Oder warum Dimitrios Grammozis der richtige Trainer für die Lilien ist, auch wenn es mit ihm kaum Hoffnung auf Dominanz durch Ballbesitz gibt.

Allergische Reaktionen

Es ist schon verwunderlich, was für emotional-allergische Reaktionen der Name Dirk Schuster zum Teil im Umfeld des SV Darmstadt 98 hervorruft. „Schuster-Fußball“ wird da gleichgesetzt mit destruktiv-trostlosem Gekicke. Dabei steht der Name Schuster für die erfolgreichste Zeit in der Vereinsgeschichte der Lilien.

Der einstige Abwehrspieler und Wadenbeißer Schuster stand allerdings nie für berauschenden Offensivfußball mit viel Ballbesitz. Sein Erfolg ging auf eine massive Defensive und eine effiziente Chancenverwertung zurück.

Stroh-Engel, Wagner, Spielglück

Für letztere sorgten in besten Zeiten Angreifer wie Dominik Stroh-Engel und Sandro Wagner. Oder auch mal ein schier unglaubliches Spielglück wie beim 3:0 bei Jahn Regensburg am vorletzten Spieltag der Saison 2017/18, als Regensburg 25:7 Torschüsse verbuchte, aber leer ausging.

Dass Schuster im Februar gehen musste, hing zum Teil mit Abnutzungserscheinungen zusammen, aber auch mit Faktoren jenseits des Fußballplatzes.





 

Abwehrschlachten – keine Offensivspektakel

Schusters Nachfolger Grammozis war in seiner aktiven Zeit defensiver Mittelfeldspieler. Auch er steht nicht für berauschenden Offensivfußball mit viel Ballbesitz. An vielen Punkten spielt er das Schuster-System sogar weiter – etwa in der Grundformation 4-2-3-1.

Der große Unterschied zu Schuster: Grammozis legte mehr Wert auf eine spielerische Überbrückung zwischen Defensive und Offensive. Weniger lange Bälle, mehr Kombinationen. Aber sein Hauptaugenmerk liegt ebenfalls auf der Defensive.

Zur Erinnerung: Selbst die gefeierten Siege in der vergangenen Saison gegen die Spitzenteams Hamburg (3:2) und Köln (2:1) waren aus Lilien-Sicht keine rauschenden Fußballfeste. Es waren aufreibende Abwehrschlachten, in der die 98er ihre wenigen Chancen eiskalt nutzten.




Ballbesitz bringt erstmal nichts

Grammozis sagt, die Defensive liege in der DNA der Mannschaft, sie sei neben Einsatz und Kampf die Grundtugend. Von Ballbesitzfußball hält er nicht viel. Das macht natürlich wenig Hoffnung darauf, dass die Lilien künftig ihre Gegner mit Ballbesitz in Grund und Boden spielen wollen. Aber warum auch?

Drei Beispiele:

  1. Borussia Dortmund gewann das Finale des Supercups gegen Bayern München 2:0 und hatte dabei 35 Prozent Ballbesitz. Hat sich danach jemand über die passive Ausrichtung der Borussen beschwert?
  2. Der SV Darmstadt 98 gewann gegen Holstein Kiel mit 2:0 und hatte dabei nur 28 Prozent Ballbesitz.
  3. Dynamo Dresden hatte bei seinem Gastspiel gegen völlig verunsicherte Lilien 70 Prozent Ballbesitz. Ertrag: null Tore. Und mitreißend war die Leistung der Gäste auch nicht.

Auch die 0:1-Niederlage gegen Sandhausen ließ sich nicht mit Ballbesitz erklären. Hauptgrund war eine Mischung aus individuellen und kollektiven Fehlern in der Defensive kurz nach der Pause, gepaart mit der Tatsache, dass die Mannschaft vorne ihre Chancen nicht nutzte. Genau das wäre mit der Defensivstärke und der Offensiveffizienz aus besten Schuster-Zeiten nicht passiert.



Bildquellen

  • Dirk_Schuster: Arthur Schönbein

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