Viele Höhepunkte, unglaubliche Fans und Dankbarkeit für Norbert Meier – Sandro Sirigu blickt auf sechs Jahre bei den Lilien zurück.

Wenn Du an die vergangenen sechs Jahre zurückdenkst: Was waren da die drei herausragenden Momente?

Sandro Sirigu: Die Top Drei? Klar, auf dem ersten Platz ist das Rückspiel in Bielefeld. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie der Elton (da Costa) das Tor schießt. Ich weiß noch, wie ich da auf der Bank saß, mit Krämpfen, total fix und fertig. Ich weiß nicht mehr, mit wem ich geredet habe, aber ich habe gedacht, wir brauchen noch zwei Tore. Da hat der gesagt: Spinnst Du, wir brauchen nur eins. Da habe ich kurz überlegt und gedacht: Stimmt, wir brauchen nur noch ein Tor. Und dann macht der Elton das Tor. Die Rückfahrt war sensationell, einmalig.

Und die anderen beiden Momente?

Sandro Sirigu: Das war mein Debüt in der Bundesliga in der Allianz-Arena. Das war unbeschreiblich. Davon träume ich sogar noch manchmal. Und natürlich mein Tor in der 90. Minute gegen die Eintracht. Das bleibt auch unvergessen. So viele schöne Momente. Ich habe so viele schöne Sachen hier erlebt und wundervolle Personen kennengelernt. Ich hoffe, dass wir auch in Kontakt bleiben. Das sind Menschen, die ich sehr lieb gewonnen haben.

„Unfassbar, wie die Fans uns unterstützt haben“

Gibt’s jemanden, der Dir besonders fehlen wird? Oder jemand, der Dir nicht fehlen wird?

Sandro Sirigu: Natürlich versteht man sich mit dem einen besser oder schlechter. Aber in den sechs Jahren, die ich hier war, hatte ich keinen einzigen, bei dem ich gesagt habe: Geht überhaupt nicht. Alles super Typen. Einen speziell herausheben, will ich gar nicht.

Wirst Du die Fans vermissen?

Sandro Sirigu: Das ist auch etwas, was spektakulär war. Unfassbar, wie die Fans uns unterstützt haben. Ich weiß noch, wie wir in Dortmund 6:0 – Entschuldigung für die Wortwahl – auf die Fresse gekriegt. Das war wirklich ein Moment, in dem ich mich auf dem Fußballplatz geschämt habe. Aber die Fans haben uns danach in der Kurve gefeiert. Ich glaube, das ist auch einmalig in Deutschland, vielleicht sogar auf der ganzen Welt. Die werde ich auf jeden Fall vermissen.

„Norbert Meier hat mir das Vertrauen gegeben“

Du hattest ja auch verschiedene Trainer in Darmstadt – am längsten Dirk Schuster. Wie sieht da Deine Bilanz aus?

Sandro Sirigu: Dirk Schuster hat mich nach Darmstadt geholt, mich vom Wechsel hierher überzeugt. Der mich unterstützt hat, der mich zum Erstliga-Spieler gemacht hat, der hat mir natürlich sehr geholfen. Aber auch die anderen Trainer. Ich muss auch Norbert Meier hervorheben, der mir das Vertrauen in der ersten Liga gegeben hat. Ich habe sehr viele Spiele unter ihm gemacht. Auch Torsten Frings, der mich immer aufgebaut hat und jeden Tag versucht hat, mich weiterzuentwickeln. Auch der Grammozis, ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Das ist ein super Trainer. Ich glaube, Darmstadt wird noch sehr viel Freude an ihm haben. Leider hat es bei uns auf sportlicher Ebene nicht so gut gepasst. Menschlich aber auf jeden Fall.

Sandro Sirigu (rechts), SV Darmstadt 98

Sandro Sirigu (rechts), SV Darmstadt 98 in der Partie gegen Jahn Regensburg (1:1)

„USA? Das wäre natürlich sensationell“

Kannst Du Dir jetzt auch einen Wechsel ins Ausland vorstellen? In Deinen Adern fließt ja auch italienisches Blut …

Sandro Sirigu: Auf jeden Fall. Wenn man 30 Jahre alt ist, überlegt man sich auch, noch mal ein neues Abenteuer zu starten. Ich habe ja nicht nur italienische Wurzeln, sondern auch amerikanische. Das wäre natürlich auch für mich sensationell, wenn da etwas kommen würde. Leider bis jetzt noch nicht … (lacht)

Hast Du mit Joevin Jones oder Terrence Boyd gesprochen, ob die etwas für Dich tun können, da sie ja jetzt in den USA spielen?

Sandro Sirigu: Natürlich, habe ich schon angesprochen (lacht). Ich habe JJ gesagt: Nimm mich doch mit! Aber Spaß bei Seite. Ich wäre auf jeden Fall nochmal bereit, ein Abenteuer einzugehen im Ausland. Mal schauen, wohin es geht.

(Zweiter Teil des Interviews mit Sandro Sirigu, aufgezeichnet in einem Mediengespräch am Dienstag – hier geht es zu Teil 1)

 

Bildquellen

  • D98-SSV-2018-19-007: Arthur Schönbein
  • D98-SSV-2018-19-009: Arthur Schönbein
Stephan Köhnlein

Stephan Köhnlein

Wahl-Heiner seit 1998, Text-Journalist für diverse Medien

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