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Nach dem Schlusspfiff brach es aus Trainer Florian Kohfeldt heraus. Schreiend und jubelnd, aufpeitschend, applaudierend und anfeuernd drehte er nach dem Sieg über Arminia Bielefeld hinter der Mannschaft eine Runde vorbei an den Fans, die das Team auch in kritischen Phasen lautstark angefeuert hatten.

So emotional-explosiv hat man Kohfeldt in den vergangenen gut zwei Jahren als Darmstadt-Coach wohl noch nie erlebt. Es war auch ein Zeichen dafür, dass das vom Trainer zuletzt beschworene Band mit dem Anhang keineswegs zerschnitten ist. „Dementsprechend war eine unfassbare Erleichterung in mir und ich habe mich gefreut, diese Verbundenheit mit allen im Stadion zu feiern“, sagte Kohfeldt. „Und dann ist das da aus mir rausgekommen“, fügte er grinsend an.

Vor Wochenfrist hatten einige Lilien-Fans der Mannschaft nach der 0:3-Niederlage in Kaiserslautern sehr deutlich signalisiert, dass sie sie nicht in der Kurve sehen wollten – ein schmerzhaftes Zeichen der Ablehnung, das Trainer wie Spielern sehr nahe gegangen ist. „Für uns als Akteure da unten ist das mit das Schlimmste, was man nach dem Spiel machen kann“, hatte Kohfeldt am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gesagt und zugleich die Fans beschworen: „Wir brauchen alle, weil wir keine einfache Situation haben. Wir haben Glaube. Und mit jedem, der schreit, wird der Glaube größer. Deshalb: Schreit am Freitag!“ (->)

„Dann wäre ich direkt zum Auto gegangen“

Der Appell fruchtete. Mehrere Gespräche hatte es in der vergangenen Woche mit Vertretern von Fans und Verein gegeben. Auch beim eigentlich nicht-öffentlichen Abschlusstraining am Freitag waren einige Fans dabei, unterstützten das Team positiv, aber machten ihm auch die Bedeutung der Partie gegen Bielefeld deutlich, wie Keeper und Kapitän Marcel Schuhen nach dem Spiel sagte (->).

Im Spiel war das Stadion da – in der druckvollen Anfangsphase mit dem Führungstor, aber gerade auch, als die Lilien erst die Riesenchance durch Milan Smit zum 2:0 vergeben hatten und wenig später den Ausgleich kassierten. Die Mannschaft kam zurück. Aufgrund der letzten halben Stunde konnte man dann sogar von einem verdienten Sieg sprechen, der allerdings bis kurz vor Schluss auf der Kippe stand.

In der Nachspielzeit war es erneut Smit, der die Riesenchance zum 3:1 vertändelte – und kurz darauf kam Bielefeld noch zu einem Konter. „Wenn wir in der letzten Situation mit fünf gegen eins auf den Torwart zulaufen und dann im Gegenkonter das Tor bekommen hätten, dann wäre ich direkt zum Auto gegangen“, räumte der Lilien-Coach ein.

Toller Fußball? Quatsch!

Von einem guten Spiel wollte Kohfeldt später aber auf keinen Fall sprechen. „Ich will jetzt nicht so tun, als ob wir tollen Fußball gespielt hätten. Das ist Quatsch. Wir haben es über Einzelaktionen erzwungen“, sagte er. Anders als in der bisherigen Saison war der Coach sogar ins Risiko gegangen, hatte seine einzigen beiden fitten Stürmer „– Smit und Hojae Lee – in die Startformation gestellt – ebenso wie Neuzugang Marco Richter nach gerade einer Trainingseinheit.

Und auch in der Trainingsarbeit hatte er in den Tagen vor dem Spiel den Fokus verschoben: „Ich habe zugelassen, dass fußballerische und rein taktische Inhalte in den Hintergrund geraten sind“, räumte er ein. Das Wort „Pragmatismus“ treffe es gut. „Das ist etwas, was ich vor sechs, sieben Jahren anders gemacht hätte – ganz sicher.“

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Bildquellen

  • SVD-dsc-2026-27-blog-0074: Arthur Schönbein

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