Wie lange läuft der Vertrag von Florian Kohfeldt beim SV Darmstadt 98? Können Kai Klefisch oder Sergio Lopez den Verein im Sommer ablösefrei verlassen? Oder hat Matthias Bader für die kommende Saison überhaupt noch einen Vertrag? Die Antworten auf diese Fragen bewegen sich zwischen Detektivspiel und Spekulation, denn seit Paul Fernie vor zwei Jahren Sportdirektor geworden ist, werden Vertragslaufzeiten bei den Lilien nicht mehr bekanntgegeben. Damit ist der SV Darmstadt 98 nicht der einzige Verein im Profifußball. Trotzdem scheiden sich daran die Geister. So sehen die verschiedenen Beteiligten die Sache:
Das sagt Paul Fernie
„Wir wollen vor unseren Fans nichts geheim halten. Aber wir wollen eine gewisse Kontrolle haben und Druck rausnehmen. Denn wenn in der Öffentlichkeit zu viele Informationen kursieren, dann kann in manchen Situationen eine gewisse Unruhe aufkommen. Dem beugen wir vor – für die Spieler, aber auch für den Verein. Wir können also etwas gewinnen, wenn nicht alles nach außen dringt. Das kann nicht zuletzt unsere Position bei Vertragsverhandlungen mit anderen Klubs verbessern. Natürlich wird innerhalb unserer Branche gesprochen, und es werden Dinge erzählt, wir sind da nicht blauäugig. Aber wenn es die Chance gibt, einen Vorteil zu erlangen, dann wollen wir sie nutzen.“
Das sagen die Berater
Der Lilienblog hat mehrere Berater angefragt, wie sie das Thema sehen. Namentlich genannt werden wollte verständlicherweise niemand, aber die Sichtweisen haben alle einen ähnlichen Tenor. Einer der führenden deutschen Berater sieht im Nicht-Nennen von Vertragslaufzeiten ein Indiz dafür, wie in dem Geschäft zunehmend mit allen Mitteln gearbeitet wird und Transparenz und Ehrlichkeit zunehmend auf der Strecke bleiben. Wirklich sinnvoll sei das jedoch nicht.
„Ich finde das unnötig, da es ohnehin im Hintergrund den Austausch mit interessierten Vereinen gibt“, sagt ein anderer Spielerberater, der auch mit dem SV Darmstadt 98 zusammengearbeitet hat. Um Medienspekulationen zu umgehen, könne das womöglich Sinn ergeben. Allerdings würden die entsprechenden Informationen je nach Interessenlage der Parteien manchmal auch den Medien zugeschoben.
Ein weiterer Berater verweist ebenfalls darauf, dass der zeitliche Vorteil für die Vereine minimal sei. „Am Ende reicht oft ein Anruf, bei der Agentur und der interessierte Verein hat die entsprechenden Informationen“, sagt er. Zudem verweist er auf einen positiven Aspekt, um den die Spieler unter Umständen gebracht werden. „Wenn sich jemand langfristig zu einem Verein bekennt, kann er dafür nicht von den Fans gefeiert werden, weil die das ja gar nicht erfahren.“
Das sagen die Betroffenen
Offiziell äußern sich die wenigsten Spieler zu dem Thema. Zwei ehemalige Lilien-Spieler zeigten für die Geheimhaltung der Laufzeiten wenig Verständnis. Ohnehin geht es beim Umgang damit bisweilen etwas durcheinander. Bei der Verpflichtung von Isac Lidberg hatte etwa dessen Berateragentur bei Instagram die Vertragslaufzeit versehentlich gepostet (->).
Kai Klefisch antwortete nach dem KSC-Spiel auf die Frage, ob man ihn auch kommende Saison bei den Lilien sehen werde: „Stand jetzt ja.“ Tatsächlich hat die Laufzeit immer wieder nur eine beschränkte Aussagekraft: Jean-Paul Boetius hatte kurz nach seiner Verpflichtung offen von einem Zweijahresvertrag gesprochen, der dann aber nach nicht einmal einem Jahr aufgelöst wurde.
Trainer Florian Kohfeldt äußerte sich am Freitag nach seiner Vertragsverlängerung diplomatisch: „Ich verstehe ihr berechtigtes Interesse daran zu wissen, wie lang der Vertrag läuft“, sagte er vor Journalisten. „Aber es gibt sicherlich auch gute und wichtige Gründe, dass man Mitbewerbern, anderen Vereinen fas nicht darstellen sollte.“
Das sagen die Fans
Eine Lilienblog-Umfrage ergab, dass eine deutliche Mehrheit von knapp 60 Prozent findet, die Vertragslaufzeiten sollten veröffentlicht werden, um für Transparenz zu sorgen. Ein Anrecht darauf sieht aber nur ein kleiner Teil. Ein Viertel der Teilnehmer findet, dass die Laufzeiten nicht veröffentlicht sollten oder dürften.
Lilienblog-Fazit
Die Vertragslaufzeiten von Spielern und Trainern nicht zu nennen, hat für einen Verein höchstens einen geringen Vorteil. Spekuliert wird sowieso – egal ob die Laufzeiten öffentlich sind oder nicht. Und interessierte Vereine kommen ohnehin leicht an die Informationen. Berater, Spieler und Fans sehen die Geheimhaltung auch deswegen tendenziell oder sogar überwiegend negativ. Es sieht jedoch nicht so aus, als würden deren Argumente beim Verein die entsprechende Würdigung erfahren.
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Bildquellen
- ksc-SVD2025-26-blog-0009: Arthur Schönbein





