Am Mittwochabend wird das Präsidium des SV Darmstadt 98 auf der Mitgliederversammlung aller Voraussicht nach für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Seit 2008 ist Rüdiger Fritsch im Präsidium dabei, 2012 übernahm er das Präsidentenamt von Hans Kessler. Eine Bilanz in Stichpunkten:

Holpriger Start

Eine der ersten Amtshandlungen von Fritsch war im Dezember 2012 die Entlassung von Trainer Jürgen Seeberger. Die Lilien waren damals Schlusslicht in Liga drei. Seebergers Nachfolger wurde ein gewisser Dirk Schuster, wenige Wochen zuvor erst bei den Stuttgarter Kickers entlassen. Unter dem neuen Coach spielte die Mannschaft zwar eine ordentliche Rückrunde, stieg aber trotzdem sportlich ab. Der Lizenzentzug eines Vereins aus dem Osten von Frankfurt bescherte dann doch noch den Klassenerhalt am Grünen Tisch. Und danach zeigte sich erst, welchen Glücksgriff das Präsidium mit der Trainerwahl gelandet hatte.

Sensationeller Aufstieg

In die Amtszeit von Fritsch und unter die sportliche Leitung von Schuster fällt die erfolgreichste Zeit der Lilien mit dem Durchmarsch von der Dritten Liga ins Oberhaus einschließlich Klassenerhalt. Fritsch hatte es in bierseliger Laune vorausgesehen – zumindest teilweise: Bei der Feier zum Zweitliga-Aufstieg hatte er in Kamera gegrölt: „Nie mehr Zweite Liga.“

Solide Finanzen

Der Wirtschaftsanwalt steht für solides Haushalten: „Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt“ lautet sein Credo. Auch wegen der zwei Jahre in der Bundesliga steht der Verein finanziell so gut wie nie in seiner Geschichte da. Zur Erinnerung: Im Jahr 2008, als Fritsch seine Arbeit aufgenommen hatte, waren die Lilien insolvent.

Immer für einen Spruch gut

Die kleinste Wurst auf dem Grill, das Klapprad bei der Tour de France oder das Schlauchboot neben den Ozeanriesen – wenn es um Vergleiche der 98er mit anderen Vereinen ging, ließ der Präsident seiner Fantasie freien Lauf. Auch sonst war er nie um einen kecken Spruch verlegen. Der Favorit des Lilienblogs zum Bundesliga-Gastspiel des FC Bayern München mit Startrainer Pep Guardiola am Böllenfalltor: „Wenn der Pep kommt, werden wir hier nochmal durchwischen!“

Fehlgriffe beim Personal

Nach dem überraschenden Abgang von Schuster im Sommer 2016 zeigte das Präsidium bei der Trainerwahl kein glückliches Händchen. Norbert Meier hielt sich nur ein halbes Jahr. Trainer-Newcomer Torsten Frings begeisterte zwar zunächst. Doch nachdem der Vertrag mit ihm und seinem Stab im September 2017 verlängert worden war, stürzte die Mannschaft ab. Ziemlich genau ein Jahr nach Meier musste Frings ebenfalls gehen. Auch die Personalien Holger Fach (rund sechs Monate Sportlicher Leiter) und Alexander Klitzpera (ein Jahr Chefscout und Kaderplanung) erwiesen sich nicht als nachhaltig. Im September wurde Carsten Wehlmann als Sportkoordinator vorgestellt – mit unbefristetem Vertrag.

Das leidige Stadion-Thema

Nachdem die Stadt sich über Jahre ohne Erfolg am Neu- beziehungsweise Umbau des Stadions versucht hatte, hat das der Verein mittlerweile selbst in die Hand genommen. Das Funktionsgebäude hinter der Haupttribüne wächst zusehends. Doch hinter dem Neubau von Gegengerade und Haupttribüne stehen noch viele Fragezeichen – nicht nur beim zeitlichen Ablauf, sondern auch bei den Kosten, die schon jetzt deutlich höher liegen als zunächst kalkuliert.

 

Bildquellen

  • Fritsch-01: Arthur Schönbein

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