Fast vier Wochen lang waren die Trainingsplätze des SV Darmstadt 98 wegen der Corona-Pandemie verwaist. Am Mittwoch kehrte zumindest wieder etwas Leben rund um das Böllenfalltor zurück – auch wenn das zum Teil etwas kurios anmutete.

„Richtig normal war eigentlich gar nichts“, sagte Kapitän Fabian Holland in einer Telefonkonferenz nach dem Training.  Am Dienstag hatte der Verein bekannt gegeben, dass man ein Trainingskonzept für Kleinstgruppen unter Einhaltung aller Einhaltung aller Hygiene-Vorschriften entwickelt habe. Das sah dann so aus, dass am Mittwoch jeweils sechs Spieler und ein Trainer auf dem Platz standen und mit dem Ball arbeiteten.

Kopfbälle und Zweikämpfe verboten

In Hollands Fall waren es seine Mitspieler aus der Abwehr. Ein bisschen Ballarbeit, ein bisschen Passspiel, dazu ein paar Flugbälle und Formationen. Aber Zweikämpfe und Kopfbälle seien verboten gewesen, berichtete Holland. Auch hätten die Spieler den Ball und die Trainingsstangen nicht mit den Händen berühren dürfen, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu minimieren.

Seit Mitte März hatten sich die Spieler mit individuellen Plänen fit gehalten – vor allem mit Gymnastik und Läufen. Mit dem Ball habe er in dieser Zeit wenig machen können. „Zuhause war es zu eng, da hätte ich Ärger bekommen“, erzählte Holland. Aber ab und zu habe er sich auf seine Läufe zumindest einen Ball mitgenommen.

Fabian Holland, SV Darmstadt 98 - VfL Bochum

Fabian Holland, SV Darmstadt 98, im bislang letzten Pflichtspiel gegen den VfL Bochum (0:0) am 7. März.

Der Kontakt untereinander lief in der Regel per Telefon und diverse WhatsApp-Gruppen. Gelegenheit, das Wiedersehen mit den Mitspielern auszukosten, gab es am Mittwoch nicht. „Die Situation war definitiv ein bisschen komisch“, sagte Holland. Er sei aus dem Auto direkt auf den Trainingsplatz und danach sofort wieder weggefahren – auch wenn er sich nach der langen Zeit gerne mit dem einen oder anderen länger persönlich unterhalten hätte.

Wie es jetzt mit dem Training weitergeht und wann aus seiner Sicht womöglich wieder gespielt werden kann, ließ der Lilien-Kapitän offen. „Wir schauen von Tag zu Tag“, sagte er. Grundsätzlich hofft Holland wie seine Mitspieler, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann – notfalls auch mit Geisterspielen.

„Eigentlich ist ja die ganze Welt gerade im Chaos“

Der Vertrag des 29-Jährigen läuft zum Saisonende aus, er hat bereits signalisiert, dass er sich einen Verbleib beim SV Darmstadt 98 gut vorstellen kann. Wegen der Corona-Pause und der unklaren Finanzsituation habe man die Verhandlungen aber zuletzt zurückgestellt.

Mit dem Verein habe sich die Mannschaft zudem auf einen Gehaltsverzicht geeinigt, um die weggebrochenen Einnahmen etwas aufzufangen. Die Initiative dazu sei von beiden Seiten ausgegangen, sagte Holland. Man habe gute Gespräche geführt und sich schnell geeinigt.

Natürlich mache er sich Gedanken über seine Situation und seine Zukunft, sagte der Lilien-Kapitän, der voraussichtlich Mitte Mai zum ersten Mal Vater wird. Aber er habe auch Freunde und Verwandte, die größere Probleme hätten. „Eigentlich ist ja die ganze Welt gerade im Chaos“, sagte er.

Bildquellen

  • SVD-BOC-blog-2019-20-013: Arthur Schönbein
  • SVD-BOC-blog-2019-20-007: Arthur Schönbein

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