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Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten? Scheint so. Kurz vor dem Start der Rückrunde des SV Darmstadt 98 hat der Lilienblog am Samstag zwei Beiträge veröffentlicht. Der eine zählte elf Gründe auf, warum es eine gute Rückrunde für die Lilien wird (->). Der andere enthielt elf Gründe, warum es eine schlechte Rückrunde für die Lilien wird (->). Beide Beiträge erschienen zeitgleich und würden über verschiedene Kanäle auch in den Sozialen Medien verbreitet. Doch das Interesse war sehr unterschiedlich – und die Reaktionen waren es auch.

Die Argumente in beiden Beiträge spiegelten nicht die Meinung des Autors wider. Sie bestanden vielmehr zu einem beträchtlichen Teil aus gesammelten Aussagen verschiedener Personen in diversen Foren und Sozialen Medien rund um den SV Darmstadt 98. Einmal waren sie als positives und einmal als negatives Argument formuliert. Der Gedanke dahinter: Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt ernsthaft sagen, wie die Rückrunde verläuft. Es kann so kommen – oder genau anders herum. Um die Austauschbarkeit der Argumente zu signalisieren, wurde hinter den elf Punkten darauf verwiesen (einschließlich Link), dass es auch eine komplett gegenteilige Sichtweise gebe – wahlweise für Pessimisten oder Schönredner.

Eine kleine Spielerei mit einem Augenzwinkern – und mit interessanten Ergebnissen. Die Gründe für die schlechte Rückrunde wurden nämlich fast doppelt so oft geklickt wie die Gründe für die gute Rückrunde. Es scheint viel interessanter zu sein, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht funktionieren (könnten). Und womöglich haben ja auch hier die Algorithmen der verschiedenen Plattformen dazu beigetragen, dass die negativen Argumente sichtbarer waren als die positiven.

Algorithmen bevorzugen nämlich häufig Beiträge, die emotionale Reaktionen erhalten. Und die Reaktionen auf die Gründe für eine schlechte Rückrunde waren deutlich emotionaler: „Blabla“, „So einen Bullshit habe ich schon lange nicht mehr gelesen.“, „Wer hat so ne scheisse verfasst.“ oder der persönliche Rat an den Autor, doch lieber Decken an Obdachlose zu verteilen, als seine Zeit für das Schreiben eines solchen „Stumpfsinns“ zu verwenden. Die Zeit, die Beiträge bis zum Ende zu lesen, dort womöglich den Link zur Austauschbarkeit der Argumente zu entdecken und vor der Reaktion erstmal etwas nachzudenken, haben sich viele allerdings auch nicht genommen.

Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.

3 Kommentare

  • De Maddin sagt:

    Und was lernen wir aus diesem Lese(r)verhalten? Den wichtigen Link und das Augenzwinkern gleich an den Anfang des Textes!

    Die Ironiedetektoren sind einfach bei zu vielen Usern in der Wartung. Oder generell kaputt. Falls es sie überhaupt je gab. Zwinkerzwinker.

    • Jürgen sagt:

      Leider generell kaputt. Meine Erfahrung. Wer den Sinn solcher Dinge nicht versteht, sollte sie auch nicht kommentieren. Leider gibt es aber genügend Menschen, die das nicht beherzigen. Man muss bloß über den großen Teich schauen …

  • Tobias sagt:

    Danke für diese kreative Idee und auch „Auswertung“.
    Das sagt leider viel über uns/die Gesellschaft aus und lässt sich problemlos vom SVD-„Mikrokosmos“ auf andere Themenbereiche übertragen.

    Persönlich tut es mir leid, dass Ihr verbal so angegriffen werdet!
    Das Internet ist zum Teil „anonym“, was seine Vorteile und Berechtigungen hat (Whistleblower, etc.), sollte aber nicht so verwendet werden.

    Blau-weiße Grüße und macht weiter so!
    Tobias

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