Reset-Taste gedrückt – aber keine grundsätzlichen Änderungen in der Länderspielpause. Trainer Dirk Schuster sieht sein Team trotz der jüngsten Durststrecke konkurrenzfähig. Wenn man zum jetzigen Zeitpunkt etwas ändern würde, wäre „das falsche Signal für die Mannschaft“. Mit harter Arbeit will man sich die Erfolgserlebnisse auf dem Platz wiederholen, wie er vor Journalisten am Donnerstag sagte.

Herr Schuster, Sie haben gesagt, in der Länderspielpause solle der Reset-Knopf gedrückt werden. Wie weit sind Sie damit?

Schuster: Wir haben die Reset-Taste schon gedrückt. Man hat das jetzt an den Trainingseinheiten gesehen, die mit einer hohen Intensität gefahren sind und bei denen speziell auch noch mal das Defensivverhalten geschult wurde. Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir von der Stimmung positiv bleiben, dass eine gewisse Lockerheit wieder reinkommt und dass die Köpfe frei werden. Ich denke, da haben wir jetzt schon den ersten Teil der Länderspielpause ganz gut verbracht.

„Ganz normale Schwankungen“

Super Saisonstart, jetzt eine Niederlagenserie hingelegt – wieso ist Mittelmaß so schwierig für die Lilien?

Schuster: (lacht) Ich glaube, dass wir in jedes Spiel reingehen und es für uns positiv gestalten wollen. Dass wir am Anfang ein bisschen Spielglück hatten, ist nicht zu leugnen. Das hatten wir zum Schluss vielleicht nicht. Für mich ist das ganz normal, dass es in der Saison auch mal zu Schwankungen kommen kann. Das ist nicht nur ein Schicksal von uns. Wir müssen dem mit sauberer und akribischer Arbeit entgegenwirken, um uns auf dem Platz die Erfolgserlebnisse wieder holen zu können.

Sie haben gesagt, es soll wieder eine gewisse Lockerheit reinkommen. Wollen Sie mal wieder Bowling spielen gehen?

Schuster: (lacht) Die Stimmung auf dem Platz ist doch ganz ordentlich, wie heute zu sehen war. Da sind überhaupt keine Symptome zu sehen für eine Mannschaft, die keine Moral oder innerlich irgendwelche Probleme hat. Es geht richtig zur Sache, es ist laut, die Spieler feuern sich gegenseitig an. Jeder ist dabei und will diese Trainingsspiele. Das sind alles gute Zeichen, dass man konzentriert miteinander arbeitet, dass die Mannschaft lebt und in Regensburg alles daran setzen wird zu punkten.

„Tim Rieder braucht noch drei, vier Spiele“

Zuletzt gab es Probleme auf der rechten Abwehrseite. Tim Rieder haben Sie zweimal ausgewechselt, grundsätzlich haben Sie keinen etatmäßigen Rechtsverteidiger im Kader. Gibt es da Überlegungen, in der Abwehr umzustellen oder personell noch mal nachzubessern?

Schuster: Bei Tim muss man das spezifizieren. Im letzten Spiel ist er wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Spiel genommen worden. Das Spiel in Kiel war etwas unglücklich. Ich glaube, dass er drei, vier Spiele braucht, um zu richtiger Stabilität zu finden. Er hat in Augsburg wenig gespielt, kam jetzt aus Polen, wo das Leistungsniveau mit Sicherheit nicht so hoch ist, und ist relativ spät zu uns gestoßen. Man sollte ihm Vertrauen geben. Er ist auf einem guten Weg zu der Leistungsstärke, die ihn einst zum Bundesliga-Spieler gemacht hat.

Aber von Größe und Statur ist er ja kein klassischer Außenverteidiger, seine Stammposition ist eher das defensive Mittelfeld oder die Innenverteidigung. Gerade gegen kleine und wendige Spieler hat er da Nachteile wie im HSV-Spiel gegen Khaled Narey …

Schuster: So klein ist der Narey gar nicht …

… aber auf jeden Fall wendig und schnell …

Schuster: Der Tim hat in diesem Spiel den Spitzenwert bei der Geschwindigkeit von über 33 Stundenkilometern geliefert. Er bringt also auch eine sehr gesunde Schnelligkeit mit, hat ein gutes Zweikampfverhalten, ein gutes Kopfballverhalten. Das macht ihn so flexibel. Da sehe ich nicht so die Problematik. Ich glaube, dass wir mit dem Tim, aber auch mit Sandro Sirigu und Immanuel Höhn auf der Seite die Qual der Wahl haben – auch wenn sie alle in jedem Spiel Kleinigkeiten falsch haben.

„Sind mit unserem System konkurrenzfähig“

Haben Sie mal über eine Dreierkette nachgedacht – oder würden Sie damit quasi Ihren Markenkern verlieren?

Schuster: (lacht) Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal für die Mannschaft, wenn man grundsätzlich etwas ändern würde. Wir sind mit unserem System, mit unserer Art und Weise, Fußball zu spielen, konkurrenzfähig. Wir waren auch in den vier verlorenen Spielen in der Chance zu punkten. Diesen Weg sollten wir weitergehen. Wir werden auch wieder die Punkte in naher Zukunft holen.

(aufgezeichnet in einer Medienrunde nach dem Training am Donnerstag)

Bildquellen

  • Schuster-001: Arthur Schönbein
Stephan Köhnlein

Stephan Köhnlein

Wahl-Heiner seit 1998, Text-Journalist für diverse Medien

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