Im Stadion und im Fernsehen hört man bei den Spielen des SV Darmstadt 98 in der Regel nur Trainer Markus Anfang. Der pusht und treibt an, korrigiert und coacht von der Außenlinie. Auf dem Platz selbst ist es bei den Lilien dagegen ziemlich ruhig – und das ist eines der großen Probleme.

Als der frühere Lilien-Keeper Christian Mathenia den Ball in der Nachspielzeit der Partie gegen den 1. FC Nürnberg mit einem Abschlag weit in die Darmstädter Hälfte schlug, stand Innenverteidiger Nicolai Rapp eigentlich gut, um den Ball sicher zu Torhüter Marcel Schuhen zurückzuköpfen. Doch Schuhen war aus seinem Tor herausgekommen und Rapp köpfte den Ball über seinen verdutzten und chancenlosen Keeper ins eigene Tor. Kommunikation? Offensichtlich Fehlanzeige!

„Das Gegentor kann eigentlich nicht passieren. Aber uns kann es passieren“, räumte ein konsternierter Anfang ein. Ein Abschlag, den kein Gegenspieler mehr berührt – das ist für Anfang „eine Kommunikationssache“ zwischen zwei Spielern. Aber das Problem geht tiefer: „Eine gewisse Lautstärke sollten wir schon auf dem Platz haben“, sagte er Coach weiter. „Dass man untereinander mehr kommuniziert, sich verbal unterstützt, füreinander da ist, dass auch mal Alarm auf dem Platz ist – dann wäre vieles leichter.“

Wackelige Verteidigung und mangelhafte Chancenverwertung

Die beiden anderen großen Probleme des SV Darmstadt 98 sind schon die gesamte Saison augenfällig: Die Gegner brauchen oft kaum Chancen, weil sich die Lilien die Gegentore zu leicht fangen. Gegen weitgehend harmlose Nürnberger kassierte man über die rechte Abwehrseite das 0:1. „Das entstand aus einer Umschaltsituation, wo wir ganz schlecht in der Restverteidigung stehen“, analysierte Anfang. Und auch Kapitän Fabian Holland stellte mit Blick auf das erste Gegentor fest: „Wir müssen viel besser verteidigen!“

Dass die Mannschaft so wenig Punkte hat, liegt aber vor allem daran, dass sie zu wenig aus ihren Gelegenheiten macht. Auch gegen den Club verbuchte man deutlich mehr und bessere Chancen.  „Wir müssen uns selbst daran messen, was wir aus unseren Torchancen machen“, sagte Anfang.

Man trainiere permanent, wie man in torgefährliche Situationen komme und wie man sich dann verhalte. „Wir sind am Ende davon abhängig, dass der Spieler das dann auch umsetzt.“ Und deswegen nahm der Coach sein Team auch in die Verantwortung. „Jeder Spieler muss mit sich selbst ins Gericht gehen, ob das sein Anspruch ist.“

Drei Tage frei, um den Kopf freizubekommen

Nach dem Nürnberg-Spiel gab Anfang dem Team zunächst drei Tage frei. „Die Jungs müssen den Kopf freibekommen“, sagte er nach der Woche mit dem Pokal-Aus im Elfmeterschießen und zwei schmerzhaften Last-Minute-Toren gegen Regensburg und jetzt gegen Nürnberg. „Es sind sicher schon Sachen passiert in dieser Saison, die Du sonst über Jahre verteilt hast“, sagte er. Mitleid will er freilich nicht. Vielmehr müsse sich die Mannschaft gegen den negativen Trend auflehnen. „Denn an vielen Sachen sind wir selber schuld, wie man auch heute gesehen hat.“

Bildquellen

  • SVD-KSV-2020-21-blog-019: Arthur Schönbein

One Comment

  • Chino Bagnio sagt:

    Das Problem wird immer offensichtlicher: Ein Trainer, der beim Zeigen auf die Fehler der Spieler immer vergisst, dass 3 Finger auf ihn selbst zeigen. Es wird mir nun auch klar warum er in Köln trotz Aufstieg gehen musste. Ich bin einmal gespannt wie lange wir uns das Anfangsystem noch antun. Wie er tickt, hat mir auch die Prssekonferenz nach dem Pokalspiel in Kiel gezeigt, in der er quasi den Erfolg der Kieler heute auch noch auf seine Fahnen schreibt.

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