er ist.“ Und weiter: „Wenn Du das in den falschen Hals bekommen hast, dann tut mir das leid. Ich kann deinen Unmut auch verstehen, Bernhard. Aber es ist nicht in meinem Interesse, irgendetwas zu schmälern.“ Und nachdem Anfang zum Ende seines Statements nochmals klargestellt hatte, dass er Würzburg nicht habe angreifen wollen, brummelte Trares ein paar versöhnliche Worte, die klangen wie: „Schon vorbei“.

 

Bildquellen

  • F95-SVD-2020-21-blog-Anfang-007: Arthur Schönbein

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