Das gelungene Experiment der digitalen Mitgliederversammlung sollte ein möglichst einmaliges Ereignis bleiben, meint Lilienblog-Autor Frank Horneff.

Das, was sich am Mittwochabend in der digitalen Welt rund um den SV Darmstadt 98 abgespielt hat, kann getrost als ein historisches Stück Vereinsgeschichte beschrieben werden: die erste rein digitale Mitgliederversammlung des SV 98.

Das Format hat überzeugt, wenngleich der Wunsch der Beteiligten nur allzu verständlich bleibt: Es mögen bitte keine weiteren digitalen Versammlungen dieser Art folgen. Dass Rüdiger Fritsch als Vereinspräsident mit seinem Team überzeugend wiedergewählt wurde, ist sicher keine Überraschung. In Zeiten der Krise tauscht man das Cockpit nicht aus, bleibt der Steuermann mit seiner Crew an Bord – und das ist gut so!

Um Punkt 19:04 Uhr startete die digitale Mitgliederversammlung, es folgten etwas mehr als drei Stunden Informationen und Entscheidungen für die nähere Zukunft des Vereins, gab es Einblicke in Zahlen, Daten, Fakten – und schöne bunte Bilder wie es einmal sein wird am Böllenfalltor, wenn dort die Bauarbeiten beendet sein werden.

Dass diese besondere Premiere geglückt ist, ist vor allem den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle des SV 98 zu verdanken, die sich der technischen Herausforderung gestellt haben. Und natürlich haben berechtigte, auch kritische Nachfragen aus der Mitgliedschaft auch in diesem Format ihren Platz: Etwa nach der sportlichen Entwicklung, verantwortet von Carsten Wehlmann oder der Transparenz von Geschäftsberichten und der Höhe von Aufwandsentschädigungen von Präsidiumsmitgliedern in Zeiten der Krise.

Das online-Experiment ist geglückt, ohne größere technische Schwierigkeiten. Dennoch lebt ja gerade der SV 98 von der Diskussionsfreude und der heinertypischen Streitkultur:

Was hat dieser Verein schon Mitgliederversammlungen erlebt: präsidiale Vertrauensfragen einschließlich Fetzenflug 2003 in der Otto-Berndt-Halle, die wegweisende Wahl Hans Kesslers 2007 in der Orangerie, danach war das Alte Schalthaus oft Schauplatz wichtiger Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit, zuletzt war die Sporthalle am Böllenfalltor der Ort, Bilanz zu ziehen und Weichen zu stellen.

Was bleibt? Der Verein ist auf Kurs und trotz der Pandemie wirtschaftlich gut aufgestellt. Jetzt muss das Team von Trainer Markus Anfang sportlich liefern: Er und sein Mannschaftskapitän Fabian Holland waren mit virtuellen Grußbotschaften Teil der digitalen Vereinsgeschichte an jenem denkwürdigen 31. März. Und viel war von der Lilien-Familie zu hören an diesem Abend. Doch eine Familie lebt vom Miteinander und von der Nähe.

Deswegen: Der SV 98 kann auch digital. Der Beweis ist spätestens jetzt erbracht. Damit soll es aber auch gut sein. Sollte die Pandemie überwunden sein, muss es zurückgehen ins wirkliche Leben mit der Mitgliederversammlung. Ob in trauter Harmonie oder auch mal mit Fetzenflug, wenn es sein muss. Auch das ist schließlich, was diesen Verein letztlich ausmacht.

Bildquellen

  • Screenshot 2021-03-31 19.06.00: Screenshot

2 Comments

  • Michael Rossa sagt:

    Gude,
    ohne Unsern Hans, gäbs Uns gar net mehr!
    Danke, Großer!!!
    Toller Beitrag!

  • Malibu sagt:

    Online trauen sich viel mehr Mitglieder Fragen zu stellen, das fand ich schon interessant.
    Ich habe mir überlegt ob es eine Hybrid-Möglichkeit geben könnte. Wer möchte nimmt online teil, andere können hinfahren.
    Wird allerdings an den Kosten scheiten, es wurde ja gesagt dass online teurer ist.

    Für unseren kleinen Verein wäre das wohl eine Nummer zu groß gedacht… 🙂

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