Immanuel Höhn ist in der vierten Saison bei den Lilien. Da kennt er die Herbstkrise schon. Eine Erklärung hat er nicht dafür, wie er am Montag im Mediengespräch sagte. Aber Ausreden will er auch nicht suchen.

Immanuel, habt Ihr das 1:1 gegen den Karlsruher SC aufgearbeitet?

Immanuel Höhn: Nee, wir haben noch keine explizite Videoanalyse gemacht. Dafür haben wir wegen der Länderspielpause diese Woche noch etwas mehr Zeit. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich glaube, wir waren alle wahnsinnig enttäuscht, dass wir wieder nicht gewonnen haben. Wir spielen im Moment sehr guten Fußball, arbeiten uns Chancen heraus, aber es fehlt die letzte Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, die Tore zu machen und die Spiele für uns zu entscheiden. Deswegen tut es wahnsinnig weh, weil es nicht an der Art und Weise liegt, wie wir auftreten, sondern weil einfach der letzte Funken fehlt.

Wie könnt Ihr denn diesen Funken entfachen?

Immanuel Höhn: Indem wir weiter so arbeiten. Man sieht, dass wir Woche für Woche gute Spiele abliefern und es an Kleinigkeiten fehlt. Wir müssen einfach das Spielglück wieder erzwingen, aber nicht den Weg aus den Augen verlieren und vernünftig auftreten.

Gibt es eine gewisse Nervosität beim Blick auf die Tabelle?

Immanuel Höhn: Nee, es ist alles wahnsinnig eng. Es ist ja auch nicht so, dass wir seit Wochen keine Leistung bringen und gegen die anderen Mannschaften keine Chancen haben. Wir wissen, dass wir mehr als konkurrenzfähig sind. Und mit dieser Einstellung gehen wir in die nächsten Spiele und werden dann auch unsere Punkte holen.

Aber jetzt habt Ihr seit Wochen nicht mehr gewonnen. Wird der Rucksack dadurch nicht immer schwerer?

Immanuel Höhn: Das ist jetzt schon das dritte Jahr in Folge, dass wir im Herbst eine lange Durststrecke haben. Ich will nicht von Tradition sprechen. Man kennt die Situation, dass man fünf sechs Spiele nicht gewonnen hat. Aber das spiegelt jetzt nicht die Leistung wieder, die wir in den letzten Wochen gebracht haben. Das ist es, was so ärgerlich ist.

Hast Du eine Erklärung dafür? Wetterfühligkeit? Herbstdepression?

Immanuel Höhn: (lacht) Ganz bestimmt nicht. Keiner von uns hat Angst vor dem Regen. Es gibt definitiv keine Ausreden.

War das Osnabrück-Spiel der Knackpunkt? 

Immanuel Höhn: Klar war das Spiel ein Nackenschlag und hat richtig weh getan. Aber das ist jetzt zwei Monate her und das hat gar nichts mehr in irgendeinem Kopf zu suchen. Beim Dresden-Spiel danach war das noch im Kopf. Das war nicht gut. Aber danach haben wir gute Spiele abgeliefert.

„Zuerst muss der Teamerfolg da sein, bevor man über die eigene Leistung gerne spricht“

Ist das Selbstverständnis der Mannschaft anders als im vergangenen Jahr?

Immanuel Höhn: Ja, es gibt einen Unterschied, weil wir anders auftreten. Es ist nicht so, dass wir in Spiele gehen und nicht wissen, wie wir uns Chancen herausarbeiten. Wir sehen es Woche für Woche, dass wir konkurrenzfähig sind und besser als der Gegner, aber das nicht in drei Punkte ummünzen können. Das müssen wir uns vorwerfen. Alles andere ist genau der Weg, den wir weiter beibehalten müssen.

Wie sieht es für Dich persönlich aus. Stammspieler war ja nicht unbedingt zu erwarten angesichts der Konkurrenz?

Immanuel Höhn: Es ist schwer, ein positives Fazit für sich selbst zu ziehen, wenn die Mannschaft nicht gut da steht. Da spielt die eigene Leistung keine Rolle. Zuerst muss der Teamerfolg da sein, bevor man über die eigene Leistung gerne spricht.

Zur Person:

Immanuel Höhn (* 23. Dezember 1991 in Mainz) begann bereits mit drei Jahren bei Hassia Bingen mit dem Fußball. In der Jugend wechselte er zum SC Freiburg, wo er 2012 bei den Profis debütierte. Zur Saison 2016/17 wechselte er zu den Lilien. Für wenige Wochen war er teuerster Vereinseinkauf der Geschichte, ehe ihn ein gewisser Roman Bezjak (heute APOEL Nikosia) ablöste.

Bildquellen

  • SVD-KSV-Blog-2019-20-005: Arthur Schönbein

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