Als es in der Gerüchteküche mal wieder überkochte, sah sich der SV Darmstadt 98 zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst: In einer Medienmitteilung vom frühen Samstagabend stellte der Verein klar, dass er grundsätzlich keine Medienberichte kommentiere. „Auch an der bereits kommunizierten grundsätzlichen Haltung des SV 98 zur Arbeit von und Weiterarbeit mit Markus Anfang hat sich nichts geändert“, hieß es in der Mitteilung.

Hintergrund sind die Spekulationen über einen möglichen Abgang von Trainer Anfang zu Werder Bremen, die vor allem von der „Bild“-Zeitung forciert werden. Nach der Trennung von Florian Kohfeldt und der vermutlichen Interimslösung Thomas Schaaf sucht der Bundesliga-Absteiger einen neuen Trainer. Anfang hat sich nicht zuletzt mit der starken Rückrunde der Lilien für mögliche Vakanzen interessant gemacht.

Fritsch: „Hier geht es einfach weiter“

Die „grundsätzliche Haltung des SV 98 zur Arbeit von und Weiterarbeit mit Markus Anfang“ in der Trainerfrage hatte Präsident Rüdiger Fritsch unter der Woche deutlich gemacht: Vom Lilienblog angesprochen auf ein mögliches Interesse von Fortuna Düsseldorf an Anfang – übrigens auch hauptsächlich von der „Bild“-Zeitung forciert – hatte Fritsch erklärt, dass ein vorzeitiger Abgang des Trainers kein Thema sei.

„Wir haben hier einen Toptrainer, mit dem wir sehr zufrieden sind“, sagte Fritsch. „Wenn man mich jedes Mal anrufen würde, wenn ein guter Trainer oder Spieler irgendwo in einem Gerüchtezentrum im Internet genannt wird, hätten wir eine Standleitung.“ Anfang habe Vertrag, man habe sich „bestens in den Urlaub verabschiedet“ und werde in Kürze die neue Saison in Angriff nehmen. „Hier geht es einfach weiter. Ich bitte, davon Abstand zu nehmen, weil es für uns kein Thema ist.“

Klare Aussagen auf der einen, Spekulationen eines oft (aber nicht immer gut informierten) Mediums auf der einen Seite – das sind die Argumente:

Markus Anfang geht, weil …

  • Verträge Schall und Rauch sind,
  • der SV Darmstadt 98 bei einer entsprechenden Ablösesumme aus wirtschaftlichen Gründen schwach würde,
  • er in Bremen ganz andere Optionen hätte und doch den einen oder anderen Wunschspieler mehr bekäme als in Darmstadt,
  • er in Bremen zumindest theoretisch mehr Potenzial und noch bessere Strukturen hätte als in Darmstadt (wobei der benachbarte Hamburger SV ein warnendes Beispiel ist, dass das noch lange keinen Erfolg bedeutet).

Markus Anfang bleibt, weil …

  • er einen gültigen Vertrag hat,
  • der Verein ihn nicht gehen lässt,
  • er in Darmstadt viel Wertschätzung erfährt,
  • er bei den Lilien eine Entwicklung eingeleitet hat, die noch lange nicht am Ende ist,
  • Werder Bremen kein Geld hat, eine angemessene Ablösesumme zu bezahlen,
  • Werder Bremen auch kein Geld hat, seine Spielerwünsche zu erfüllen.

Bildquellen

  • Anfang-04: Arthur Schönbein

6 Comments

  • Tom Klementz sagt:

    Es kotzt mich an, dass ein Trainer mit Vertrag angebaggert wird obwohl es genügend arbeitslose Alternativen gäbe. Und das sind qualitativ nicht die schlechtesten. Andererseits, ich mag mich täuschen, hatte ich immer ein bisschen den Eindruck, dass M.A. mit den Lilien nicht so richtig warm geworden ist. Sollte er also gehen, ich hätte da ein paar Vorschläge….

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Ich finde das Baggern auch nervig, wenn es um den Trainer des eigenen Vereins geht. Anderseits: Natürlich will jeder Verein für sich die beste Option. Und jeder Trainer wie Spieler natürlich auch. Markus Anfang ist extrem ehrgeizig, will immer das Optimum und stößt in Darmstadt gerade bei den finanziellen Möglichkeiten für die Kaderzusammenstellung immer wieder an Grenzen. Das macht ihn sicher nicht zufrieden.
      Für mich stellt sich die Frage, ob es sich ein klammer Verein wie Werder tatsächlich leisten kann, auch noch für einen Trainer Ablöse zu bezahlen. Und bei welcher Summe die Lilien ggf. schwach werden. Warten wir ab, wie sich das weiterentwickelt.

  • Thomas sagt:

    Mich nervt es auch. Ich denke sie werden noch was draufpacken müssen und dann geht er. Bringt ja auch nix, wenn er unzufrieden ist, das hat er ja schon ziemlich früh öffentlich kund getan…
    Angeblich soll Werder ja eine Menge Transfererlöse erwarten…

    Wo wir bei einem anderen Thema wären: wie schaut das bei uns eigentlich aus? Wenn wir mal Erlöse erzielen wollten, sollte Wehlmann sich auch mal drehen. So wie ich gesehen habe, laufen nur 3 oder 4 Verträge länger als 2022… Entweder müssten die jetzt verkauft werden, oder verlängern…
    Ist das sinnvoll, wenn fast alle Verträge in 2 aufeinanderfolgenden Saisons auslaufen? Wie soll da Kontinuität aufkommen? Jetzt muss er ja erstmal halten was geht, weil schon 12 Abgänge im Raum stehen…

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Was Anfang angeht, ist aus meiner Sicht das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Problem: Darmstadt will mehr Geld, Bremen hat kein Geld.
      Was die Verträge angeht, kann Wehlmann ja auch nicht über die Spieler hinweg die Verträge verlängern. Und die Spieler spekulieren ja selbst darauf, dass sie womöglich ablösefrei wechseln können. Die Neuzugänge haben inzwischen fast alle Dreijahresverträge – das hat schon mehr Perspektive als früher.

  • Thomas sagt:

    Ich denke Anfang ist erstmal gut beraten in Darmstadt zu bleiben, bis die Liga, durch Corona gebeutelt, sich wieder etwas beruhigt hat. Darmstadt scheint gut zu wirtschaften, im Gegensatz zu Werder:

    https://www.finance-magazin.de/blogs/dritte-halbzeit/fussball-finanzen-warum-werder-bremen-abstuerzt-2079911/

    Hat er das nicht mitbekommen, oder hat ihm das die in die Kritik geratene sportliche Leitung von Werder (wie heißt er?) nicht gesagt..

    Bin gespannt, ob Darmstadt 98 und Anfang eine gescheite Basis finden….

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