Aytac Sulu stand beim SV Darmstadt 98 für Kampf und Leidenschaft.  Nun stellt der neue Trainer Markus Anfang die Spielbeherrschung mehr in den Fokus. Ein solcher Philosophiewechsel sei kein leichtes Unterfangen, meint Sulu. Aber Anfang sei erfahren genug und wisse um das Potenzial der Mannschaft. Und auch bei dessen Spielphilosophie müsse man Zweikämpfe gewinnen und brauche man den absoluten Willen zum Erfolg

Aytac, verfolgst Du die Lilien im Moment noch?

Aytac Sulu: Wäre doch schlimm, wenn nicht – oder? (lacht) Das erste halbe Jahr nach meinem Abschied, konnte ich die Lilien allerdings nicht so intensiv verfolgen, weil ich etwas Abstand gebraucht habe. Aber seit der vergangenen Saison habe ich fast alle Spiele gesehen.

Das klingt aber nicht nach einem glücklichen Abschied aus Darmstadt …

Aytac Sulu: Mein Plan war, die Karriere in Darmstadt zu beenden und dann dort weiterzumachen. Aber das kam eben nicht so.

EM? Serdar weiß auch, dass es schwierig wird

Gibt es denn noch Kontakte zu den ehemaligen Mitspielern?

Aytac Sulu: Mit Serdar Dursun habe ich mir gerade geschrieben. Mit Tobi Kempe flachse ich mal rum. Bei Fabi Holland zur Geburt des Kindes natürlich. Der Kontakt ist immer noch da. Aber als ehemaliger Kapitän will ich ihnen auch nicht immer auf die Nerven gehen (lacht).

Du hast Serdar Dursun erwähnt. Da gibt es Parallelen. 2016 warst Du einer der torgefährlichsten Abwehrspieler Europas, bist aber nicht zur EM für die türkische Nationalelf nominiert worden. Nun träumt Serdar von der EM, hat es aber trotz der tollen Trefferquote vergangene Saison schwer …

Aytac Sulu: Natürlich weiß Serdar auch, dass es schwierig ist. Die Frage ist, was der Nationaltrainer macht, wenn er ihn in der türkischen Liga nicht vor der Nase hat. In der Bundesliga hätte es Serdar wohl einfacher. Aber wenn er weiter seine Tore schießt, hat er meiner Meinung nach eine Chance.

Aytac Sulu tippt auf Rang fünf bis zehn

Darmstadt hat mit Markus Anfang einen neuen Trainer, der ein neues System spielt, das sich ziemlich von dem kampforientierten Fußball unterscheidet, den Ihr vor allem unter Dirk Schuster gespielt habt. Passt ein auf das Spielerische ausgelegtes System zu Darmstadt?

Aytac Sulu: Es ist sicher schwierig, wenn über Jahre hinweg Kampf, Leidenschaft und Wille im Vordergrund standen und jetzt die Spielbeherrschung in den Vordergrund rückt. Dazu kommt, dass die Mannschaft unter Dimitrios Grammozis sehr gut abgeschnitten hat. Daran wird Markus Anfang gemessen werden. Aber er ist erfahren genug und weiß um das Potenzial der Mannschaft. Letztlich macht es die Mischung: Auch wenn Du eine eigene Spielphilosophie hast, musst Du die Zweikämpfe gewinnen und den absoluten Willen zum Erfolg haben.

Was traust Du der Mannschaft zu in der kommenden Saison?

Aytac Sulu: Es gibt Unwägbarkeiten wie die Zuschauersituation oder den neuen Trainer und das System. Gut ist, dass die Mannschaft weitgehend zusammengeblieben ist. Mit dem Abstieg werden sie auf keinen Fall etwas zu tun haben. Ich kann mir vorstellen, es wird etwas zwischen Platz fünf und Platz zehn.

Wie groß siehst Du die Chancen, dass wir Aytac Sulu eines Tages einmal wieder bei den Lilien erleben werden?

Aytac Sulu: Von meiner Seite ist die Chance auf jeden Fall groß. Wir wissen alle, was wir aneinander haben. Aber jetzt ist das noch kein Thema. Und was in der Zukunft ist, wird sich zeigen.

Lilien-Ehrenspielführer Aytac Sulu, SV Darmstadt 98 gegen HSV

Kein Abschied für immer? Lilien-Ehrenspielführer Aytac Sulu bei seiner Verabschiedung im Dezember 2019

In Teil 1 unseres Interviews berichtet Aytac Sulu davon, wie er die Zeit als Profi ohne Verein verbringt und was sein Plan B ist, wenn es nicht mit einem Club klappt.

In Teil 2 unseres Interviews verrät Aytac Sulu, warum er in der Türkei die Freude am Fußball verlor und wie er sie in Thüringen wiederfand.

 

Bildquellen

  • SVD-HSV-2019-20-blog-003: Arthur Schönbein
  • Sulu-abschied: Arthur Schönbein

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