Sie kamen in der Winterpause von zwei Bundesligisten zum SV Darmstadt 98, um Spielpraxis zu sammeln. Matthias Bader (1. FC Köln) wurde auf Anhieb Stammspieler, Nicolai Rapp (Union Berlin) ist nach der Verletzung von Immanuel Höhn inzwischen gesetzt. In einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe unseres Partners „Vorhang auf“ habe wir die beiden Winterneuzugänge porträtiert.

Rappo und Matze – die beiden Neuen für die Abwehr

Nicolai Rapp und Matthias Bader stießen in der Winterpause zum SV Darmstadt 98

Sportlich mussten sie sich noch beweisen, doch da hatten die beiden Winterneuzugänge des SV Darmstadt 98 bereits ihre Spitznamen weg: Nicolai Rapp ist Rappo und Matthias Bader ist Matze. Die beiden Abwehrspieler verstärken die Lilien seit der Winterpause. Gemeinsam erhoffen sie sich, ihre zuletzt etwas ins Stocken geratene Karriere wieder in Schwung zu bekommen. Doch die Perspektiven sind unterschiedlich.

Gleich zwei Mal haben die Lilien in der Winterpause in der Abwehr nachgebessert – und das nicht ganz freiwillig. Nach dem Kreuzbandriss von Mathias Wittek im November suchte man einen weiteren Innenverteidiger, den man früh in Nicolai Rapp fand. Nach dem Abgang von Mandela Egbo zu Red Bull New York brauchte man neben Routinier Patrick Herrmann einen zweiten Rechtsverteidiger und holte Matthias Bader.

Auf dem Sprung? Nicolai Rapp (vorne, rotes Leibchen) und Matthias Bader (grünes Leibchen), SV Darmstadt 98

Auf dem Sprung? Nicolai Rapp (vorne, rotes Leibchen) und Matthias Bader (grünes Leibchen)

Die Ausleihe Rapps von Bundesligist Union Berlin bis zum Saisonende wurde noch vor Weihnachten perfekt gemacht. “Ich hatte mehrere Angebote in der 2. Liga“, sagt er. Die Gespräche mit den Verantwortlichen seien sehr gut gewesen. Außerdem habe er die Kulisse am Böllenfalltor erlebt. „Und danach wusste ich, dass ich das hier gerne machen würde.“

„Erstmal enttäuscht“ – Rapp zunächst auf der Bank

Der 23-Jährige bestritt die komplette Vorbereitung mit der Mannschaft. Auf seiner Stammposition als Innenverteidiger kam er jedoch zunächst nicht an Immanuel Höhn und Dario Dumic vorbei, die eine starke Vorrunde gespielt hatten.

Beim ersten Spiel gegen Kiel saß er nur auf der Bank. „Ich glaube, jeder, der nicht spielt, ist erstmal enttäuscht und will auf dem Platz stehen“, sagt er. „Ich versuche weiter Gas zu geben, meine Chancen zu nutzen, der Mannschaft zu helfen und wenn ich gefragt bin, da zu sein.“

Die Chance kam dann im zweiten Spiel gegen Osnabrück. Da debütierte er als Einwechselspieler auf der ungewohnten Rechtsverteidiger-Position, wo er nach eigener Aussage in der 2. Liga erst einmal 30 Minuten gespielt hatte. „Aber defensiv kann ich eigentlich alles spielen“, sagt er. So kam er beim 1:0 über Sandhausen nach seiner Einwechslung dann auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz.

Nicolai Rapp, SV Darmstadt 98

Nicolai Rapp vor seinem Debüt im Trikot des SV Darmstadt 98 gegen Osnabrück

Wohnen abseits vom Trubel der Stadt

Auch wenn nicht klar ist, wie es mit Rapp nach dem Ende der Leihe im Sommer weitergeht, hat er in der Nähe von Darmstadt bereits eine Wohnung bezogen. „Ein bisschen außerhalb. Ein bisschen auf dem Dorf“, sagt er. Nach Heidelberg habe er nicht pendeln wollen. „Ich bevorzuge es, dort zu wohnen, wo ich auch arbeite“, sagt er.

Ebenfalls vor die Tore von Darmstadt zieht es den zweiten Winterneuzugang Matthias Bader. „Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich direkt im Grünen bin“, sagt der 22-Jährige. „Ich komme vom Dorf. Ich brauche keine 17 Chinesen und 12 Italiener ums Eck. Ein guter reicht mir völlig.“ Auch für seinen Hund, einen Labrador, sei es natürlich besser, wenn man mehr Platz habe.

Wiedersehen mit Marvin Mehlem

Bader hat eine schwierige Zeit hinter sich. Mit Marvin Mehlem hatte er beim Karlsruher SC seine Profi-Laufbahn begonnen. Der Wechsel zum 1. FC Köln vor eineinhalb Jahren sollte der nächste Karriereschritt sein. Doch es kam anders. Erst warf ihn eine Hüftverletzung zurück, doch auch danach konnte er sich nicht durchsetzen.

Die Gründe? „Sportlich war ich gefühlt zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt er. Aber das solle keine Ausrede sein. Vielleicht hätte er noch ein bisschen verbissener kämpfen können. „Vielleicht habe ich mich manchmal etwas hängen lassen. Aber ich habe auch Gas gegeben, und es hat keiner gesehen. Es war wohl eine Kombination aus beidem.“

SV Darmstadt 98 - VfL Bochum

Will sich beim SV Darmstadt 98 durchsetzen – Matthias Rapp im spiel gegen Bochum

„Unbedingt weg aus Köln“

Bei den Lilien war er schon im Sommer ein Thema gewesen, da ließ sich der Wechsel jedoch nicht umsetzen. Doch als Egbo den Verein dann relativ überraschend verließ, kam Fahrt in die Sache. „Ich wollte unbedingt aus Köln weg. Ich möchte so hoch wie möglich spielen“, sagt Bader.
Den Kölnern danke er, dass sie ihm keine Steine in den Weg gelegt hätten. „Und ich freue mich, dass ich hier ein Verein gefunden habe, der mir so ein Vertrauen entgegenbringt, obwohl ich eineinhalb Jahre ziemlich weg vom Fenster war.“

„Darmstadt ist ein Club, in dem man sich richtig gut entwickeln kann“

Anders als Rapp unterschrieb Bader einen längerfristigen Vertrag über zweieinhalb Jahre. Und anders als Bader stand er gleich in der Startelf. Dabei profitierte er auch von der Schwäche des bis dahin als Rechtsverteidiger gesetzten Patrick Herrmann. Ohnehin spricht das Alter klar für Bader. Der Vertrag des 31 Jahre alten Herrmann läuft zudem zum Saisonende aus.

Trotzdem bleibt der Verteidiger bescheiden. „Ich möchte mich natürlich hier durchsetzen und am liebsten zum unangefochtenen Stammspieler aufsteigen“, sagt er. „Darmstadt ist ein Club, in dem man sich richtig gut entwickeln kann. Ein gestandener Zweitligist mit erfahrenen Spielern, an denen man sich hochziehen kann.“

Ausführliche Interviews mit Matthias Bader und Nicolai Rapp gibt es hier:

Neuzugang Matthias Bader mit „Luft nach unten“

Matthias Bader: „Wollte unbedingt weg aus Köln“

„Unfallfrei schon“ – Matthias Bader über Flanken mit links

Nicolai Rapp: Mit Konkurrenz wird man immer besser

Nicolai Rapp: Kulisse war ein Grund für Wechsel

Nicolai Rapp: Debüt auf ungewohnter Position

Nicolai Rapp: Zufrieden und ein paar Kopfschmerzen

Bildquellen

  • SVD-BOC-blog-sonstiges-2019-20-008: Arthur Schönbein
  • SVD-OSN-2019-20-sonstiges-002: Arthur Schönbein
  • SVD-BOC-blog-2019-20-021: Arthur Schönbein
  • MatzeRappo: Fotos Arthur Schönbein/Montage Lilienblog

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