Beim Spiel des SV Darmstadt 98 in Karlsruhe fehlte ein großer Teil der angereisten Lilien-Fans. Grund war eine Polizeimaßnahme am Karlsruher Hauptbahnhof. Das sagen die Beteiligten:
Verein
Aufgrund „umfangreicher erkennungsdienstlicher Maßnahmen der Bundespolizei am Karlsruher Hauptbahnhof“ sei es einem Teil der Fans nicht möglich, das Auswärtsspiel zu besuchen, erklärte der Verein. „Darüber hinaus liegen uns Hinweise auf ein möglicherweise unverhältnismäßiges Vorgehen der Einsatzkräfte vor.“ Diesen Hinweisen werde man im Rahmen einer umfassenden Aufarbeitung nachgehen.
Aufgrund umfangreicher erkennungsdienstlicher Maßnahmen der Bundespolizei am Karlsruher Hauptbahnhof ist es einem Teil unserer Fans heute nicht möglich, das Auswärtsspiel zu besuchen. (1/2) #sv98 #KSCSVD
Bundespolizei
Eine offizielle Mitteilung der Bundespolizei gab es augenscheinlich bis zum Montagmittag nicht. Die Behörde hatte Medienberichten zufolge angekündigt, sich am Montag zu den Vorfällen zu äußern. Mehrere Medien zitierten jedoch am Sonntag eine Sprecherin der Bundespolizei, wonach es bei der Anreisephase zu gewalttätigen Übergriffen von Lilien-Fans gegen eingesetzte Polizeikräfte gekommen sei. Darmstädter Anhänger hätten sich zudem polizeilichen Maßnahmen widersetzt.
Trainer
Florian Kohfeldt erklärte am Sonntag, er habe kurz vor dem Anpfiff erfahren, dass ein Teil der organisierten Fanszene nicht zum Spiel gekommen sei. Die genaueren Gründe kenne er nicht, deswegen wolle er sich da auch nicht positionieren. Natürlich wäre es schöner gewesen, mehr eigene Fans im Rücken zu haben. Aber ihr Fehlen dürfe kein Alibi für eine 0:4-Auswärtsniederlage sein.
Lilien-Fanhilfe
Die Lilien-Fanhilfe erklärte in einer Mitteilung, nun sei man selbst von der deutschlandweit zu beobachtenden Eskalation im Verhältnis zwischen Fußballfans und Polizei betroffen. Menschen seien verletzt und festgehalten worden. „Nach unseren Beobachtungen trieben mehrere Beamte der Bundespolizei ohne für uns erkennbaren Anlass zahlreiche Menschen unter Einsatz von Schlagstöcken einen Gang in Richtung eines Gleises hinauf. Oben warteten vermummte Polizeikräfte. Nach mehreren Minuten der massiven Gewaltanwendung befanden sich schließlich noch vier Lilienfans auf dem oberen Gleis. Eine davon war so schwer verletzt, dass ein Rettungswagen angefordert werden musste.“
Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb ein derartiger Polizeieinsatz notwendig gewesen sei. „Fußballfans sind keine Gefahr, die es pauschal zu kontrollieren, einzuschränken oder mit Gewalt zu begegnen gilt“, hieß es in der Erklärung. „Wir fordern eine umfassende und transparente Aufklärung der Vorfälle in Karlsruhe.“
KSC-Fans
Die Anhänger des KSC zeigten während der Partie Solidarität mit den Lilien-Fans: „Der größte Feind ist und bleibt die Polizei“, hieß es auf einem Transparent im Karlsruher Fanblock.
Wird ggf. nach Mitteilung der Bundespolizei aktualisiert.
Euch ist ein Fehler aufgefallen? Dann lasst es uns hier per Mail (->) wissen.
Bildquellen
- police-2074494_1920: pixabay






Karlsruhe hatte ein Banner „Der größte Feind ist und bleibt die Polizei“. Ganz spontan? Oder haben die das immer? Wussten die was, was wir nicht wissen?