Skip to main content

Gegen Kiel noch in der Starformation, gegen Dresden nicht mal mehr im Kader – Fynn Lakenmacher hat die neuen Verhältnisse im Angriff des SV Darmstadt 98 gerade schmerzlich zu spüren bekommen. Mit der Verpflichtung von Milan Smit und zuvor bereits Hojae Lee hat sich die Hierarchie in der Lilien-Offensive geändert. Trainer Florian Kohfeldt hat nun die Wahl zwischen drei ganz unterschiedlichen Angreifern. Die aktuelle Reihenfolge spiegelt sich in den derzeitigen, ungefähren Marktwerten nieder, ist aber nicht in Stein gemeißelt.

1. Milan Smit (23 Jahre, Marktwert ca. 2. Mio. Euro)

Lange umworben, am Freitag offiziell verpflichtet und am Sonntag gleich in der Startformation – das zeigt, welche hohe Meinung Fernie und Kohfeldt von der Leihgabe von Stoke City haben. Auch wenn der Begriff „Königstransfer“ nie von den Offiziellen verwendet wurde, so ist der 23 Jahre alte Niederländer doch am höchsten einzuschätzen – was den Marktwert angeht, aber auch mit Blick auf seine sportliche Reputation.

Laut Sportgeschäftsführer Paul Fernie verfügt er über ein ausgeprägtes Gespür für Räume und ein gutes Timing bei seinen Tiefenläufen. „Durch seine intelligenten Bewegungen bringt er sich häufig in aussichtsreiche Positionen, gleichzeitig verfügt er über eine gute Technik und Abschlussqualität“, erklärte Fernie. Gegen Dresden konnte sich Smit in einer lange schwachen Darmstädter Mannschaft nicht wirklich auszeichnen, hatte aber immerhin den einzigen Abschluss.

Dass Smit nach gerade 48 Stunden in Darmstadt von Anfang an spielte, begründete Kohfeldt mit der Rolle, die dem neuen Angreifer zugedacht ist. „Ich wollte ihm sofort dieses Gefühl geben – weil nur deshalb konnten wir ihn bekommen: Wir glauben an dich.“ Ein Freibrief ist das jedoch nicht. Wer Kohfeldt kennt, weiß, dass er ein absoluter Verfechter des Leistungsprinzips ist. Und der Coach hatte selbst im gleichen Atemzug klargestellt: „Damit sage ich nicht, dass er jetzt immer gesetzt ist.“

2. Hojae Lee (25 Jahre, Marktwert ca. 900.000 Euro)

Wenige Tage vor Saisonstart war der südkoreanische Nationalspieler (bislang drei Länderspiele) zu den Lilien gestoßen. Er ist ein wuchtiger Mittelstürmer, der laut Fernie gerne als Zielspieler im Strafraum fungiert und den insbesondere Physis und Abschlussstärke auszeichnen. Gleich in seinem ersten Pflichtspiel gelang Lee als Einwechselspieler der Anschlusstreffer beim 2:2 gegen Holstein Kiel.

Kohfeldt lobte Lees schnelle Eingewöhnung, sieht ihn im Moment jedoch eher als Joker. „Hojae war letzte Woche ein extrem guter Einwechselspieler. Wenn Hojae reinkommt, kann er den Impuls setzen“, begründete der Lilien-Coach die Entscheidung, den Südkoreaner beim Spiel in Dresden zunächst auf der Bank zu lassen. Anders als gegen Kiel kam Lee bei den Sachsen nicht zum Stich.

3. Fynn Lakenmacher (26 Jahre, Marktwert ca. 400.000 Euro)

Auf den ersten Blick könnte man Lakenmacher derzeit als den Verlierer der aktuellen Situation sehen. Auch wenn Kohfeldt als einen Grund für dessen Nicht-Berücksichtigung anführte, dass der 26-Jährige die vergangene Woche wegen Leistenbeschwerden kaum trainieren konnte – in der Startformation hätte er gegen Dresden wohl auch so nicht gestanden. Lakenmacher kann vor allem als Wandspieler eingesetzt werden, indem er Bälle mit seiner körperlichen Präsenz festmacht und anschließend auf die Außen verteilt

Letztlich hat Lakenmacher die gleiche Situation wie vergangene Saison, als er Back-up für Isac Lidberg war – auch wenn er fast die gesamte diesjährige Vorbereitung Stürmer Nummer eins war. „Fynn hat von mir schon am Anfang des Trainingslagers im Einzelgespräch gehört, dass wir natürlich noch Stürmer holen werden“, sagte Kohfeldt. Er habe ihm aber auch gesagt: „Nenne mir einen Grund von deinen körperlichen Voraussetzungen, von deinen technischen Voraussetzungen her, warum du kein Top-Stürmer in dieser Liga sein kannst. So richtig viele finde ich da nicht.“

Gesetzt als hängende Spitze: Lance Duijvestijn (27 Jahre, Marktwert ca. 800.000 Euro)

Was in der Diskussion um den Lilien-Sturm etwas in den Hintergrund gerät, ist die Tatsache, dass Smit, Lee und Lakenmacher alle für die Position in Frage kommen, die der nach Gladbach abgewanderte Isac Lidberg vergangene Saison erfolgreich gespielt hatte. Für den zweitbesten Angreifer Fraser Hornby, der nach Wolfsburg gewechselt ist, hat der Verein bereits seit Beginn der Vorbereitung Lance Duijvestijn im Team.

Der Niederländer zeigte als hängende Spitze gute Ansätze, erzielte Tore in der Vorbereitung, und übernahm bei Elfmetern Verantwortung und verbuchte seinen ersten Assist in einem Pflichtspiel mit dem Eckball vor dem 2:2 gegen Kiel. Dass er natürlich noch nicht gleich in die Fußstapfen seines Vorgängers treten kann, liegt auf der Hand. Aber auch Hornby brauchte – von Verletzungen zurückgeworfen – mehr als ein Jahr, um  zu zeigen, was tatsächlich in ihm steckt.

(aktualisierte Version, mit ungefähren Marktwerten)

Euch ist ein Fehler aufgefallen? Dann lasst es uns hier per Mail (->) wissen.

Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.

2 Kommentare

  • Fred sagt:

    Ich habe mich auch gewundert! Aber wollen wir wirklich alles hinterfragen was der Trainer und der Staff entscheiden?
    Ich nicht, ich vertraue den Leuten, die das beruflich machen.

  • Udo D. sagt:

    Ich fand und finde es nach wie vor falsch, dass Smit am Sonntag sofort in der Startformation stand. Nachdem Lee wesentlich dazu beigetragen hat, den Punkt gegen Kiel zu retten, wäre es richtig gewesen, ihn zunächst zu bringen. Ob das mit etwaigen Vertragsdetails der Leihe zu tun hat? Keine Ahnung.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.