Ein zentraler Spieler, ein Typ, ein Leader – aber unersetzlich ist Victor Palsson beim SV Darmstadt 98 wohl nicht. Es gibt einige Argumente dafür, dass der Isländer die Lilien trotz seiner unbestrittenen Bedeutung für das Team und trotz seines bis Sommer 2022 laufenden Vertrages schon nach dieser Saison verlassen könnte. 

Das Interesse von Schalke 04 ist unbestritten. Mit 30 Jahren könnte Palsson dort noch einmal einen Vertrag unterschreiben, der wahrscheinlich deutlich besser dotiert wäre als bei den Lilien. Auf die Frage, ob er seine sportlichen Ziele denn in Darmstadt verwirklichen könne, hatte der isländische Nationalspieler bereits Mitte März die so häufigen Treueschwüre vermieden und salomonisch geantwortet: „Im Fußball weiß man nie. Alles kann passieren.“

Guter Draht zu Grammozis

Auf Schalke wäre er – zumindest nach aktuellem Stand – wieder mit seinem Ex-Coach Dimitrios Grammozis vereint. Beide kennen und schätzen sich aus Darmstädter Zeiten. Ende der vergangenen Saison hatte Palsson ungewöhnlich deutlich und in den höchsten Tönen von Grammozis geschwärmt.

„Er bringt viel Herz mit, er ist emotional, und er hatte immer einen Plan, wie er spielen wollte“, sagte Palsson, der in seiner Profi-Karriere schon in zehn verschiedenen Vereinen und unter zahlreichen Trainer gespielt hat. Die Mannschaft sei mit dem Trainerteam – neben Grammozis die beiden Co-Trainer Iraklis Metaxas und Sven Piepenbrock – enorm gewachsen. „Es tut ein bisschen weh, und es tut mir ein bisschen leid, weil wir das als Mannschaft und mit dem Trainerteam so gut gemacht haben und es jetzt vorbei ist“, sagte Palsson damals über Grammozis‘ Abschied.

Victor Palsson und Dimitrios Grammozis, FC Erzgebirge Aue - SV Darmstadt 98

Guther Draht: Victor Palsson (links) und Ex-Lilien-Coach Dimitrios Grammozis Foto: Florian Ulrich/Jan Huebner/Pool

Misstöne im Verhältnis zu Anfang

Wer in den vergangenen Monaten genau hingehört hat, konnte diese Harmonie im Verhältnis zu seinem aktuellen Trainer Markus Anfang nicht immer hören. Die Fokusverschiebung auf die Defensive hatte Palsson unter anderem mit den Worten beschrieben: „Wir sind bei der spielerischen Entwicklung einen Schritt zurückgegangen, das System kennen wir aus der vergangenen Saison“, sagte er mit Blick auf die Rückkehr zur Doppel-Sechs vor der Abwehr. „Wir wissen, dass wir das können.“

Und als mögliche Erklärung dafür, dass die Mannschaft deutlich erfolgreicher spielt, führte er an: „Vielleicht liegt es auch daran, dass wir nicht mehr so viel nachdenken müssen.“ Die Mannschaft beherrscht das neue System also nicht, muss zu viel nachdenken? Kann man zumindest auch als Kritik durch die Blume verstehen. Auch wenn das natürlich niemand direkt so sagt.

Beim Pokal-Spiel in Kiel hatte Palsson mehrfach deutlich die Einwechslung von Serdar Dursun gefordert, die erst spät kam. Und mit Dursun hängt auch der größte, öffentlich bekannt gewordene Ärger zusammen, den der Isländer mit Anfang hatte. Nachdem Palsson in einem Interview gesagt hatte, er gehe davon aus, dass der Deutsch-Türke den Verein im Sommer verlassen werde, wurde er vom Trainer zum Rapport bestellt. Es stehe einem Spieler nicht zu, sich über die Vertagsangelegenheiten eines anderen zu äußern, lautete die nachvollziehbare Begründung.

Victor Palsson, Serdar Dursun, Karlsruher SC - SV Darmstadt 98

Im Gespräch: Victor Palsson (rechts) und Serdar Dursun

Dem SV Darmstadt 98 winkt Transfergewinn

Bei den Lilien gilt Palsson nicht als unverkäuflich. Wenn man für einen 30-Jährigen noch eine geschätze Ablösesumme zwischen 500.000 und einer Million Euro ergattern könnte, wäre das eine Überlegung wert. Zudem würde es dem Verein einen ordentlichen Gewinn für einen Spieler bescheren, der vor zweieinhalb Jahren wohl für deutlich weniger als die im Internetportal transfermarkt.de geschätzen 300.000 Euro gekommen war.

Auch ist der Fall anders gelagert als bei Dursun. Den ließen die Lilien trotz einiger Angebote während des laufenden Vertrages nicht ziehen. Nun kann der Deutsch-Türke ablösefrei wechseln. Doch Stürmer vom Kaliber eines Dursun sind extrem rar. Mit seinen bislang 21 Treffern hat er fast die Hälfte aller Lilien-Tore erzielt und ist eine Lebensversicherung für die Mannschaft.

Alles auf Schalke?

Die Auswahl von Spielern auf Palsson Stammposition im defensiven Mittelfeld ist auf jeden Fall deutlich größer. Ob man allerdings einen Spieler findet, der der Mannschaft so weiterhilft wie der Isländer, ist natürlich fraglich. Ein Blick auf die laufenden Saison zeigt seinen Wert: Ohne Palsson holte die Mannschaft im Schnitt weniger als einen Punkt pro Spiel. Mit ihm waren es mehr als 1,5 Punkte.

Nicht auszuschließen ist folgendes Szenario: Die Lilien müssen zur neuen Saison sowohl Dursun als auch Palsson ersetzen. Und im Spiel kommende Saison gegen Schalke 04 gibt es dann ein Wiedersehen mit den beiden in einem anderen blauen Trikot und Ex-Lilien-Coach Grammozis auf der Bank.

(Aktualisierung: Nach der Verpflichtung von Simon Terodde vom Hamburger SV benötigt Schalke keinen Stürmer mehr. Das Szenario mit einem großen Wiedersehen auf Schalke ist also extrem unwahrscheinlich. Allerdings besteht jetzt beim HSV Bedarf. Dursun ist ein Kandidat. Mehr dazu gibt es hier)

Bildquellen

  • Fussball 2. Bundesliga, FC Erzgebirge Aue – SV Darmstadt 98: Foto: Florian Ulrich/Jan Huebner/Pool
  • KSC-SVD-blog-2020-21-001x: Arthur Schönbein
  • SVD-BOC-blog-2020-21-012: Arthur Schönbein

5 Comments

  • Andreas sagt:

    ich behaupte mal, Serdar wechselt zum HSV und Victor zu Schalke. Dort freut er sich über 5 Spiele unter seinem Wunschcoach Dimi, bis die Schalker Mühlsteine ihn zermalmt haben und er seinen Hut nehmen darf. Wie es dann weitergeht wird man sehen.

    Aber eigentlich schreibe ich das nur, damit ich später sagen, kann: „Ich habs gesagt“ 😉

    Von daher: Es kimmt wie’s kimmt

  • Andreas sagt:

    Ach ja, total vergessen: Die Neuen schlagen sofort ein und wir beenden die Hinrunde vor HSV und Schalke.

    Schee weers 🙂

  • Michael Rossa sagt:

    Gude,
    na das wäre dann das Horrorszenario!
    Hinten keinen Abwehrchef, keine gestandene Abwehr,
    vorne keine Stürmer,
    die Außen zu schwach besetzt,
    weder einen richtigen 1. Anzug im Mittelfeld,
    noch einen 2.ten passend für die Anderen Positionen!
    Doch auf der TW-Position doppelt gut besetzt!
    DA muß sich einiges bei Uns tun!
    Mal Gugge!!!

  • Chino Bagnio sagt:

    Ist doch jetzt die Chance, die Mannschaft dem Anfangsystem anzupassen. Ich fürchte nur, das wird nichts.

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