Eigentlich wollte Samuele Campo beim SV Darmstadt 98 die Freude am Fußball wiederfinden. Doch dieersten Wochen haben dazu wenig beigetragen. Auf gerade auf sieben Minuten Einsatzzeit hat es der Schweizer mit italienischen Wurzeln gebracht, der in der Winterpause vom Schweizer Spitzenclub FC Basel auf Leihbasis ans Böllenfalltor gekommen war. Selbst als die Lilien gegen Erzgebirge Aue klar führten, entschied sich Trainer Markus Anfang für andere Einwechslungen. Campo blieb 90 Minuten lang draußen – wie in fünf von sechs möglichen Spielen. 

„Es hätte jeder reinkommen können“, sagte Anfang nach dem 4:1-Sieg. „Wir haben so gewechselt, um weiter die Kompaktheit zu haben.“ Campo agiere als offensiver Mittelfeldspieler zwischen den Linien, doch man habe derzeit den Fokus darauf gerichtet, mehr gegen den Ball zu arbeiten. „Ich habe mit Samu diese Woche ein Gespräch geführt“, erklärte der Lilien-Coach und fügte an: „Ich glaube, Samu hat das auch verstanden.“

Überangebot im Mittelfeld

Es stellt sich allerdings die Frage, wieso man den 25-Jährigen überhaupt geholt hat, wenn man ihn nicht spielen lässt. „Samuele ist ein technisch starker Spieler, der aus dem Mittelfeld heraus viel Torgefahr ausstrahlt und darüber hinaus sehr gute Standards mit seinem linken Fuß tritt“, hatte Sportchef Carsten Wehlmann bei der Verpflichtung erklärt. Anfang hatte darauf verwiesen, dass man die Last des Toreschießens auf mehrere Schultern verteilen wolle, nachdem in der Hinrunde hauptsächlich Serdar Dursun und Tobias Kempe getroffen hatten. Das ist mittlerweile auch ohne Campo gelungen, weil Marvin Mehlem, Tim Skarke und Mathias Honsak inzwischen öfter einnetzen.

Vor allem aber sind die Lilien auf Campos Stammposition im zentralen offensiven Mittelfeld ohnehin gut besetzt. Geholt wurde der Schweizer noch vor dem mutmaßlichen Abgang seines Mitbewerbers Seung-ho Paik (in Darmstadt geht man weiter von einem Wechsel aus, auch wenn es nach gut drei Wochen noch immer keinen Vollzug gibt). Doch auch ohne Paik stehen in Campo, Kempe, Mehlem, Honsak und Fabian Schnellhardt fünf Spieler für derzeit eine Position zur Verfügung. Selbst Vizekapitän Kempe, der in der Hinrunde gesetzt war, musste in den vergangenen zwei Spielen zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Anfang wollte einen Defensivspieler und bekam Samuele Campo

Anfang selbst hatte in der Winterpause vor der Verpflichtung Campos erklärt, er wünsche sich einen Linksfuß mit Defensivqualitäten als Back-up für Fabian Holland. Bekommen hat er zwar einen Linksfuß, aber keineswegs einen Holland-Vertreter. Der hätte den Lilien gegen Aue gut zu Gesicht gestanden. Da fehlte Holland gelbgesperrt, Matthias Bader war noch nicht fit und Adrian Stanilewicz war die mangelnde Spielpraxis anzumerken auf einer Position, die ohnehin nicht seine Stammposition ist.

Dem Eindruck, man habe in Campo einen Spieler verpflichtet habe, den der Trainer womöglich gar nicht gewollt habe, ist Wehlmann entschieden entgegengetreten:. Der Verein hole keinen Spieler, den irgendjemand nicht haben wolle. Das könne man sich gar nicht leisten und überhaupt: „Das haben wir als Darmstadt 98 in der Vergangenheit nicht gemacht, und das werden wir auch in der Zukunft nicht machen.“

Kaufoption im Sommer

Ob die Kaufoption, die der SV Darmstadt 98 auf Campo hat, im Sommer gezogen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr fraglich. Abgeschrieben ist der Schweizer aber nach Aussage Anfangs auf keinen Fall. „Er wird sich weiter im Training anbieten. Es ist ja nicht so, dass er nicht defensiv arbeiten kann“, sagte der Lilien-Coach. „Ich denke, dass seine Zeit auch kommt und er seine Spiele auf jeden Fall noch bekommen wird.“

Bildquellen

  • SVD-FCN-2020-21-blog-005: Arthur Schönbein

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