Nach einigen Startschwierigkeiten hat der SV Darmstadt 98 eine ordentliche Vorbereitung absolviert. Trotzdem sieht Trainer Torsten Lieberknecht die Mannschaft noch nicht so weit, wie er das gerne hätte. Mit Leidenschaft und Teamgeist sollen die Spieler das wettmachen. Aber der Coach hat auch klare taktische Vorstellungen, wie er im ersten Teil des großen Lilienblog-Interviews erklärt.

Herr Lieberknecht, bei ihrer Vorstellung Mitte Juni haben sie gestanden, dass sie auf der ersten Fahrt nach Darmstadt so begeistert waren, dass sie gleich zweimal in eine Radarfalle geraten sind. Jetzt müssten die Bescheide da sein. War es teuer?

Torsten Lieberknecht: Es war noch alles im Rahmen. Es gab keine Punkte (lacht).

Viele Verletzte, fehlende Neuzugänge, ein verschobenes Trainingslager – so richtig glatt ging es bei den Lilien nicht los mit der Vorbereitung. Hat das Ihre Begeisterung gedämpft?

Torsten Lieberknecht: Nein, das hat damit nichts zu tun. Der Club, die Stadt, die Menschen – das Gesamtgefühl ist für mich entscheidend. Da habe ich auch eine romantische Ader. Ich fühle eine totale Begeisterung für den Job. Unwägbarkeiten gehören zum Geschäft. Aber ich mag die Herausforderung, dann das Beste daraus zu machen.

Torsten Lieberknecht: „Es fehlt noch ein bisschen“

Wie weit ist die Mannschaft?

Torsten Lieberknecht: Es fehlt aufgrund der vielen Verletzungen, die uns in der Vorbereitung beschäftigt haben, und der Fitness der teilweise spät hinzugestoßenen Neuzugänge noch ein bisschen. Ich schätze, diese Herausforderung reicht noch in die ersten Saisonspiele hinein. Da müssen wir ganz besonders mit hoher Mentalität und Leidenschaft spielen, um diese Dinge zu kompensieren. Aber ich habe gespürt, dass im Training die Gemeinsamkeit eine große Rolle gespielt hat. Es war mir sehr wichtig, das auch in die Mannschaft zu tragen.

Teamgeist und Leidenschaft haben in Darmstadt eine große Rolle gespielt – gerade beim Durchmarsch in die Bundesliga und dem anschließenden Klassenerhalt vor ein paar Jahren. Da verzeihen die Fans auch mal ein paar Niederlagen …

Torsten Lieberknecht: Deswegen ist es das erste Ziel, dass sich die Fans mit der Spielidee identifizieren können. Und noch wichtiger ist es, dass sie die leidenschaftliche Spielweise erkennen, dass die Spieler sich das Trikot mit Hingabe überziehen und auf dem Platz um Punkte fighten. Das sollen die Leute hier sehen.

Was schwebt Ihnen denn bei der Spielidee vor außer Teamgeist und Leidenschaft?

Torsten Lieberknecht: Ich möchte auf dem Bestehenden aufbauen, aber meine eigenen Vorstellungen und Ideen mit reinbringen, um eine größere Flexibilität und Variabilität zu erreichen. Ein Ziel lautet, dadurch noch weniger ausrechenbar zu sein und noch zielgerichteter vor das gegnerische Tor zu kommen. Im Detail möchte ich die Positionen etwas anders einsetzen. Das fängt bei den Außenverteidigern an, die nicht nur eine Absicherungsposition haben sollen. Vielmehr sollen sie aufgrund ihres Naturells und ihrer Ausbildung mehr ins Offensivspiel eingebunden werden. Beim Verteidigen spielt für mich auch das Sechser-Spiel eine große Rolle. Egal ob mit einem Sechser oder mit Doppel-Sechs – die Spieler dort haben bei mir ein bestimmtes Verhaltensmuster, um zur Stabilität beizutragen. Außerdem muss die Mannschaft alle Phasen eines Fußballspiels abdecken können: das Verteidigen, das Offensivspiel, defensives und offensives Umschaltspiel sowie Standards.

In Teil II des Interviews spricht Lieberknecht über Baustellen im Kader und wie er sie schließen möchte.

Bildquellen

  • Trainingslager-svd-2021-22-blog-0048: Arthur Schönbein

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