Zahlen lügen nicht. Eigentlich hätte der SV Darmstadt 98 das Spiel in der Hinrunde bei Fortuna Düsseldorf im vergangenen Herbst nicht verlieren dürfen. Was damals beim 2:3 schief ging und wie die Lilien die Fortuna am Sonntag (Anpfiff 13.30 Uhr) knacken können, hat unser Statistikpartner Createfootball analysiert.

„Die Lilien haben in der Hinrunde in Düsseldorf ihre Überlegenheit einfach nicht genutzt“, sagt Mats von Createfootball. 63,34 Prozent Ballbesitz hatte die Mannschaft von Markus Anfang. Dabei trug sie 42 Positionsangriffe vor. Nur beim 2:1-Heimsieg gegen Sandhausen war es einer mehr (43). Allerdings schlossen die Lilien nur sieben ihrer Angriffe mit einem Torschuss ab (16,67 Prozent). Der Saisondurchschnittswert liegt bei 23,4 Prozent. Tobias Kempe und Seung-ho Paik verpassten zudem zwei Großchancen.

Viele Werte im Hinspiel über dem Durchschnitt

Ein ähnliches Bild bei den Flanken: Starke 22 Flanken schlugen die Lilien. Nur bei der 0:2-Niederlage gegen Kiel waren es mit 28 mehr. Aber die Genauigkeit ließ zu wünschen übrig. Gerade vier Flanken kamen an. Das entspricht einen Wert von 18,18 Prozent. Der Saisondurchschnitt liegt bei 32,4 Prozent.

Fortuna Düsseldorf - SV Darmstadt 98

Was helfen die besten Werte, wenn man in den entscheidenden Momenten versagt? Geknickte Lilien nach dem Düsseldorf-Spiel der Hinrunde

Auch in der Defensive hatten die Lilien überdurchschnittlich gute Werte – und fingen sich trotzdem drei Tore. 65,57 Prozent der Zweikämpfe gewann das Team von Anfang. Das ist deutlich mehr als der Saisondurchschnittswert von 59,4 Prozent. Wirklich beschäftigt hatte die Fortuna die Lilien auch nicht. Gerade sechsmal kam der SV 98 in Situationen, in denen er klären musste. Allerdings ließ er dabei vier Schüsse auf das Tor zu und fing sich drei Gegentore.

Worauf der SV Darmstadt 98 achten muss

In den letzten beiden Spielen vor der Länderspielpause blieben die Düsseldorfer beim 0:3 gegen Bochum und beim 0:0 gegen Sandhausen ohne eigenes Tor. Trotzdem sind die Rheinländer nicht grundsätzlich ungefährlich in der Offensive. In den drei Partien davor gelangen dem Team von Trainer Uwe Rösler acht Treffer. Auch Lilien-Coach Anfang vor dem Spiel warnte vor der Offensive der Fortuna.

Düsseldorf liegt mit durchschnittlich nur 45,2 Prozent Ballbesitz unter den Top five der Mannschaften mit dem wenigsten Ballbesitz. Darmstadt hat durchschnittlich 52,2 Prozent Ballbesitz. Allerdings ging dieser Wert seit der Systemumstellung bei den Lilien in den vergangenen drei Partien deutlich zurück. Es wird also spannend, wer in der Partie am Sonntag die Initiative ergreift. In der Regel lässt Düsseldorf seine Gegner erst einmal spielen. Erst nach durchschnittlich 13,39 Pässen beginnt die Fortuna zu attackieren. Nur Aue gewährt dem Gegner mehr Luft.

Flach spielen, hoch gewinnen?

Keine gute Idee sind hohe Bälle gegen die Fortuna: Düsseldorf gewinnt starke 51 Prozent der Luftzweikämpfe und steht in dieser Statistik auf Platz vier der Liga. „Darmstadt tut gut daran den Ball flach zu lassen“, sagt Mats, mahnt aber auch: „Die Lilien sollten sich in Sachen Passgenauigkeit in der Vorwärtspässe wieder steigern.“ Im Schnitt beträgt die Passgenauigkeit bei 72,8 Prozent. In den vergangenen drei Spielen lagen die Werte zwischen 64 und 67 Prozent.

Besonders achtsam müssen die Lilien bei Flanken des Gegners sein. Zwar schlagen die Düsseldorfer nur eine durchschnittliche Anzahl an Flanken. Doch diese habe hohe Präzision: Die Fortuna hat die beste Flankengenauigkeit der Liga (37,2 Prozent).

Probleme gibt es bei der Fortuna mit der Disziplin: Mit 61 gelben Karten hat das Team die viertmeisten Verwarnungen der Liga. Mit bereits sechs roten Karten ist Düsseldorf gemeinsam mit Eintracht Braunschweig Negativrekordhalter der Liga.

Was steckt hinter Createfootball?

Createfootball steht für Transparenz im Bereich Daten im Fußball und sieht sich als Pionier des Datenscoutings. Sie erstellen viel Content, der aufgrund der Datenanalysen sehr tiefgründig ist und interessante Hintergründe aufdeckt. Das Ziel ist es, immer die Frage nach dem „Warum“ zu beantworten und statt gängiger Phrasen mit belastbaren Fakten zu glänzen. Neben dem Instagram-Auftritt geht CFB in ihrem Podcast „Createfootball – Der internationale Fußballpodcast“und auf dem Blog noch ausführlicher auf bestimmte Clubs, Ligen oder Sachverhalte ein.

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2 Comments

  • Chino Bagnio sagt:

    Für mich ist der Casus Knacksus wie Anfang die Außenverteidiger spielen lässt, spielen Sie wie in der 2. Halbzeit gegen Paderborn und im Spiel gegen Aue ganz normal, gewinnen wir. Müssen die Außenverteidiger allerdings wieder wie zuvor bei einer 4er Kette und wie, unverständlicher Weise, wieder gegen Braunschweig, zuerst einmal bei Ballbesitz um den Mittelkreis tanzen, dann passieren eben wieder so Dinge, wie den von Holland verursachten 11er und wir verlieren. Ich glaube, dass Anfang aus seinen Fehlern nicht lernt. Na wir werden es erleben. Zur Statistik, wollte man uns nicht die ganze Zeit glauben machen, dass quasi höhere Mächte an den Niederlagen schuld seien, da wir doch immer die größeren Spielanteile hatten? Zuletzt hatten wir die nicht mehr, dafür aber 2 Mal gewonnen.

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Sehe ich ein bisschen anders: Gegen Düsseldorf haben die Außenverteidiger bei den Gegentoren keine Rolle gespielt. Das erste Tor fiel nach einer Ecke, bei der größte Fehler von Palsson-Ersatz Schnellhardt (Mittelfeldspieler) kam. Das zweite Düsseldorf Tor leitete Höhn (Innenverteidiger) mit einem Fehlpass ein und auch beim Torschuss war er zu zögerlich beim Druck auf den Schützen. Klar, Ballbesitz schießt keine Tore, gegen Paderborn und Aue hatten die Lilien weniger den Ball und am Ende trotzdem drei Punkte. Aber was tun, wenn ein Gegner wie Düsseldorf den Ball gar nicht will. Da hatten die Lilien gestern nicht das richtige Rezept.

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