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Beim Spiel des SV Darmstadt 98 in Karlsruhe fehlte ein großer Teil der angereisten Lilien-Fans. Grund war eine Polizeimaßnahme am Karlsruher Hauptbahnhof. Das sagen die Beteiligten:

Bundespolizei

Die Bundespolizei Karlsruhe äußerte sich gut zwei Tage nach den Vorfällen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Staatsanwaltschaft Karlsruhe (->) vom Dienstag hieß es, man sei aufgrund vorangegangener gewalttätiger Ausschreitungen beim Spiel im Mai 2026 mit starken Kräften am Karlsruher Hauptbahnhof präsent gewesen. Bereits in der Anreisephase sollen mehrere vermummte Fußballfans des SV Darmstadt 98 am Heidelberger Hauptbahnhof Kameras in Zügen abgeklebt haben. Darüber hinaus soll sich auf der Fahrt sowie nach dem Halt in Karlsruhe ein Großteil der circa 400 angereisten Fans vermummt haben.

Bei dem durch die Bundespolizei begleiteten Fußmarsch habe man einen der Tatverdächtigen, der bei der vorangegangenen Partie im Mai „in strafrechtlich relevanter Weise aufgefallen war“, wiedererkannt. Man habe den Tatverdächtigen zur Feststellung der Identität ergriffen. Diese polizeiliche Maßnahme soll durch eine größere Zahl gewalttätiger Personen aus der Fanszene des SV Darmstadt 98 vereitelt worden sein, die den Tatverdächtigem „den Einsatzkräften offenbar entrissen“. Zudem sei es „wohl zu Flaschenwürfen, Tritten und Schlägen sowie weiteren körperlichen Angriffen und Solidarisierungen aus der Fanszene gegen die eingesetzten Bundespolizisten“ gekommen. Auf Lilienblog-Nachfrage erklärte die Bundespolizei, man habe über das erste Erkennen hinaus die Identität nicht feststellen können, weil man der Person nicht habhaft geworden sei.

Fünf Personen wurden zur Identitätsfeststellung und für weitere polizeiliche Maßnahmen auf das Revier der Bundespolizei gebracht. Ihnen wird unter anderem Widerstand und tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Ein Tatverdächtiger habe sich bei den Auseinandersetzungen offenbar verletzt. Die Mitnahme in ein Krankenhaus durch den Rettungsdienst soll der Mann jedoch verweigert haben. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen seien die Tatverdächtigen noch am selben Tag wieder entlassen worden. Die Beamten hätten die Identitäten von über 300 angereisten involvierten Fußballfans aus Darmstadt festgestellt. Weiterhin seien Schutz- und Kampfutensilien, Pyrotechnik und Betäubungsmittel in größerem Umfang sichergestellt worden. Die Ermittlungen dauern laut Mitteilung an.

(Anmerkung: Bundespolizei und Staatsanwaltschaft verwenden mehrfach das Wort „soll“, das ist laut Bundespolizei Karlsruhe die übliche Ausdrucksweise in solchen Erklärungen zu laufenden Ermittlungen).

Verein

Aufgrund „umfangreicher erkennungsdienstlicher Maßnahmen der Bundespolizei am Karlsruher Hauptbahnhof“ sei es einem Teil der Fans nicht möglich, das Auswärtsspiel zu besuchen, hatte der Verein bereits am Sonntag beim Spiel erklärt. „Darüber hinaus liegen uns Hinweise auf ein möglicherweise unverhältnismäßiges Vorgehen der Einsatzkräfte vor.“ Diesen Hinweisen werde man im Rahmen einer umfassenden Aufarbeitung nachgehen.

Präsident Markus Pfitzner ging auf die Vorfälle bei der Mitgliederversammlung am Dienstagabend nochmals ein. Rund 250 Fans seien über 8,5 Stunden festgehalten worden. Man werde sich weiter um eine Aufarbeitung bemühen. Den Betroffenen – darunter zahlreiche Minderjährige – sagte er umfassende Unterstützung zu.

Aufgrund umfangreicher erkennungsdienstlicher Maßnahmen der Bundespolizei am Karlsruher Hauptbahnhof ist es einem Teil unserer Fans heute nicht möglich, das Auswärtsspiel zu besuchen. (1/2) #sv98 #KSCSVD

— SV Darmstadt 98 (@sv98.de) 2026-10-18T11:19:37.794Z

Fanprojekt

Das Fanprojekt Darmstadt kritisierte die Bundespolizei, die versucht habe eine Einzelperson aus einer Gruppe von rund 300 Personen zu ziehen und damit die Situation so eskaliert habe. Das gesamte Vorgehen sei unverhältnismäßig gewesen. Insbesondere hätten die Einsatzkräfte vor Ort nicht das Gespräch mit szenekundigen Beamten, Fanbeauftragten oder eben dem Fanprojekt gesucht, um die Situation zu deeskalieren.

Trainer

Florian Kohfeldt sagte am Sonntag, er habe kurz vor dem Anpfiff erfahren, dass ein Teil der organisierten Fanszene nicht zum Spiel gekommen sei. Die genaueren Gründe kenne er nicht, deswegen wolle er sich da auch nicht positionieren. Natürlich wäre es schöner gewesen, mehr eigene Fans im Rücken zu haben. Aber ihr Fehlen dürfe kein Alibi für eine 0:4-Auswärtsniederlage sein.

Lilien-Fanhilfe

In einer Mittelung Lilien-Fanhilfe hieß es, nun sei man selbst von der deutschlandweit zu beobachtenden Eskalation im Verhältnis zwischen Fußballfans und Polizei betroffen. Menschen seien verletzt und festgehalten worden. „Nach unseren Beobachtungen trieben mehrere Beamte der Bundespolizei ohne für uns erkennbaren Anlass zahlreiche Menschen unter Einsatz von Schlagstöcken einen Gang in Richtung eines Gleises hinauf. Oben warteten vermummte Polizeikräfte. Nach mehreren Minuten der massiven Gewaltanwendung befanden sich schließlich noch vier Lilienfans auf dem oberen Gleis. Eine davon war so schwer verletzt, dass ein Rettungswagen angefordert werden musste.“

Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb ein derartiger Polizeieinsatz notwendig gewesen sei. „Fußballfans sind keine Gefahr, die es pauschal zu kontrollieren, einzuschränken oder mit Gewalt zu begegnen gilt“, hieß es in der Erklärung. „Wir fordern eine umfassende und transparente Aufklärung der Vorfälle in Karlsruhe.“

KSC-Fans

Die Anhänger des KSC zeigten während der Partie Solidarität mit den Lilien-Fans: „Der größte Feind ist und bleibt die Polizei“, hieß es auf einem Transparent im Karlsruher Fanblock.

(Aktualisierte Version mit Mitteilung der Bundespolizei und Fanprojekt, Aussagen Pfitzner).

Euch ist ein Fehler aufgefallen? Dann lasst es uns hier per Mail (->) wissen.

 

Bildquellen

  • police-2074494_1920: pixabay

8 Kommentare

  • Raininho sagt:

    Wenn die Schilderung der Fan-Hilfe zutrifft, frage ich mich, was der Plan der Polizei war. Menschen einzukesseln, um einzelne herauszuziehen, kommt mir sehr wiedersinnig vor. Würde man die Masse nicht sinnvollerweise vereinzeln, und dann separieren?

  • Torben sagt:

    Es ist einfach widerwertig und menschenverachtend, wie hier Leute argumentieren, die betroffenen Fans hätten die Polizeigewalt verdient.
    Ihr wisst doch noch nicht einmal, wen es getroffen habt.
    Und für euch ist auch nur die Version vorstellbar, in der die Gewalt der Polizei eine Reaktion auf „Scheiss Bullen“-Gesänge ist. (Übrings möchte ich keine Polizei haben, die Menschen zusammenschlägt, weil sie sich beleidigt fühlt.)
    Dass der Hass und die Wut auf die Polizei aber aus ebenjenen gewalttätigen Vorfällen rühren, kommt euch nicht in den Sinn?
    Und es mag besoffene Auswärtsfans geben, aber auf die Szene bei ihren Auswärtstouren trifft das gewiss nicht zu. Hier wird geradezu penibel darauf geachtet, dass niemand betrunken ist, um genau in so Situationen reagieren zu können. Weil wenn du betrunken einen Polizeiknüppel ins Gesicht geschlagen bekommst, hast du keinerlei Chance diesen abzuwehren und sogar tödliche Folgen sind möglich.
    Ich habe aus eigenen Erlebnissen erlebt, dass die Polizei anlasslos auf Fußballs einprügelt und im Polizeibericht heißt es später, die Fans hätten sie angegriffen. Teilweise hat man den Eindruck, die Polizei nutzt Fußballfans zum Üben für ihre Eskalationstaktiken, da sie, wie ihr bestens zur Schau stellt, keine öffentliche Lobby haben.
    Danke an den Lilienblog, dass wenigstens mehrere verfügbare Berichte und die Stellungnahme der Fanhilfe abgedruckt werden und nicht nur die Stellungnahme der Polizei übernommen.

    Meine Highlight-Anekdote ist übrigens ein Freund von mir, der wegen Körperverletzung angezeigt wurde, weil der Polizist, als er ihm mit der Faust ins Gesicht schlug, den Daumen verletzt hat.

    • De Maddin sagt:

      Torben, jetzt lässt du hier aber eine argumentative Keule aus dem Sack, die so manchem Polizeiknüppel in nichts nachsteht: Von „verdienen“ ist hier nicht die Rede, lediglich davon, dass es offensichtlich nicht wenige zumindest nicht verwundert, dass es Prügel gab. Noch ist ja auch nicht bekannt, was aus welchen Gründen in Karlsruhe wirklich vorgefallen ist, außer, dass es zu einer Konfrontation zwischen Fans und Polizei gekommen ist. Und wenn dann eine Seite Gründe nennt, dann sagt die andere, es sei ja alles ganz anders gewesen. Das Spiel ist bekannt – interessiert aber irgendwie auch nur die Beteiligten.

      Mach dir doch mal Gedanken darüber, warum hier im Forum nicht jeder sofort Mitleid mit den Fans hat, was du offensichtlich erwartest. Tough luck, denn hier ist eben außerhalb der „Fankultur“-Blase und da sind die Sympathien eben nicht so eindeutig, wie du das gewohnt scheinst. Dabei schreiben die Leute hier ja nicht aus totaler Unkenntnis darüber, wie sich auch „unsere“ auf Auswärtsfahrten ab und zu benehmen – oder auch im eigenen Stadion, wenn man zum Beispiel mal ausdrücklich nicht gewillt ist in den Choreo-Eimer zu spenden.

      Die Szene hat ein Image-Problem. Nicht nur bei den „Scheiß Bullen“. Arbeitet dran.

  • Frank Hofmann sagt:

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dasss es immer genug „Fans“ gibt die bereits gefühlt beim Zustieg im Zug am Hauptbahnhof DA gefühlt den ersten Kasten intus haben und sich dann entsprechend beim Aussteigen oder im Zug benehmen. Da sgilt leider für fast alle Bundesligisten in Liaga 1 und 2. Schon mal die tollen bildre gesehen, wo ein Trupp einen ganzen zug zerlegt hat? Und das ist jedes WE irgendwo in Deutschland der Fall. Was soll der Staat also machen, um Eigentum und Bürger (Reisende) zu schützen? Durch Kontrolle an Bahnhöfen, an Hotspots, und dann wirds schnell handgreiflich durch eben jene zugedröhnten überwiegend männlichen Chaoten, die sich dann im Vollrausch widersetzen. Das Märchen vom gesitteten Lilienfan ist nun demaskiert.

  • Raininho sagt:

    Karlsruhe hatte ein Banner „Der größte Feind ist und bleibt die Polizei“. Ganz spontan? Oder haben die das immer? Wussten die was, was wir nicht wissen?

    • De Maddin sagt:

      Die Frage ist gut und berechtigt. Wer Wochenende für Wochenende zusammen „Scheiß Bullen“ intoniert, sollte nicht jammern, wenn selbige dann mal ganz persönlich am Bahnhof als Begrüßungskommando stehen. Und dann jammern, das sei ja wieder mal alles völlig unverhältnismäßig. Schon ärgerlich, dass da auch der Verein gleich mal mit in dieses Horn stößt. Woher er wohl seine „Hinweise“ hat?

      Ich denke, es ist nicht zu gewagt zu behaupten: Die Fans haben bekommen, was sie sich gewünscht haben. Sie sind wieder Opfer der bösen Polizei geworden und sind in ihrem Feindbild bestätigt. Kommt Jungs (und Mädels): Das Spiel ist doch für euch eh zweitrangig. Das beweist auch die Reaktion der genannten KSC-Anhänger, die sich jetzt so toll „solidarisch“ zeigen können und beim „Stimmungsboykott“ mitmachen. Der Ritus verlangts, der Ritus wird bedient. Zum Ritus gehört der Fußball gar nicht unbedingt dazu. Völlig sinnentleert.

      • Willy Weber sagt:

        Sehe das ähnlich. Ich werde nie verstehen, wie erwachsene Menschen sagen können, dass „die Polizei der größte Feind“ sei. Werdet mal erwachsen. Ohne Polizei sind Großveranstaltungen nicht möglich. Wir brauchen nicht so tun, als ob es keine gewaltbereiten (oft auch alkoholosierten) Fans gäbe. Der Großteil der Stadionbesucher ist froh, dass Sicherheit gewährleistet wird. Wer kontinuierlich Hass säht und hobbymäßig Polizisten provoziert, bekommt manchmal ein Echo zurück. Trotzdem ist unnötige Polizeigewalt nicht zu entschuldigen und gehört aufgearbeitet. Dass es da offensichtlich (teils gewollte) Lücken im Aufarbeitungsprozess gibt, ist schade. Es ist auch immer dieselbe Leier, dass man sich dann gegenseitig die Schuld zuschiebt. Die Fans sind natürlich unschuldig und die Polizisten wurden provoziert… am Ende werden Steuergelder verschwendet und die Spirale dreht sich weiter. Gute Besserung!

        • J.Anders sagt:

          Wir bräuchten keine Polizei oder zumindest nicht so viel Polizei, wenn sich die Leute wie zivilisierte Menschen verhalten würden.

          Das ist so, als würde man einen Hund immer wieder anstupsen und sich dann beschweren, wenn man gebissen wird.

          Diese immer wiederkehrende Ideologie, dass Polizisten böse sind, ist auch ziemlich langweilig.

          Ich bin mir sicher, dass auch sie ihre Zeit lieber mit etwas Konstruktiverem verbringen würden, als auf einen Haufen betrunkener und randalierender erwachsener Kinder aufzupassen.

          Können wir nicht einfach alle zu einem Spiel gehen, Spaß haben, ein bisschen quatschen und uns dann die Hand geben und es dabei belassen?

          Bis zu einem gewissen Grad handelt es sich um eine Gruppe von Leuten, die sonst nichts in ihrem Leben zu tun haben, also leben sie ihr Leben stellvertretend durch ihre Mannschaft und die Idioten um sie herum aus. Leicht zu beeinflussen und nicht besonders nachdenklich.

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