Rolle vor, Rolle zurück – die Deutsche Fußball Liga DFL hat in den Augen vieler keine gute Figur im Umgang mit dem Coronavirus abgegeben. Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch ist eines von neun DFL-Präsidiumsmitgliedern. Auf Anfrage des Lilienblogs wollte er sich nicht zu Interna aus dem Präsidium äußern und verwies auf die DFL-Mitteilung vom Freitagnachmittag.

Noch am Freitagvormittag hatte das DFL-Präsidium entschieden, den 26. Spieltag stattfinden zu lassen. Am Nachmittag verlegte es den Spieltag dann doch auf einen unbestimmten Zeitpunkt. In der Mitteilung, die Fritsch zitierte, hatte das Präsidium die „Dynamik des heutigen Tages mit neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen in direktem Zusammenhang mit der Bundesliga und 2. Bundesliga“ für den Meinungsumschwung angeführt.

Spieler sind zunächst nicht die Leidtragenden

Einen regelrechten Shitstorm löste Bayern-München-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aus. Der hatte am Vormittag die erste DFL-Entscheidung zur Austragung des Spieltags begrüßt und erklärt, es gehe „am Ende des Tages um Finanzen“. Wenn die Zahlung der TV-Broadcaster an die Vereine ausbleiben würde, könnten zumindest viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme bekommen. „Ein größerer dreistelliger Millionenbetrag steht im Feuer“, sagte Rummenigge.

Auch bei anderen Vereinen stieß die Aussage des Bayern-Bosses in dieser Form nicht auf ungeteilte Zustimmung, wie der Lilienblog erfuhr. Es wäre gut gewesen, wenn Rummenigge darauf hingewiesen hätte, dass vor allem einzelne Arbeitnehmer und kleine Unternehmen von Spielverlegungen und -absagen betroffen seien – wie die Beschäftigten im Stadion-Catering oder bei Sicherheitsdiensten. Dass die Profifußballer ernsthaft in finanzielle Not kämen, müsse man nicht befürchten, hieß es.

Stadionumbau gefährdet – die Folgen für die Lilien

Welche längerfristigen Folgen das Coronavirus für die Lilien hat, ist völlig offen. Die Spieler verabschiedeten sich am Samstag auf unbestimmte Zeit ins „Homeoffice“. Sie sollen sich mit individuellen Trainingsplänen fithalten, wie der Verein mitteilte.

Finanziell stehen die Lilien derzeit nicht schlecht da, wie Vereinsvertreter immer wieder betont haben. Insofern kann man vorübergehende finanzielle Engpässe voraussichtlich abfedern. Doch pro ausgefallenem Heimspiel geht dem Verein ein mittlerer sechsstelliger Betrag verloren – in Verbindung mit den ohnehin sinkenden Zuteilungen aus dem TV-Geld-Topf durchaus eine Bürde für die Zukunft.

Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, wie es mit dem Stadionumbau weitergeht – aber nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch. Die Ausschreibung für den Abriss und Neubau der Haupttribüne läuft. Doch, ob wie angepeilt im Mai nach dem ursprünglich angesetzten letzten Spieltag, mit den Arbeiten begonnen werden kann, ist fraglich. Womöglich wird zu diesem Zeitpunkt auch noch gespielt, wenn die Saison nicht abgebrochen, sondern die Spiele nur verschoben werden.

Fahren auf Sicht

Am Montag werden die Profivereine bei ihrer Mitgliederversammlung über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem Coronavirus entscheiden. Das DFL-Präsidium hatte am Freitag die Empfehlung ausgegeben, den Spielbetrieb vorerst bis zum 2. April auszusetzen. Ob die Vereine dieser Empfehlung folgen, ist offen. Aber selbst wenn der Profifußball bis dahin pausiert, bedeutet das keineswegs, dass danach wieder gespielt wird. Man fahre derzeit auf Sicht, hieß es.

Bildquellen

  • corona-4899173_1920: Vektor_Kuns/Pixabay

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