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Deniz Undav ist aktuell einer der Top-Spieler der Bundesliga, der am Samstag mit Stuttgart beim SV Darmstadt 98 gastiert. Gerade wurde der 27 Jahre alte Angreifer bei bundesliga.de zum Spieler des Monats Januar gewählt. Wenn er seine Leistung stabil hält und gesund bleibt, wird er im Sommer für die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im eigenen Land auflaufen. Dabei verlief seine Karriere alles andere als geradlinig.

Der in Varel in Niedersachsen geborenen Undav ist auch ein alter Bekannter des heutigen Lilien-Trainers Torsten Lieberknecht. Im Sommer 2017 war er mit 20 Jahren vom TSV Havelse zu Eintracht Braunschweig gewechselt. Dort war er für die 2. Mannschaft vorgesehen. Doch Undav traf regelmäßig, und der damalige Chefcoach Lieberknecht zog ihn zu den Profis hoch.

Nach einer Saison in Braunschweig – die Profis stiegen damals ab – zog Undav weiter nach Meppen. Über Belgien und England kam er zu Saisonbeginn nach Stuttgart. Dort erzielte er bislang 14 Tore und ist nun auf dem Sprung in die Nationalelf. “Das wünsche ich ihm, weil er dafür einfach die Leistung bringt”, sagte Lieberknecht. Undav habe sich richtig gut entwickelt, weil er immer an sich geglaubt habe und über eine gewisse Straßenfußballer-Mentalität verfüge.

Wer noch aus der Braunschweiger Talentschmiede kam

Undav war nicht der einzige Spieler, der über die 2. Mannschaft von Braunschweig zum Profi wurde. Bei den Lilien finden sich sogar gleich mehrere Beispiele dafür: Undavs Mannschaftskollege im Angriff war damals ein gewisser Phillip Tietz, der später für den SV Darmstadt 98 spielte und mittlerweile für den FC Augsburg auf Torejagd geht. Auch der derzeit noch verletzte Flügelflitzer Braydon Manu war einst für kleine Eintracht am Ball. Und Winterleihgabe Gerrit Holtmann empfahl sich ebenfalls zunächst dort für höhere Aufgaben.

Lieberknecht ist – anders als so mancher seiner Vorgänger bei den Lilien – ein Trainer, der den Nachwuchs immer Blick hat und jungen Talenten immer wieder die Chance gibt, Profiluft zu schnuppern. Auch aufgrund seiner Erfahrungen in Braunschweig war er stets ein Befürworter einer 2. Mannschaft. Am Ende setzte er sich damit gegen die Zweifel und Widerstände in den eigenen Reihen durch.

Braydon Manu, SV Darmstadt 98

War einst für Braunschweig II am Ball – Braydon Manu

Gegenargumente: Kosten, Platzsituation und sportlicher Wert

Unter Regie von Vereinspräsident Rüdiger Fritsch war die 2. Mannschaft des SV Darmstadt 98 im Sommer 2014 abgemeldet worden. Fritsch hatte immer wieder betont, dass er ein solches Team nicht für sinnvoll halte. “Der sportliche Wert einer solchen Mannschaft, die immensen Kosten dafür und unsere Platzsituation sprechen dagegen”, hatte er noch vor einem guten Jahr im Lilienblog-Interview betont. Natürlich werde das Thema intern immer mal wieder diskutiert, stehe aber “höchstens auf Tagesordnungspunkt 8b”.

Wenn man sich die aktuelle Situation bei den Lilien ansieht, dann gibt es einige Spieler, die in einer 2. Mannschaft Erfahrung und regelmäßige Einsatzzeiten im Seniorenbereich sammeln könnten, die sie bei den Profis nicht bekommen.

Keeper Max Wendt, Nico Baier, Mateo Zelic, Elias Größmann und Asaf Ariana, die zuletzt bereits im Winter-Trainingslager in Spanien dabei waren, sind mögliche Kandidaten. Aber auch ein Fabio Torsiello, der bei den Profis immerhin schon auf einige Kurzeinsätze kam, könnte in einer solchen Mannschaft deutlich Spielpraxis sammeln.

Hintergrund: Rückzug eines anderen Teams ist nicht nötig

Anders als früher muss eine neue gemeldete Mannschaft eines Vereins aus einer der drei höchsten deutschen Ligen nicht mehr in der untersten Liga beginnen. Im September 2021 hatte der Verbandstag des Hessischen Fußballverbands (HFV) eine entsprechende Änderung der Spielordnung beschlossen.

Darin heißt es wörtlich (§ 21, Absatz 2 der Spielordnung): “Der Verbandsausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung kann eine untere Mannschaft eines Vereins der Lizenzligen (Bundesliga und 2. Bundesliga) sowie der 3.Liga bei Aufnahme des Spielbetriebs, nach vorheriger Anhörung des zuständigen Kreisfußballwartes (…) in eine Spielklasse auf Verbandsebene eingruppieren.” Diese Spielklasse auf Verbandsebene ist die fünftklassige Hessenliga.

Bereits vor zwei Jahren hatte Eintracht Frankfurt wieder eine 2. Mannschaft für die Hessenliga angemeldet. Es ist allerdings nicht korrekt, dass es einen kausalen Zusammenhang mit dem Rückzug von SC Hessen Dreieich gab, der zur gleichen Zeit seine Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte.

Allerdings dient die der ehemalige Dreieicher Sportpark als Spielstätte für die Eintracht-Reserve. Wo eine künftige Lilien-Top-Talente-Mannschaft trainieren und ihre Pflichtspiele austragen würde, steht derzeit noch nicht fest. Erste Gespräche mit potenziellen Vereinen wurden bereits geführt, wie der SV Darmstadt 98 mitteilte.

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Bildquellen

  • Fahne_Lilien: Pixabay

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