Von Leitbildern, späten Anrufen und Wunderheilungen – die Woche mit dem SV Darmstadt 98 aus Sicht von Lilienblog-Autor Stephan Köhnlein.

Sonntag

Wenn Mathias Honsak nur ein wenig abgezockter vor dem Tor wäre … würde er vermutlich schon in der Bundesliga spielen. Gegen Kiel ließ er mindestens zwei gute Torgelegenheiten aus. Ob er den nötigen Killerinstinkt lernen kann? Da spielt auch die Persönlichkeit eine Rolle – und er ist eben ein freundlicher, eher ruhiger und zurückhaltender Mensch und kein Haudrauf-Typ. Trotzdem ist der Österreicher ein wertvoller Spieler für die Lilien, schafft mit seiner Geschwindigkeit und seinen Dribblings immer wieder Raum für die anderen Offensivspieler.

Dienstag

Bei den ersten Interviews in Darmstadt konnte man mit Patric Pfeifer regelrecht Mitleid bekommen. Obwohl mit 1,96 Metern eine stattliche Erscheinung war er zutiefst unsicher. Mittlerweile hat er sich in der Innenverteidigung der Lilien festgespielt. Mit dem sportlichen Erfolg ist er auch als Persönlichkeit gewachsen. In den Mediengesprächen tritt er deutlich sicherer auf, auch wenn es noch immer die eine oder andere Passage gibt, in der er sich kleiner macht als er ist.

Mittwoch

Die Lilien haben ein neues Leitbild. Darin ist nur noch von “Wir Lilien” die Rede. Der zweite Teil des bisherigen Claims “Aus Tradition anders” kommt zumindest dort nicht mehr vor. In einem Hintergrundgespräch erläutern die Verantwortlichen plausibel die Gründe dafür und stellen klar, dass man sich keineswegs von “Tradition” oder dem “Anders” verabschiede.

Trotzdem wohl ein sehr sensibles Thema. Jedenfalls klingelt um 22 Uhr deswegen nochmals das Telefon bei mir, um unter anderem über vermeintlich falsche Zitate zu diskutieren. Und über die Frage, ob “Aus Tradition anders” nun wegfalle oder nur der Fokus verschoben wurde. Letzteres erinnert ein wenig an das Frühjahr, als Coach Markus Anfang (nach Lilienblog-Informationen vor allem auch auf Druck der Mannschaft) auf das System der Vorsaison mit zwei Sechsern umstieg. Auch da war nicht von einer Systemänderung, sondern von einer Fokus-Verschiebung auf die Defensive die Rede.

Zur Mitgliederversammlung, wo das Leitbild vorgestellt wurde, kam auch die Mannschaft. Nachdem Torsten Lieberknecht mir die Hand geschüttelt hatte, taten ihm das die Spieler nach, die hinter ihm kamen. Darunter war auch Klaus Gjasula, der erst kurz zuvor nach seiner Corona-Infektion aus der Quarantäne in Albanien zurückgekommen war. Es geht mir nach wie vor gut.

Donnerstag

Es kommt oft anders, als man denkt. Auf der Vor-Spieltagspressekonferenz erklärt Lieberknecht, dass Gjasula, Lasse Sobiech und Benjamin Goller Optionen für den Kader gegen Nürnberg seien und Frank Ronstadt ausfalle.

Freitag

Sobiech und Gjasula fehlen im Kader gegen Nürnberg, Goller sitzt 90 Minuten auf der Bank. Dafür erfährt Ronstadt eine Wunderheilung und kommt als Einwechselspieler zum Einsatz. Braydon Manu wirbelt eine Halbzeit in der Offensive und sorgt in der Defensive für Kopfzerbrechen, die Abwehr mit Pfeiffer und Thomas Isherwood steht bombensicher und am Ende ringt die gesamte Mannschaft die starken, aber zunehmend müde und hilflos wirkenden Nürnberger nieder.

Tobias Kempe behandelt mich danach deutlich nachsichtiger als Dominik Stroh-Engel vor sieben Jahren. Der hatte mich im Dezember 2014 in der Mixed Zone nach dem 2:2 gegen Tabellenführer Ingolstadt komplett runtergeputzt, als ich ihn nach einem möglichen Aufstieg des SV Darmstadt 98 gefragt hatte (die Lilien sind am Ende dann doch aufgestiegen). Kempe winkt diesmal nur grinsend ab und sagt, ich solle ihm die Frage zu einem möglichen Aufstieg doch im kommenden Mai nochmals stellen.

Bildquellen

  • SVD-OSN-2019-20-sonstiges-004: Arthur Schönbein

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