Nicolai Rapp spielt beim jüngsten Aufschwung des SV Darmstadt 98 eine zentrale Rolle. Seit er mit Victor Palsson als Doppel-Sechs vor der Abwehr agiert, haben die Lilien in drei Spielen sieben Punkte geholt. Doch der 24 Jahre alte Defensivspieler sieht dafür weniger das neue System als vielmehr die veränderte Mentalität im Team als ausschlaggebend, wie er am Tag nach dem Braunschweig-Spiel im Mediengespräch erklärte.

Nicolai, wie geht’s, nachdem Du eine Nacht über das 1:1 gegen Braunschweig geschlafen hast?

Nicolai Rapp: Dass wir nicht verloren und aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt haben, ist sehr schön für uns. Die Punkteteilung war gerecht, damit können wir ganz gut leben.

Mein Gefühl sagt mir, dass Ihr das Spiel vor drei Wochen noch verloren hättet. Wie siehst Du das?

Nicolai Rapp: Puh, das weiß ich nicht. Wir haben uns natürlich schon öfter selbst geschlagen. Das war gestern nicht der Fall. Die Mentalität hat gestimmt die letzten drei Spiele, die Einstellung war gut. Darauf können wir aufbauen.

„Wären auch mit einem anderen System erfolgreich“

Ihr wirkt auch wesentlich aggressiver …

Nicolai Rapp: Wir waren die letzten Spiele gut in den Zweikämpfen, standen aber auch etwas tiefer. Wir haben gesagt: Wenn der Gegner in unsere Zone spielt, muss es knallen.

Wie hängen den Mentalität und Spielsystem zusammen? Seit Ihr das System geändert habt und mit zwei defensiven Spielern vor der Abwehr spielt, wirkt auch die Mentalität ganz anders, Ihr tretet viel selbstbewusster auf und steckt auch Rückschläge weg.

Nicolai Rapp: Für mich ist die Mentalität unabhängig vom System. Wenn die Mentalität nicht stimmt, ist es schwierig in der 2. Liga. Deswegen haben wir auch gegen Karlsruhe verloren. Das war jetzt anders. Jeder war für jeden da. Natürlich hat uns das Spielsystem die letzten drei Spiele Sicherheit gegeben. Aber wenn wir die Mentalität beibehalten, wären wir auch mit einem anderen System erfolgreich.

„Wir können nicht jedes Spiel nur verteidigen“

Du hast in der Hinrunde gesagt, Du bist von dem System überzeugt und willst weiter hinten flach rausspielen und aufbauen. Das System mit den vielen kurzen Bällen in der Abwehr habt Ihr jetzt aber doch über Bord geworfen …

Nicolai Rapp: Vor drei Wochen sah es in der Tabelle eben noch ein bisschen anders aus. Deswegen haben wir gesagt, wir wollen weniger Risiko gehen. Gegen Paderborn haben wir nur lange Bälle gespielt. Gestern haben wir dann schon etwas flacher gespielt, aber ohne Risiko. Wir können natürlich nicht jedes Spiel nur verteidigen. Wir müssen auch ab und zu in den Ballbesitz kommen. Das hat gestern ganz gut funktioniert.

„Es war eine gemeinsame Entscheidung“

Wie ist es denn zur Systemumstellung gekommen? Ist der Trainer zu Euch gekommen und hat gesagt: „Jungs, das hat echt keinen Sinn mehr, hinten nur mit flachen Bällen zu spielen“? Oder ist die Mannschaft zum Trainer gegangen und hat gesagt: „Trainer, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen anders spielen“?

Nicolai Rapp: Der Trainer gibt natürlich die Impulse, spricht aber auch mit uns, wie wir uns fühlen. Wir haben ja schon einmal in dieser Saison das System umgestellt. Das kommt alles vom Trainer. Aber wir schauen auch im Training, was uns gut liegt und was uns nicht so gut liegt. Es ist also eine gemeinsame Entscheidung.

Wie blickst Du nach vorne?

Nicolai Rapp: Wir sind noch immer nicht aus dem Abstiegskampf raus. Die sieben Punkten tun uns zwar gut. Aber wir brauchen natürlich noch mehr Punkte.

Bildquellen

  • EBS-SVD-2020-21-blog-005: Arthur Schönbein

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