Die Wege von Dimitrios Grammozis und dem SV Darmstadt 98 trennen sich zum Saisonende – spätestens. Die Entscheidung des Trainers, den angebotenen Einjahresvertrag abzulehnen, erwischte den Verein kalt, wie die Verantwortlichen beteuern. Eine Chronik des Lilienblogs dokumentiert die vergangenen Wochen, in denen sich zuletzt doch ein paar Risse in der scheinbar heilen Fassade aufgetan haben:

Ende Dezember

Grammozis sagt im Lilienblog-Interview, es gebe keinen Fahrplan bei den Vertragsverhandlungen. „Ich lasse das auf mich zukommen. Da werden wir uns schon noch in Ruhe darüber unterhalten, da ist ja kein Druck auf dem Kessel. Ich genieße es hier. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß. Alles andere wird sich ergeben.“

Anfang Januar

Im Trainingslager in Spanien führen die Verantwortlichen Gespräche mit Grammozis über einen neuen Vertrag.

25. Januar

Beim Neujahrsempfang erklärt Präsident Rüdiger Fritsch, der Verein sei nach der vorschnellen Vertragsverlängerung mit Torsten Frings vorsichtiger geworden. Ohnehin sei das Geschäft sehr kurzlebig geworden. Man gebe den Beteiligten viel zu wenig Zeit. Mit Grammozis stehe man aber im Austausch. „Gehen Sie davon aus, dass wir in einer guten Abstimmung sind und dass das auch keine irre lange Hängepartie wird.“ Es müssten immer erst ein paar Vertragsmodalitäten besprochen werden. Auch das Trainerteam wolle sich auf das Sportliche konzentrieren und sich nicht mit Verhandlungen belasten. „Alles im grünen Bereich, alles gut“, sagt der Präsident zu diesem Zeitpunkt.

Rüdiger Fritsch, SV Darmstadt 98

Alles im blauen Bereich – Rüdiger Fritsch, SV Darmstadt 98

27. Januar

Vor dem ersten Spiel gegen Holstein Kiel erklärt Grammozis, er seit „total locker“ mit Blick auf die Vertragssituation. Man wolle gut in den zweiten Saisonteil kommen und dann weitersehen. Als ein Indiz für mangelndes Vertrauen sieht er die Situation nicht. „Der Verein kann mir ja jetzt einen Dreijahresvertrag hinlegen, dann verlieren wir die nächsten sechs Spiele, und dann ist dieser Dreijahresvertrag auch für die Katz!“

7. Februar

Die Lilien gewinnen bei Dynamo Dresden 3:2 und holen damit den ersten Sieg nach zuvor fünf Unentschieden. Die „Bild“ schreibt später: „GRAMMOZIS Neuer Vertrag noch diese Woche?“

14. Februar

„Der Stand ist unverändert“, sagt Grammozis. „Es ist wichtig, dass wir von Spiel zu Spiel denken und die Punkte holen. Dann haben wir als Trainerteam auch noch einmal mehr Pluspunkte.“ Der Fokus liege auf dem Spiel gegen Sandhausen. Alles andere laufe nebenbei.

16. Februar

Die Lilien schlagen Sandhausen 1:0. „Wir machen uns grundsätzlich keinen Druck“, sagt Fritsch danach. „Es hakt nicht an vielen Dingen“, erklärt Sportchef Carsten Wehlmann. Am Geld liege es nicht, dass man noch keine Einigung erzielt habe. „Wir sind zufrieden mit der Arbeit von Dimi. Von daher sollte dem nicht viel im Wege stehen.“ Grammozis wird etwas deutlicher. „Wir haben signalisiert, dass uns die Arbeit sehr viel Spaß macht.“ Man wolle in Darmstadt etwas entstehen lassen. Mit Blick auf eine Vertragsverlängerung sei „ein großes Interesse da“. Hingehalten fühle er sich nicht. „Jeder Sieg ist eine Bestätigung unserer Arbeit. Ich freue mich über jeden Tag, den ich mit den Jungs zusammenarbeiten darf.“

21. Februar

Erstmals deutet Grammozis Zweifel an, ob es zu einer Vertragsverlängerung kommt. „Es gibt eigentlich keinen neuen Stand. Die Gespräche laufen“, sagt er. Er und sein Team fokussierten sich „mit Leidenschaft und Hingabe“ auf die sportliche Arbeit, die sehr Spaß mache. „Darüber hinaus haben wir jetzt Nürnberg im Blick. Alles andere wird sich ergeben – oder nicht.“

23. Februar

Die Lilien gewinnen 2:1 in Nürnberg, der dritte Sieg in Folge. Grammozis ist auf den Tag genau ein Jahr im Amt. „Ist erwähnenswert in Darmstadt“, sagt er lachend. Zu den Verhandlungen erklärt er: „Nochmal: Es gibt da keinen neuen Stand.“ Tobias Kempe findet jedoch: „Es wäre natürlich schön, wenn da in den nächsten Wochen eine Einigung kommt und wir Spieler Gewissheit haben, dass Dimi unserer Trainer bleibt“. Grinsend fügt er an: „Aber ich glaube, der Verein hat das ganz gut unter Kontrolle.“ Ein Präsidiumsmitglied gibt sich zuversichtlich, dass es in den kommenden Tagen zu einer Einigung kommt.

Rüdiger Fritsch und Carsten Wehlmann, SV Darmstadt 98

Nachdenklich trotz des Sieges in Nürnberg – Rüdiger Fritsch und Carsten Wehlmann (rechts)

25. Februar

Grammozis informiert den Verein über seine Entscheidung, den angebotenen Einjahresvertrag nicht anzunehmen.

26. Februar

Die „Bild“ schreibt, dass Grammozis womöglich gar nicht mehr verlängern möchte. Der Verein sagt kurzfristig und ohne offizielle Begründung ein für den Nachmittag geplantes Mediengespräch mit einem Spieler ab. Um 15.51 Uhr geht die Mitteilung zum Scheitern der Vertragsverhandlungen an die Öffentlichkeit.

 

Bildquellen

  • Fritsch2: Arthur Schönbein
  • FCN-SVD-2019-20-blog-003: Arthur Schönbein
  • SVD-OSN-2019-20-blog-006: Arthur Schönbein

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