Skip to main content

Den Saisonbeginn hatten sich nahezu alle wohl anders vorgestellt: Der SV Darmstadt 98 verbringt die dreiwöchige Länderspiel-Pause am Tabellenende. Die Stimmung im Umfeld bewegt sich zwischen enttäuscht und angespannt. Und immer wieder kommen in diesen Tagen vor allem drei Fragen auf. Das sind die Hintergründe:

1. Wohin sind die ganzen Transfererlöse gegangen?

Mehr als zehn Millionen Euro hat der SV Darmstadt 98 an Ablösesummen in diesem Sommer erwirtschaftet – so viel wie noch nie in seiner Vereinsgeschichte. Die Aussage der Offiziellen, man habe mit Freude verkauft und werde mit einkaufen, wurde jedoch nur zum Teil umgesetzt. Schätzungsweise rund drei Millionen Euro investierte der Verein nach einer Statistik des Portals transfermarkt.de in neue Spieler. Sitzt der Verein nun auf einem riesigen Haufen Geld und gibt ihn nicht aus? Nein!

Die Differenz ist deutlich geringer. Zum einen wurden bei den meisten Spielern vertraglich vereinbarte Weiterverkaufsbeteiligungen an deren frühere Vereine gezahlt, die von den Ablösesummen noch abgehen. Zum anderen fielen auch für auf den ersten Blick ablösefreie Spieler Kosten an wie Spielervermittler, Handgelder oder Ausbildungsentschädigungen – im Fall von Nicolas Verkooijen (19) bewegt sich diese nach Lilienblog-Informationen beispielsweise im mittleren sechsstelligen Bereich.

Außerdem plant der Verein eine auch von vielen Fans gewünschte Erhöhung der Zuschauerkapazität mit dem Ausbau der Südtribüne. Auch das wird den Verein einen Millionenbetrag kosten. Allgemein sind die Kosten teils beträchtlich gestiegen – egal ob Gehälter, Reisen oder Instandhaltung von Stadion und Trainingsgelände.

Wie hoch Einnahmen, Ausgaben und Kosten für einen möglichen Stadionausbau sind, wird das Präsidium bei der diesjährigen Mitgliederversammlung erklären, die üblicherweise Ende Oktober stattfindet.

2. Warum ist der Staff so groß?

Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto sind lediglich das fünfköpfige Trainerteam um Florian Kohfeldt und Sportgeschäftsführer Paul Fernie zu sehen. Tatsächlich ist der Staff aber wesentlich größer. Auf der Homepage werden zudem vier Athletik-Trainer und drei Mitglieder der Analyseabteilung aufgeführt, dazu unter dem Stichpunkt Staff inklusive Fernie zehn weitere Personen sowie vier Mannschaftsärzte.

Nimmt man die Ärzte aus, die keine Vollzeitmitarbeiter sind, ergibt das 22 Mitarbeiter. Die Zahl der aufgeführten Spieler beträgt 32. Die immer wieder geäußerte Behauptung, der Staff sei größer als der Kader, stimmt also nicht.

Ist der Staff grundsätzlich groß? Wahrscheinlich ja, auch wenn Vergleiche schwierig sind, weil die Vereine ihre Staff-Mitglieder nicht immer nach den gleichen Regeln zählen und ausweisen. Präsident Markus Pfitzner hatte im Trainingslager in Bad Wörishofen durchblicken lassen, dass man da aber mittlerweile an eine Grenze stoße: „Selbst Flo sagt: Jetzt ist auch mal gut. Und das ist auch so.“

Der Lilien-Präsident stellte aber auch klar, dass die Aufstockung des Staffs auch eine Konsequenz aus der kritischen Aufarbeitung vor allem des letzten Viertels der vergangenen Saison sei, in der den Lilien reihenweise die Leistungsträger ausfielen.

„Ich glaube, dass wir in diesem Bereich besonders gut sein müssen, um unsere Herausforderer-Position zu halten“, sagte Pfitzner. „Wir glauben, dass wir aus den Jungs so am meisten herausholen können.“ Ob der Weg richtig war, wird sich erst am Ende der Saison zeigen, wenn klar ist, ob es signifikant weniger verletzte und angeschlagene Spieler gegeben hat.

3. Wieso reist man ausgerechnet jetzt in die USA?

Die USA-Reise war eigentlich schon für die zweiwöchige Länderspielpause im März geplant – wurde dann aber verlegt, weil – so die offizielle Begründung – die jetzige Länderspielpause eine Woche länger ist und sich die Reise so besser in den Ablauf einbetten lässt. Im Hintergrund stand sicher auch, dass die Mannschaft damals um den Bundesliga-Aufstieg mitspielte. Dass sie jetzt ein halbes Jahr später die Reise antritt, obwohl das Team Zweitliga-Schlusslicht ist, stößt nicht überall auf Verständnis.

Sicher gäbe es günstigere Zeitpunkte für eine Reise über den Atlantik mit Zeitverschiebung. Vergleiche mit dem Mallorca-Trip der Mannschaft nach dem Aufstieg greifen allerdings nicht wirklich. Damals feierte die Mannschaft, ohne zu trainieren. Diesmal wird voraussichtlich nicht gefeiert, sondern vor allem trainiert, und es gibt sogar ein Testspiel.

Ob es für die Mannschaft womöglich gut ist, gerade in dieser Zeit einen Tapetenwechsel zu haben oder ob ein beinhartes Trainingslager beispielsweise in der berüchtigten Sportschule Malente besser wäre, kann niemand sagen. Am Ende gilt auch hier: Entscheidend ist, wie die Mannschaft aus der Länderspielpause kommt.

Euch ist ein Fehler aufgefallen? Dann lasst es uns hier per Mail (->) wissen.

Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.