Sprechen wollte Patric Pfeiffer nach dem Spiel gegen Düsseldorf nicht. Sein Statement hatte der medienscheue Innenverteidiger des SV Darmstadt 98 mit seiner Leistung zuvor jedoch schon auf dem Platz abgegeben.

In der 73. Minute schlug Fabian Holland einen hohen Eckball in den Strafraum. Pfeiffer schraubte sich in die Luft und köpfte den Ball zum Tor des Tages ein. “Die Ecke von Fabi war eigentlich viel zu hoch, aber das sind genau die richtigen Bälle für Paddy“, scherzte Keeper Marcel Schuhen später. „Der kriegt die Bälle dann auf 3,50 Metern Höhe noch irgendwie, wo sonst keiner mehr hinkommt.“

In der Vorwoche beim Spiel in Paderborn war Pfeiffer noch schwächster Lilien-Spieler auf dem Platz gewesen. Ihn traf beträchtliche Schuld am Gegentor, er verursachte einen Elfmeter und zeigte zahlreiche Stockfehler. Gegen Düsseldorf war er dann mit Abstand bester Spieler auf dem Platz, nicht nur wegen seines Siegtors, sondern auch wegen seiner konzentrierten Leistung in der Abwehr und seines starken Aufbauspiels.

Diese Aufs und Abs sind bezeichnend für die Saison des 23 Jahre alten Innenverteidigers. Er verfügt über enorme Anlagen, steht sich aber auch manchmal noch mit Phlegma und Unkonzentriertheit selbst im Weg.

Wechselspekulationen, ein Platzverweis und ein Comeback

Rückblick: Bereits im vergangenen Winter scheiterten die Lilien mit dem Versuch, Pfeiffers bis Sommer 2023 laufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern. In der Sommerpause waberten Gerüchte über das Interesse verschiedener Bundesligisten (Bochum, Bremen, später Augsburg) am Böllenfalltor. Pfeiffer wäre gerne ins Fußball-Oberhaus gewechselt. Der SV Darmstadt 98 pochte auf den Vertrag und lehnte ab. Spieler und Berater akzeptierten nach eigener Aussage die Situation.

Doch es wurde nicht ruhiger um Pfeiffer. Ein lautstarker Trainingsstreit mit Trainer Torsten Lieberknecht, die Gelb-Rote Karte im Auftaktspiel gegen Regensburg – wollte Pfeiffer etwa einen vorzeitigen Wechsel erzwingen, wie das Spieler anderswo auch schon getan hatten? Pfeiffer widerlegte diese Unterstellungen. Beim Auswärtssieg gegen seinen Ex-Klub Hamburger SV war er Torschütze und einer der besten Lilien-Spieler auf dem Platz. Auch danach bot er gute Leistungen – mit Ausnahme des Paderborn-Spiels.

Wie der Trainer Patric Pfeiffer fördern will

Coach Lieberknecht betont immer wieder, dass seine Spieler Fehler machen dürfen. Bei Pfeiffer habe er sich ganz bewusst dafür entschieden, ihn nicht gegen Paderborn auszuwechseln und ihm auch keine Pause gegen Düsseldorf zu geben. So könne er den Spieler fördern und seine Persönlichkeit stärken. Pfeiffer zeigte dann, dass er gelernt hat.

Auch mit Blick auf die Vertragssituation kann sich das Bleiben bis zum nächsten Sommer für Pfeiffer auszahlen. In Darmstadt hat der Spieler, der einst beim Hamburger SV nicht den Sprung zu den Profis geschafft hat, die Möglichkeit, weiter regelmäßig zu spielen, zu reifen und so wie gegen Düsseldorf zu zeigen, dass er die mentale Stärke hat, Rückschläge wegzustecken. Das stärkt seine Position bei Verhandlungen über einen neuen Vertrag – wo auch immer.

Bildquellen

  • SVD-F95-2022-23-blog-0039: Arthur Schönbein

Ein Kommentar

  • Frank Hofmann sagt:

    Einen suboptimalen Tag kann jeder einmal haben. Ich sehe hier keine Leistungsschwankungen. Wir sehen ihn kommende Saison in der Bundesliga wieder. Entweder mit den Lilien oder gegen die Lilien.

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