Der Vergleich lässt Markus Anfang schmunzeln: Braunschweig-Coach Daniel Meyer hatte den SV Darmstadt 98 angesichts seiner unangenehmen Defensive jüngst als Atletico Madrid der Zweiten Liga bezeichnet. „Prinzipiell ist das doch etwas Positives, wenn man sieht, wo die spielen“, sagt der Lilien-Trainer mit Blick auf den spanischen Champions-League-Teilnehmer. Zustimmen will er dem Vergleich allerdings nicht.

„Man muss das ein bisschen relativieren. Wir spielen seit drei Spielen jetzt ein etwas tieferes Mittelfeldpressing“, sagt Anfang. „Davor haben wir 23 Spieltage lang sehr viel Ballbesitz gehabt. Da hat auch keiner gesagt, dass wir wie Barcelona oder Bayern gespielt haben.“

Der Baustein Mittelfeldpressing

In dieser Saison hat es der SV Darmstadt 98 schon in zahlreichen taktischen Grundformationen versucht. Man begann mit einer Viererkette in der Abwehr, wechselte nach den Niederlagen gegen Paderborn und Aue auf Dreierkette, später wieder zurück auf vier Abwehrspieler und agiert seit dem 0:1 gegen den Karlsruher SC zudem mit einer defensiven Doppelsechs. „Das zeigt, dass wir in der Lage sind zu switchen“, sagt Anfang, räumt aber auch ein: „Wir haben schon mit allen Systemen gepunktet – und keine Punkte geholt.“

Auf die Grundformation allein gibt Anfang eh nur wenig, spricht lieber von unterschiedlichen Bausteinen. „Zuletzt haben wir den Baustein Mittelfeldpressing nach vorne gezogen und die anderen etwas nach hinten geschoben.“ Doch das könne nach der Länderspielpause schon wieder anders sein.

„Der Impuls kommt immer nur von mir“

Er überlege mit Co-Trainer Florian Junge, welcher Impuls für die Mannschaft sinnvoll sei – auch mit Blick auf Personal und Gegner. Den Impuls gebe er an die Mannschaft und bekomme von ihr ein Feedback. Damit arbeite man dann. „Wenn Du etwas verändern möchtest und die Mannschaft davon nicht überzeugt ist, macht das keinen Sinn“, betont er, stellt aber auch klar: „Der Impuls kommt immer nur von mir. Den gibt es nicht von der Mannschaft.“

Damit erteilt Anfang Spekulationen eine Absage, die Rückkehr zur Doppelsechs sei eine Initiative der Mannschaft. Schließlich war diese mit dem 4-2-3-1-System unter Dimitrios Grammozis nach einigen Startschwierigkeiten vergangenen Saison Tabellenfünfter geworden. Unter anderem hatte Victor Palsson das neue, alte System begrüßt: Man müsse nicht so viel nachdenken.

„Von der Mannschaft ist gar nichts gekommen in diese Richtung“, sagt Anfang. Ohnehin sei für die Fokusverschiebung auf die Defensive vor allem die Positionierung zum Gegner entscheidend. Deswegen verteidige man inzwischen mehr im Raum und weniger am Mann. Das habe aber nichts mit der Vergangenheit zu tun.

Dass seine Mannschaft zumindest gegen Paderborn und Aue plötzlich vor dem Tor effizient war, wundert den Trainer: „Eigentlich musst Du defensiv spielen, wenn Du Tore schießen willst“, sagt er. „Das ist manchmal nicht zu erklären.“

Bildquellen

  • EBS-SVD-2020-21-blog-028: Arthur Schönbein

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