Anfang 2020 wechselte Lilien-Ehrenspielführer Aytac Sulu nach einem letztlich unbefriedigenden Gastspiel in der Türkei zu Carl-Zeiss Jena, dem Erstrunden-Pokal-Gegner des SV Darmstadt 98 am Sonntag. Obwohl er damals den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern konnte, hat er gute Erinnerungen an sein halbes Jahr in Thüringen. Und er traut dem dreimaligen DDR-Meister eine gute Zukunft zu – allerdings noch nicht jetzt im Pokal gegen die Lilien.
Aytac, du bist seit dieser Saison Trainer bei der U21 von Waldhof Mannheim. Wie läuft es?
Es macht viel Spaß, auch wenn wir nicht gut gestartet sind. Wir hatten eine schwierige Vorbereitung mit nur 12, 13 Spielern, weil wir eine relativ große Fluktuation hatten. Wir haben viele Spieler nach oben an die Drittliga-Mannschaft abgegeben, weil die auch Personalprobleme hatten. Dadurch hat sich das dann alles ein bisschen schwieriger gestaltet. Aber das ist eben das Opfer, das man als U21-Trainer bringt.
Fluktuation ist eine gute Brücke zum SV Darmstadt 98, wo es diese Jahr auch ziemlich viel Fluktuation gab. Wie eng verfolgst du die Lilien noch im Moment?
Gerade ein bisschen weniger, weil ich selber viel zu tun habe. Aber natürlich kriegt man da einiges mit, auch mit die vielen Personalwechsel auf dem Platz. Die Transferstrategie ging aus meiner Sicht Richtung Benelux. Das ist fußballerisch auf jeden Fall eine unheimlich gute Gegend, um Spieler zu finden. Und jetzt heißt es für das Trainerteam, die Mannschaft so zu formen, dass sie homogen miteinander spielt und sich auf und neben dem Platz gut verständigt.
Am Sonntag geht es im Pokal gegen Jena. Du hast selbst im Jahr 2020 ein halbes Jahr in Jena gespielt. Welche Erinnerungen hast du an die Zeit?
Jena ist wirklich ein toller Verein. Die Leute, die ich damals kennengelernt habe, haben das dort alles mit viel Herzblut gemacht. Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Eine schöne Stadt mit einer immensen Fanbase. Leider kam damals Corona dazwischen. In Erinnerung geblieben ist mir nachhaltig das Ernst-Abbe-Sportfeld mit seiner blauen Tartan-Bahn. Und die neue Arena dort ist nun wirklich sagenhaft geworden.
Du hast in einem früheren Lilienblog-Interview Jena mal als „schlafenden Riesen“ (->) bezeichnet, der dich an deine erste Zeit in Darmstadt erinnert hat …
Richtig. Und mittlerweile hat Jena ja fast alles – von einem großen Trainingsareal bis hin zum neuen Stadion. Es fehlt wohl nur noch ein bisschen das Wirtschaftliche, damit man den nächsten Schritt gehen kann. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass der Verein früher oder später zurück in die 3. Liga kommt.
Du bist damals mit Jena abgestiegen. Seitdem ist der Verein – immerhin dreimaliger DDR-Meister – nicht mehr aufgestiegen. War damals wirklich nichts mehr zu retten?
Als ich kam, lagen wir schon relativ weit hinten. Natürlich wollten wir versuchen, noch irgendwie die Klasse zu halten. Aber das hatte sich leider relativ früh erledigt. Ich glaube, die Ziele in Jena waren dann auch, dass nach turbulenten Jahren eine Konsolidierung stattfindet. Und ich glaube, der erste Schritt mit einem neuen Stadion ist gemacht. Letzte Saison haben sie eine gute Runde gespielt, sind Zweiter geworden. Ich würde es ihnen auf jeden Fall gönnen, dass sie auch diese Saison bis zum Schluss wieder oben ein Wörtchen mitreden.
Auf dem Papier sind die Lilien klarer Favorit – aber das kann auch ganz böse in die Hose gehen und der Saison eine schlecht Wendung geben. Du hast das selbst in Darmstadt erlebt …
Walldorf…
Genau, das Zweitrunden-Aus 2016. Wie groß siehst du die Gefahr, dass sich das jetzt wiederholt?
Die Gefahr besteht immer. Wenn ein Underdog jemanden vor die Flinte kriegt, der ein bisschen struggelt, ist das natürlich auch eine Extra-Motivation, die weiter zu ärgern. Da kann man sich schon vorstellen, dass Jena alles geben wird, um die Lilien von der ersten Minute an zu verunsichern, sodass sie ein bisschen unruhig werden.
Dein Tipp: Wie geht es aus?
Ich denke trotzdem, dass es ein 3:0 für die Lilien wird.
Euch ist ein Fehler aufgefallen? Dann lasst es uns hier per Mail (->) wissen.
Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.
Bildquellen
- D98-DSC-005: Arthur Schönbein




