Mit drei Niederlagen hintereinander rutscht der SV Darmstadt 98 immer weiter Richtung Abstiegsplätze. Wenn man sich die drei Spiele ansieht, zeigt sich eine beunruhigende Abwärtsbewegung.

In Bochum brachten sich die Lilien noch nach einer guten Leistung mit zwei unkonzentrierten Minuten um die Punkte. Gegen Hannover wachten sie erst nach einer Stunde auf, als es bereits 0:2 stand. In Heidenheim zeigte die Mannschaft zwar eine ordentliche erste Halbzeit, legte dann aber im zweiten Durchgang einen spielerischen Offenbarungseid ab.

Schlechter als vergangene Saison

Vergleicht man die Situation mit der von vor einem Jahr, so stehen die Lilien nach 16 Spieltagen heute sogar einen Punkt und einen Platz schlechter da. Anders als damals ist es im Umfeld noch relativ ruhig. Das mag auch daran liegen, dass derzeit keine Fans im Stadion sind, die ihrem (berechtigten) Unmut im Stadion Ausdruck verleihen können wie vor einem guten Jahr in Fürth oder gegen Regensburg.

Sicher spielt aber auch eine Rolle, dass die Mannschaft diese Saison bereits mehrfach gezeigt hat, dass sie Fußball spielen kann und dass das System Anfang sehr attraktiv sein kann – wenn es denn funktioniert. Woran liegt es nun, dass es derzeit nicht funktioniert? Die Gründe sind vielfältig: Schwächen in der Defensive, besonders bei Standards, fehlendes Matchglück, mangelnde Erfahrung. Das alles spielt sicher eine Rolle. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt.

Dem SV Darmstadt 98 fehlt ein Leader

Es ist kein Zufall, dass man Markus Anfang derzeit vor allem bei den Fernsehübertragungen (anders als im Stadion) ständig coachen hört. Schmerzlich vermisst wird ein Leader auf dem Platz. Einer mit Lautstärke, der die Mannschaft antreibt und gegebenenfalls auch mal einen Gegenspieler abräumt, um ein Zeichen zu setzen. Victor Palsson ist so ein Spieler, er soll in etwa zwei Wochen wieder ins Training einsteigen. Wie lange es dauert, bis er wieder einsatzfähig ist, kann man derzeit noch nicht absehen.

Womöglich werden die Lilien ja in dieser Angelegenheit auch noch auf dem Transfermarkt fündig. Ein Rückblick: Im Sommer 2015 gelang es, den in die Jahre gekommenen und in Berlin ausgebooteten Peter Niemeyer als zweiten Leader neben Aytac Sulu ans Böllenfalltor zu lotsen. Das war ein Garant für den Klassenerhalt.

Aber bei aller Nostalgie: Niemeyer hat seine Karriere mittlerweile beendet und ob Sulu den Lilien nach einem halben Jahr ohne Verein sofort als Leader weiterhelfen könnte, ist sehr zweifelhaft. Die alten Zeiten sind vorbei. Aber ein Spieler vom Typ Niemeyer würde dem Team guttun.

Nun heißt es jetzt erstmal, weiter Ruhe zu bewahren. Das hat sich auch vergangene Saison ausgezahlt, als sich die Mannschaft in der Rückrunde noch auf Rang fünf schob. Aber irgendwann müssen dann einfach auch wieder Punkte her.

Bildquellen

  • Niemeyer: Arthur Schönbein

4 Comments

  • Andreas sagt:

    Och, ich glaube zum Kick Asses würden sich bestimmt ein paar Fans finden. Es kann doch nicht sein, dass gut bezahlte Profis ein „Kindermädchen“ auf dem Platz brauchen. Wenn dem so ist, verdienen sie definitiv zu viel.

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Ich finde, die Spieler auf dem Platz sind einfach zu nett und zu ruhig. Auch deswegen hört man ja dauernd Anfang coachen. Das ist eine Typfrage. Kempe, Holland, Dursun haben alle ihre Qualitäten. Der Kader ist durchaus zweitliga-tauglich. Aber ein richtiger Typ fehlt derzeit.

      • Andreas sagt:

        Naja, wenn es eine Frage der Kaderzusammenstellung ist, dann sollte sich der Verein fragen, ob Wehlmann der richtige für den Job ist.

        • Stephan Köhnlein sagt:

          Ich finde die Kritik an Wehlmann an vielen Punkten nicht fair. Er hat nur begrenzte Mittel, musste den Kader und die Ausgaben reduzieren, unpopuläre Maßnahmen treffen. Dafür ist der Kader gar nicht so schlecht, wie er ja schon mehrfach gezeigt hat, dazu kommen die jungen, entwicklungsfähigen Spieler. Ein zweiter Leader wartet sicher nicht an jeder Ecke, dass ihn jemand anruft, um nach Darmstadt zu kommen. Mal sehen, was noch passiert im Winter.

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