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Der sechste Teil unserer Serie über die Geschichte des SV Darmstadt 98 handelt von der größten Krise in der Vereinsgeschichte. 

Wir haben bis hierher eigentlich drei Gründungsdaten beleuchtet: Den 22. Mai 1898, den 11. November 1919 und den 05. September 1945. Quasi zu einem weiteren Wiedergründungsereignis kam es am 03. Juni 2009:

Im Jahre 2007 befand sich der Verein in einer veritablen Krise, die sich seit längerem andeutete und in Rücktritten von Teilen des Präsidiums mündete. Lagerbildung, Streit und Misstrauen waren in dieser Zeit an der Tagesordnung und der SV 98 zeigte sich von einer für ihn untypischen Seite. Auf Initiative des Verwaltungsrates und vor allem auch des damaligen Oberbürgermeisters Walter Hoffmann konnte der Unternehmensberater Hans Kessler dafür gewonnen werden, dem Verein mit seiner Expertise und Erfahrung in Restrukturierungs- und Sanierungsfragen hilfreich zur Seite zu stehen.

Der SV Darmstadt 98 als Sanierungsfall

Hoffmann gelang es darüber hinaus, Kessler davon zu überzeugen, bei der Mitgliederversammlung im September 2007 als (einziger) Präsidentschaftskandidat anzutreten. In einer als historisch zu bezeichnenden Versammlung strahlte er Optimismus, Kompetenz und Zuversicht aus. Die Stimmung wendete sich an diesem Abend ins Positive und Kessler wurde unter Standing Ovations einstimmig zum neuen Vereinspräsidenten gewählt. Ebenfalls gewählt wurden vier weitere Präsidiumsmitglieder und man kann es diesen fünf Personen gar nicht hoch genug anrechnen, dass sie in den Folgemonaten an Bord blieben, waren sie doch in ständiger Gefahr, in die Privathaftung genommen zu werden, denn eine sogenannte D&O-Versicherung – also eine  Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die ein Unternehmen für seine Organe und leitenden Angestellten abschließt – war für Vertreter des Sanierungsfalles Darmstadt 98 nicht möglich.

Rettungsaktionen wenden Insolvenz ab

Im Dezember desselben Jahres zogen nämlich dunkelste Wolken über dem Böllenfalltor auf. Im Zuge behördlicher Untersuchungen wurden Akten aus der Geschäftsstelle beschlagnahmt, der Verein befand sich in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Diese mündete in einem nicht abzuwendenden Insolvenzeröffnungsantrag im März 2008. Am 6. März gelang es Kessler jedoch, den geschockten und um die Zukunft des Vereins bangenden Fans und Mitgliedern in einer flammenden Ansprache Mut und Hoffnung zuzusprechen. Dieser Abend in der Lilienschänke war der Auftakt für eine große Anzahl fantasiereicher Rettungsaktionen, durch die es letztlich gelang, ein knappes Jahr später den Insolvenzeröffnungsantrag (an besagtem 03. Juni 2009) zurückzuziehen – ein im deutschen Fußball bis heute einmaliger Erfolg.

Rüdiger Fritsch, SV Darmstadt 98

Rüdiger Fritsch ist seit 2012 Präsident SV Darmstadt 98

Nachhaltig aus der Krise

Der Sanierer Kessler wusste freilich, dass das erst der Beginn und die Basis für eine gute Zukunft des Vereins sein konnte, die man nicht gleich wieder verspielen dürfe. Mit großem Fleiß, hoher Disziplin und fundiertem Sachverstand arbeitete er fortan an der Weiterentwicklung des SV 98; Anstrengungen, durch die der Verein nun schon seit 2014 in den obersten beiden Ligen im deutschen Profifußball vertreten ist. Charakteristisch für Kesslers Handeln ist aber auch, dass Nachhaltigkeit von ihm immer großgeschrieben wurde und er rechtzeitig seine Nachfolge in die richtigen Bahnen lenkte und organisierte. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung wurde ihm 2022 die Ehrenpräsidentschaft verliehen. Seit Hans Kesslers Ausscheiden aus dem Präsidium arbeitet ununterbrochen derselbe Vorstand um Rüdiger Fritsch als Präsident.

Thomas Spengler und Mignon Löffler-Ensgraber beleuchten für den Lilienblog in einer siebenteiligen Serie die Geschichte des SV Darmstadt 98.

In Teil 7 geht es um mehr als Fußball beim SV Darmstadt 98. 

Alle Beiträge auf einen Blick:

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Bildquellen

  • Fritsch-01: Arthur Schönbein
  • Fahne_Lilien: Pixabay

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