Winterneuzugang Matthias Bader gab gegen Dynamo Dresden sein Debüt in der Startformation der Lilien. Im ersten Teil unseres Interviews spricht der Rechtsverteidiger, der zuletzt beim 1. FC Köln vor allem in der 2. Mannschaft in der Regionalliga spielte, über seinen Einstand, seine Stärken und Schwächen und über das gute Verhältnis zu Konkurrenten.

Matthias, herzlich willkommen in Darmstadt. Wie waren die ersten Tage?

Matthias Bader: Bis jetzt kann man von einem gelungenen Start sprechen. Ich durfte sofort ran in der Startelf. Wir haben das Spiel gewonnen. Ich wurde super aufgenommen. Training macht auch richtig Spaß. Da ist schön Feuer drin. Und der Trainer ist ein ganz korrekter Mensch. Der redet viel – das mag ich auch sehr gerne. Ich bin sehr zufrieden.

Matthias Bader, SV Darmstadt 98

Winterneuzugang Matthias Bader

Hat es Dich überrascht, dass Du nach knapp einer Woche bei der Mannschaft gleich gespielt hast?

Matthias Bader: Jein. Natürlich hat der Patrick Herrmann gegen Kiel und Osnabrück ein bisschen unglücklich gespielt. Da habe ich schon eine Chance gesehen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich damit gerechnet habe. Ich habe mich dann ungemein gefreut.

Und wie war es dann vor so einer Kulisse wie in Dresden?

Matthias Bader: Das war natürlich überragend. Es ist eine Weile her, dass ich ein richtiges Zweitliga-Spiel gemacht habe. Das war letzte Saison gegen Magdeburg. Da ging es für beide Teams um nichts mehr. Köln war auf- und Magdeburg abgestiegen. Ein Spiel, in dem es richtig um etwas geht, hatte ich schon lange nicht mehr. Das habe ich richtig genossen.

In Dresden wirktest Du angesichts dieser Vorgeschichte aber recht selbstbewusst, hast auch ein paarmal aufs Tor geschossen, wenngleich da noch etwas Luft nach oben war …

Matthias Bader: Eher Luft nach unten (lacht, die Bälle gingen über das Tor). Selbstbewusst ist vielleicht das falsche Wort. Ich hatte unbedingt Bock, wollte alles raushauen, was geht, weil ich weiß, dass es nur so in der Liga geht.

Nach 60 Minuten bist Du raus …

Matthias Bader: Ja, es ist dann doch noch eine andere Intensität. Die Zeit davor habe ich Regionalliga gespielt. 2. Liga ist da doch noch etwas anderes. Um die 60. Minute hat Dresden ziemlich Druck gemacht und ich war ziemlich am Limit. Da hat mich der Trainer dann rausgenommen. Vielleicht wäre es fünf Minuten später wieder besser gewesen. Doch wenn der Trainer in dem Augenblick sieht, dass er mit dem Hermi (Patrick Herrmann) den stabileren Spieler bringen kann, ist das natürlich völlig in Ordnung. Ich arbeite aber an mir, dass ich bald auch über die vollen 90 Minuten gehen kann.

Du hast Rechtsverteidiger gespielt. Gibt es noch andere Positionen?

Matthias Bader: Innenverteidiger habe ich noch nicht gespielt. Da bin ich wohl ein bisschen zu kopfballschwach. Ich habe die komplette Jugend Rechtsverteidiger gespielt, bin da auch U-Nationalspieler und Profi geworden. Linksverteidiger habe ich auch schon gespielt. Rechtes Mittelfeld würde vielleicht auch gehen. Aber ich sehe mich als Rechtsverteidiger, wofür man mich ja auch geholt hat.

Da ist Patrick Herrmann Dein direkter Konkurrent. Wie versteht Ihr Euch?

Matthias Bader: Da gibt es überhaupt keine Rivalität. In Köln war auch Benno Schmitz mein bester Kumpel, der auf der gleichen Position wie ich gespielt hat. Ich habe Hermi als richtig netten, vernünftigen, auch lustigen Typen erlebt. Da gibt es keine Probleme.

Wie hast Du die Szene mit dem vermeintlichen Ausgleich von Dresden erlebt?

Matthias Bader: Ich habe das erst später im Bus im Fernseher gesehen. Letztendlich muss man über so eine Szene nicht reden, wenn wir die Tore machen. In meinen Augen war es ein verdienter Sieg. Nichtsdestotrotz sehen es die meisten anders. Aber der Schiedsrichter hat so entschieden.

Nächstes Wochenende geht es gegen Sandhausen. Was fällt Dir spontan dazu ein?

Matthias Bader: Sandhausen hat einen Punkt mehr als wir. Wenn wir gewinnen, ziehen wir vorbei. Das ist doch Motivation genug. Wir müssen gucken, dass wir so schnell wie möglich die nötigen Punkte holen. Zu Sandhausen fallen mir also nur drei Punkte ein (lacht).

Zur Person:

Matthias Bader (* 17. Juni 1997 in Pforzheim) wurde in der Jugend des Karlsruher SC ausgebildet und unterschrieb dort im Oktober 2014 einen Profivertrag. Zur Saison 2016/17 rückte er in den Profikader auf und debütierte am 1. Spieltag in der 2. Bundesliga. Im Laufe der Saison etablierte er sich auf der Position des rechten Verteidigers; gleichwohl stieg er mit dem KSC in die 3. Liga ab. Dort war er auf der rechten Abwehrseite gesetzt und absolvierte 29 Spiele. Am Ende scheiterte er mit dem KSC in der Aufstiegsrelegation am FC Erzgebirge Aue.

Zur Saison 2018/19 wechselte Bader in die 2. Bundesliga zum 1. FC Köln. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2021. Zunächst warf ihn eine Hüftverletzung zurück, doch auch nach seiner Genesung konnte er sich nicht durchsetzen, bestritt nur vier Ligaspiele für Köln, stieg mit der Mannschaft aber auf. Sein bislang einziges Bundesliga-Spiel bestritt er in der aktuellen Saison bei der 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern München. Fünf Partien absolvierte er die 2. Mannschaft Kölns. Ende Januar wechselte er zu den Lilien, wo er einen bis 2022 gültigen Vertrag erhielt.

Bader ist mehrmaliger deutscher U-Nationalspieler. Zuletzt nahm er 2017 mit der U20 an der Weltmeisterschaft teil, bei der Deutschland im Achtelfinale an Sambia scheiterte.

(Teil 2 des Interviews über Kumpel Marvin Mehlem, die Probleme in Köln und seinen Hund folgt am Dienstag)

Bildquellen

  • IMG_9968: Stephan Köhnlein
  • SGD-SVD-2019-20-blog-0012: Arthur Schönbein

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