Den Spagat zwischen Tradition und Erneuerung zu halten, ambitioniert zu sein, ohne sich kleiner zu machen, als man ist – das ist eine der großen Herausforderungen für den SV Darmstadt 98 und seinen Präsidenten Markus Pfitzner.
Dass sich der Verein zu klein macht, findet er nicht und verweist auf die sportlichen Erfolge vor dem Hintergrund von Stadiongröße oder Einzugsgebiet. „Ich weiß nicht, ob wir größer werden, wenn wir immer vollmundige Ansprüche thematisieren“, sagt er im dritten und letzten Teil des großen Lilienblog-Interviews. Ein Ziel für die kommende Saison will er auch deswegen nicht ausgeben. Die Aussagen von Markus Pfitzner zu diesem Themen im Wortlaut lest ihr im Folgenden.
Wie schafft man den Spagat, den Lilien-Spirit zu erhalten und sich zugleich zu erneuern? Wenn man beim Personal neue Wege einschlägt, gibt es nicht immer nur Verständnis dafür wie zuletzt bei den Abschieden von Fabian Holland und Michael Stegmayer…
Diese Reaktion ist doch nur menschlich, das sind über Jahre gewachsene Beziehungen. Situationen wie die Verabschiedungen am letzten Spieltag fallen auch mir unheimlich schwer. Fabi etwa war ein Ausnahmespieler, aber hat auch mit seiner Persönlichkeit die Lilien-DNA verströmt. Das schafft emotionale Bindung. Davon lebt der Sport. Wir werden trotzdem nicht darum herumkommen, uns in nahezu allen Bereichen immer wieder zu hinterfragen, welche neuen Optionen es gibt, um weiter in diesem heftigen Wettbewerbsumfeld konkurrenzfähig zu bleiben.
Wie nimmst du das Verhältnis zu den Fans wahr?
Wenn man ein bisschen zurückschaut, hatten wir ein sehr schwieriges Jahr in der Bundesliga. Dann hatten wir ein wackliges und durchwachsenes Jahr in der 2. Liga. Und ich hatte schon das Gefühl, dass wir diese Saison wieder viel Nähe zu den Fans aufgebaut haben. Wichtiger als der eine oder andere Tabellenplatz ist aus meiner Sicht dieser Platz in den Herzen der Menschen. Wenn wir unsere Geschlossenheit, unsere emotionale Kraft verlieren, dann hätten wir sehr schlechte Karten im Wettbewerb.
Immer wieder ist der Vorwurf zu hören, der Verein mache sich zu klein. Wie sieht das der Präsident?
Bei den nackten Zahlenvergleichen mit Stadiongröße oder Einzugsgebiet sind wir im Vergleich zur Konkurrenz klein. Aber was unsere Performance angeht, sind wir nicht so klein. In unserem Leitbild steht, dass wir auf Dauer die Top 20 im deutschen Profifußball herausfordern wollen. Und das tun wir. Ich weiß nicht, ob wir größer werden, wenn wir immer vollmundige Ansprüche thematisieren. Und ich bin auch nicht überzeugt, dass die Lautsprecher auf Dauer die besseren Ergebnisse erzielen.
Florian Kohfeldt hat schon gesagt, der Bundesliga Aufstieg wird für die nächste Saison nicht als Ziel ausgerufen. Für die gerade beendeten Saison war das Ziel, besser zu sein als die Vorsaison. Vorausgesetzt, man will sich da weiterentwickeln, liefe das dann doch auf den Aufstieg hinaus. Wie formuliert man solche Ansprüche?
Ich glaube, jetzt ist nicht der Moment, um Ansprüche für die nächste Saison zu formulieren. Wir stehen vor einem Transfersommer, der Veränderungen bringen wird – wohl nicht im Stile eines Umbruchs, aber auch nicht nur in Nuancen. Natürlich haben wir den Anspruch, dass wir uns konsequent entwickeln. Wir wollen den Spielstil von Florian Kohfeldt weiterverfolgen. Gerade die aktuelle Saison hat gezeigt, dass es die sogenannten etablierten Zweitligisten nicht mehr gibt. Gemeinsam wieder um jeden Punkt, jeden Zentimeter Rasen zu kämpfen, das ist unsere DNA und darauf freue ich mich jetzt schon, wenn es im August wieder losgeht. Für uns geht es jetzt darum, nach einer wilden Saison kurz durchzuatmen, um dann unsere Hausaufgaben zu machen und zu schauen, dass wir mit einem starken Kader, Geschlossenheit und viel Vorfreude in die neue Saison gehen, damit die Menschen in Stadt und Region auch in der nächsten Saison viel Spaß mit den Lilien haben.
In Teil I des Interviews (->) lest ihr, was Markus Pfitzner zum Thema Finanzen und Transfers sagt.
In Teil 2, des Interview (->) spricht Markus Pfitzner über die Themen Stadionausbau und Nachwuchsförderung.
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Bildquellen
- IMG_5639: Stephan Köhnlein



