„Alles (wieder) auf Anfang“ titelten „Bild„, „kicker“ und hessenschau in den vergangenen Tagen selten einmütig. Und nun ist es also fix: Markus Anfang wird zur neuen Saison Coach der Lilien. Da könnte man glatt in Versuchung kommen, von einem Neu-Anfang zu sprechen. Doch das wäre nicht nur des mehr oder weniger guten Wortspiels zu viel. Es wäre auch falsch.

Man wolle nämlich den mit Trainer Dimitrios Grammozis eingeschlagenen Weg weitergehen, hatten die Lilien-Verantwortlichen immer wieder betont. Gemeint war, auf jüngere Akteure und mehr spielerische Elemente zu setzen. Und etwas Kontinuität in die Mannschaft zu bringen. Die Frage bleibt, wieso man das nicht mit Grammozis selbst getan hat?

Bis zur Corona-Pause war die Mannschaft in zehn Spielen am Stück unbesiegt geblieben und hatte sich bis auf Rang sechs vorgeschoben. Doch mehr als einen Einjahresvertrag wollten die Verantwortlichen dem Coach nicht anbieten, angeblich aus wirtschaftlichen Gründen.

Grammozis wollte ein längerfristiges Engagement. In dem Angebot sah er mangelndes Vertrauen (was durchaus nachvollziehbar ist). Er lehnte offensichtlich enttäuscht und vor allem ziemlich schnell und kategorisch ab (was die Frage aufwirft, wie sehr er tatsächlich an dem Verein und seinen „Jungs“ hing).

Nun hat Anfang einen Zweijahresvertrag bekommen. Grundsätzlich müsse eine Neuanstellung immer anders bewertet werden als eine Vertragsverlängerung, heißt es vom Verein. Trotzdem habe man wirtschaftlich vernünftig gehandelt. Wenn das stimmt, muss Anfang große Abstriche gemacht haben. Schließlich hatte er zuletzt beim 1. FC Köln für einen Zweitliga-Trainer sehr gut verdient.

Eine große Rolle spielte bei der Verpflichtung sicher der Sportliche Leiter Carsten Wehlmann, der Anfang aus zwei erfolgreichen, gemeinsamen Jahren in Kiel kennt. Anfang sei „unser Wunschkandidat“ gewesen, sagt Wehlmann. Wenn sein ehemaliger Weggefährte einschlägt, darf er sich auf die Schulter klopfen. Wenn der Versuch mit Anfang scheitert, wird man das wohl vor allem dem Sportlichen Leiter anlasten. Allerdings langten die Lilien-Verantwortlichen auch ohne Wehlmann bei der Trainerwahl in den vergangenen Jahren mehrfach daneben.

Ein Glücksgriff ist dem Präsidium um Rüdiger Fritsch nur einmal gelungen: Das war im Dezember 2012, als man den wenige Wochen zuvor bei den Stuttgarter Kickers beurlaubten Dirk Schuster verpflichtete. Doch nach Schusters Abgang im Sommer 2016 gab es wenig Kontinuität: Norbert Meier hielt sich kein halbes Jahr. Torsten Frings blieb ein knappes Jahr. Die zweite Amtszeit von Dirk Schuster dauerte dann etwas mehr als ein Jahr. Grammozis wäre immerhin bei Vertragsende im Juni mit 16 Monaten der Coach, der sich zuletzt am längsten gehalten hat.

Nun also Markus Anfang. Kehrt damit wieder etwas Ruhe auf dem Trainerposten und in den Kader ein? Oder droht angesichts der hohen Erwartungen in Darmstadt schon bald wieder ein Neu-Anf … ach, das wollten wir ja lassen.

Und wie findet Ihr die Entscheidung? Hier geht es zu unserer Umfrage.

 

Bildquellen

  • FCSP-SVD-blog-2019-20-ball: Arthur Schönbein

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